13.08.2020 - 16:52 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Abzug der US-Armee: Oberpfälzer rüsten sich für den Notfall

Schon wenige Tage nachdem US-Verteidigungsminister Mark T. Esper die Abzugspläne aus Vilseck verkündet hat, sind US-Generäle nach Bulgarien und Rumänien gereist. Sie sprechen über die Umsetzung. Doch auch die Oberpfälzer rüsten sich.

Leutnant Alexandra Weisser wird während einer Rettungsübung in Grafenwöhr in einen US-Hubschrauber hochgezogen.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Am besten wäre es, die Amerikaner blieben in der Oberpfalz. Darüber herrscht unter Gewerkschaftern, Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern Einigkeit. Doch sie wissen auch, dass nicht die guten Beziehungen zu den US-Soldaten in der Region entscheidend sind, sondern die Politik in Washington und das angespannte Verhältnis zur Bundespolitik. Davon wollen sie sich nicht beirren lassen und weiter für die US-Standorte werben.

Gleichwohl stecken die Oberpfälzer den Kopf nicht in den Sand. Sie rüsten sich, für den Fall, dass der angekündigte teilweise US-Abzug aus der Region umgesetzt wird. Dazu diente der "Runde Tisch zum geplanten Truppenabzug", zu dem der Weidener Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht (CSU) am Donnerstag ins Sportheim nach Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) Vertreter der deutschen Beschäftigten, Bürgermeister der betroffenen Orte und Kommunalpolitiker sowie Landtagsabgeordnete und seinen Weidner Bundestagskollegen Uli Grötsch (SPD) eingeladen hatte. Am Telefon war Verteidigungsstaatssekretär Thomas Silberhorn (CSU) dabei.

Warnung: Akzeptanz sinkt

Sie wollen ein Konzept entwickeln, was von Landes- und Bundesregierung zur Kompensation und Konversion eingefordert werden soll. Das Ziel: Einen Plan in der Schublade zu haben, falls der Abzug Realität wird. Ein Spagat: niemand will der US-Seite signalisieren, sie sei nicht mehr willkommen. Einigkeit herrscht auch darüber: Ohne eine Stationierung von US-Truppen und hochwertige Arbeitsplätze für Deutsche würde die Akzeptanz sinken. Der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch verweist darauf, dass zumindest der Übungsplatz nicht infrage gestellt werde. Neben regionalpolitischen Maßnahmen wird deshalb auch über eine militärische Kompensation gesprochen, etwa ein deutsch-tschechisches Korps. Aber es dürfe keine Symbolpolitik sein, sondern müsse Substanz haben, sagt Rupprecht.

Durch den Abzug der Brigade aus Vilseck mit 4500 Soldaten sowie zwischen 8000 und 9000 Familienangehörigen würden eine Kleinstadt aus der Oberpfalz verschwinden, sagt Hans-Martin Schertl, Bürgermeister von Vilseck. Aus Grafenwöhr sind rund 1500 Soldaten zur Verlegung vorgesehen. Am Ende bliebe nur knapp die Hälfte der US-Soldaten in der Oberpfalz. Schertl befürchtet, dass mindestens ein Drittel der rund 660 Millionen Euro, die jährlich von der US-Seite in die Region fließen, wegbrechen könnten. Also 220 Millionen Euro.

Mehr zum geplanten US-Abzug

Grafenwöhr

Weniger Stellen für Deutsche

Weniger Soldaten bedeutet weniger deutsche Beschäftigte. Darüber macht sich die Gewerkschaft Verdi keine Illusionen. Derzeit sind es rund 3000 Arbeitsplätze. Der Altersdurchschnitt liegt bei über 57 Jahren. Wenn der Abzug schnell komme, werde es harte Einschnitte, also Kündigungen geben, befürchtet, Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Dagner. Er hatte zuletzt vor acht Jahren in Grafenwöhr einen Personalabbau erlebt. Wenn mehr Zeit bleibe könne vieles über natürliche Fluktuation abgefedert werden.

Auch die US-Armee ist in die Planungen eingestiegen. Vergangene Woche besuchten der Generalstabschef des US-Heeres, General James C. McConville, und der Oberkommandierende des US-Heeres in Europa, Generalleutnant Christopher G. Cavoli, Rumänien und Bulgarien, um über die zusätzlichen US-Truppen zu sprechen. Und dieses Wochenende unterzeichnet US-Außenminister Mike Pompeo in Polen das Stationierungsabkommen.

Der Weidener Bundestagabgeordnete Albert Rupprecht (CSU, mit Mikropfon) führt Abgeordnete, Kommunalpolitiker und Gewerkschafter zusammen, um über Antworten auf den US-Abzug zu sprechen.
Hintergrund:

Folgen des geplanten US-Abzugs für die Oberpfalz

Die USA wollen gut die Hälfte ihrer Soldaten aus der Oberpfalz abziehen. Rund 4500 aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) sowie weitere 1500 aus Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN). Allein für Vilseck spricht Bürgermeister Hans-Martin Schertl von 8000 bis 9000 Familienangehörigen die mit den Soldaten gehen würden.

Rund 3000 Deutsche sind bei den US-Streitkräften in Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels (Kreis Neumarkt) beschäftigt. Ihnen droht ein Abbau bei einer Reduzierung der US-Soldaten.

Auf rund 660 Millionen Euro jährlich beziffert die US-Armee die Ausgaben von Garnison sowie Soldaten und deren Angehörigen in der Region. Dies könnte bei einem Abzug um gut ein Drittel einbrechen, befürchten Kommunalpolitiker.

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Kommentare

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Stefan Srp

Herr Pausch, Sie schreiben von Politikern und Gewerkschaftern, haben Sie eine repräsentative Umfrage unter Bürgern gemacht wie die es sehen.? Das wäre interessant wieviel Prozent pro und contra. In den 80igern gab es Schlägereien in Bar und Grill-Restaurants in Grafenwöhr wo die MP auf Prügelnde eindrosch. Vor 5-10 Jahren gab es in ZDF-WISO einen Bericht, da US-Bürger es nicht für nötig hielten (klar Besatzungsmacht) einen Zug-Fahrschein zu lösen und Schaffner und Schwarzfahrerkontrolleur der DB attackierten. Zu ähnlicher Zeit wurde zum 2. Mal eine Schule beschossen, keine toten Kinder weil gerade im Pausenhof spielten; auch damals stellte sich ein Bürgermeister vor die Kamera: "Wir sind ja so froh, dass die Amerikaner da sind". Warum? Damit sie unsre Lehrer vor nervenden Blagen retten? Für 600 Millionen Euro Kaufkraft dürfens selbstverständlich mal 120 Kinder töten, Peanuts oder in Kauf zu nehmender Kollateralschaden? und in letzter Zeit berichtete O-Netz mehrmals über die Landung der großen Kampfhubschrauber am Krankenhaus mit verwüsteten Stadtfriedhof und verletzten Rentnern ohne Entschädigung und Entschuldigung. Mal sehen wann Leute vor Autos geweht werden oder oben der Teller und/oder Dach einbricht und der schwere Hubschrauber runterfällt und die Rotoren durch die Gegend fliegen. Hoffentlich nicht. National Geographic schrieb vor 10 Jahren dass man mit Photovoltaik versehenen Truppenübungsplatz Grafenwöhr ganz Deutschland mit Strom versorgen könne. Muss ja jetzt nicht mehr da Norden Offshore und Windkraft hat. Aber es bräuchte nicht die beiden Stromtrassen in der Oberpfalz weil München es nicht schafft sich selbst ein versorgen. Dann wärs halt nur 1 Leitung Grafenwöhr - München und solarfreie Fläche Naturschutzgebiet ohne Lärm und eine Nord-Süd und West-Ost-Strasse hindurch. Wär das nicht besser?

15.08.2020