18.09.2018 - 14:51 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Rüstungskontrolle bei US-Armee in Grafenwöhr

Die Mechanismen stammen aus dem Kalten Krieg und sind dennoch aktueller denn je. Derzeit besucht eine Delegation aus den OSZE-Staaten das US-Militär in Grafenwöhr. Ein Thema sind neue Waffensysteme.

Ein amerikanischer Radpanzer vom Typ "Stryker".
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Angesichts der anhaltenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland hat das "Wiener Dokument", das seinen Ursprung im Kalten Krieg hat, wieder an Bedeutung gewonnen. Die Übereinkunft zwischen den 57 Mitgliedstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bietet die Basis für Besichtigung militärischer Einrichtungen wie etwa der US-Garnison Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und des 7. US-Armee-Trainingskommandos.

Seit Montag informieren sich 44 Teilnehmer, Militärs und politische Referenten, aus 27 Staaten über die amerikanischen Einrichtungen in der Oberpfalz. Zum dreitägigen besuch eingeladen hat die US-Armee. Sie sei an der Reihe gemäß der Übereinkunft, eine militärische Einrichtung vorzuführen, sagt Kenneth D. Periman vom Bereich Rüstungskontrolle und Verifikation vom Hauptquartier des US-Heeres in Europa.

Das besondere diesmal: Das US-Heer zeigt zudem zwei neue Waffensysteme: Den Raketenwerfer "M142 high mobility artilleryrocket system" (HIMARS) und das "XM1296 Stryker Infantry Carrier Vehicle-Dragoon" (ICV-D), eine verbesserte Version des Stryker-Radpanzers, den das 2-US-Kavallerieregiment in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) nutzt.

Offiziere der Garnison und des Trainingskommandos erläutern den Gästen Aufbau und Aufgaben der Einrichtungen. Dazu gehört auch die jüngste Umstrukturierung, in deren Zuge die dauerhaft in Europa stationierten US-Kampfbrigaden dem Grafenwöhrer Kommando unterstellt wurden. Nur ein Aspekt, der zu Nachfragen führt. Die Amerikaner beschreiben auch, dass sich die Arbeit des Trainingskommandos nicht auf die Oberpfalz beschränkt, sondern bis nach Osteuropa, in die Ukraine, nach Georgien und Afrika erstreckt. Zudem stellt die US-Armee Einrichtungen wie etwa das Simulationszentrum vor.

Die US-Seite will ihre Verpflichtungen aus dem Dokument umfassend erfüllen, unterstreicht Periman. Es geht um Transparenz. Der Amerikaner ist seit langem im Rüstungskontrollgeschäft. Er hat damit im Zuge des INF (Intermediate-Range Nuclear Forces)-Vertrages, dem Abkommen zum Abbau von Mittelstreckenraketen, begonnen. Viele aus dem Rüstungskontrollbereich kennen sich seit Jahren, sagt Periman. Das unterstreicht Oberst Thomas Krainz vom österreichischen Bundesheer. Das helfe und trage zur Vertrauensbildung bei.

Um Vertrauen und Verifikation geht es beim "Wiener Dokument über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen". Die Übereinkunft, die auf der Schlussakte von Helsinki 1975 fußt, wurde 1990 vereinbart und 1992, 1994, 1999 und 2011 ergänzt. Weitere Instrumente sind neben der Verpflichtung, militärische Einrichtungen zu zeigen, unter anderem Informationspflichten, oder Inspektionsrechte.

"Auf der Arbeitsebene, zwischen den Militärs haben wir sehr gute Beziehungen", sagt Oberstleutnant Aleksey Belov. Ein Satz, der in den vergangenen Jahren von allen Seiten häufig zu hören war. Der russische Offizier war vor mehr als zweieinhalb Jahren schon einmal in der Oberpfalz. Damals war er Teil einer russischen Delegation, die zusammen mit einem Team vom Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr das 2. US-Kavallerieregiment in Vilseck besuchte. Damals war auch Oberst Christoph Gambka dabei. Der Bundeswehr-Offizier füllt nun zwei Rollen aus: Er ist Mitglied des Besucherdelegation und Mitorganisator. Außerhalb der US-Militäreinrichtungen ist die Bundeswehr für die Unterbringung, den Transport und die medizinische Versorgung der Delegation verantwortlich. Das ist Teil der multinationalen Rüstungskontrolle.

Offenheit hilft allen: Angemerkt von Alexander Pausch

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