20.09.2019 - 22:30 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

US-Raketenartillerie findet in Grafenwöhr neue Heimat

Schon zur Eröffnung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr im Jahr 1910 war die Artillerie zu hören. Damals die königlich bayerische. Heute ist die US-Armee Hausherr - sie setzt auf Mehrfach-Raketenwerfer. Und diese schießen deutlich weiter.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Wenige Tage nachdem die ersten amerikanischen Raketenwerfer auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) eingetroffen sind, ist auch das 1st Battalion, 6th Field Artillery Regiment in der Garnison Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) in Dienst gestellt worden. Dieser Verband, der mit Raketenwerfern vom Typ "M270 MLRS" ausgerüstet wird, untersteht der 41st Field Artillery Brigade, die seit Dezember 2018 in Grafenwöhr stationiert ist.

Lücke geschlossen

Aus Sicht des europäischen Oberkommandos der US-Streitkräfte schließt die Brigade eine Fähigkeitslücke. Für Grafenwöhr bedeutet die Stationierung der amerikanischen Artilleriebrigade einen Zuwachs zwischen 1200 und 1500 Soldaten. Wie viele letztlich seine Brigade umfassen werde, hänge von Strukturänderungen ab, die die US-Armee derzeit plane, sagt Oberst Seth A. Knazovich, Kommandeur der 41st Field Artillery Brigade im Gespräch. Die Zahl der US-Soldaten in der Oberpfalz wird damit deutlich auf mehr als 11 000 steigen. Allerdings erst in einem Jahr. Im September 2020 wird das zweite Artilleriebataillon in Dienst gestellt. Dann ist die Brigade komplett.

Als am Donnerstagnachmittag auf dem Paradefeld in der Garnison Grafenwöhr die Soldaten des 1st Battalion, 6th Field Artillery Regiment bei strahlendem Sonnenschein angetreten sind, stehen auch zwei Raketenwerfer im Hintergrund, ihr Waffensystem. Mit dem Entrollen der Bataillonsfahne wurde der Verband, der erstmals im Jahr 1798 aufgestellt worden war, in Dienst gestellt.

Durch die Stationierung der Raketenwerfer profitiere das US-Heer in Europa von der "Ausweitung der Artilleriefamilie um eine großartige Fähigkeit", die des "Long Range Precision Fire", sagt Oberst Knazovich. Darunter versteht die US-Armee die Fähigkeit, über weite Distanzen zielgenau zu treffen. Je nach Munitions-Art können dies bis zu 300 Kilometer sein, teilt das US-Heer auf einer Internetseite mit. Bisher waren in Europa nur die Artilleriegeschütze des 2. US-Kavallerieregiments in Vilseck und der 173. Luftlandebrigade in Grafenwöhr stationiert. Deren Reichweite erstreckt sich auf mehr als zwei Dutzend Kilometer.

Verbindungen nach Weiden

Die gleichen Mehrfach-Raketenwerfer, die die Amerikaner nutzen und die bis zu zwölf Raketen gleichzeitig abfeuern können, gibt es auch beim Artilleriebataillon 131 in Weiden - allerdings in der deutschen Version MARS II. Mit den Weidenern steht die US-Brigade im Austausch und es gab Partnerschaftstreffen.

Oberst Knazovich, der zu Beginn seiner militärischen Karriere in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) stationiert war, ist begeistert, dass das 1st Battalion, 6th Field Artillery Regiment nach Europa zurückkehrt. Schließlich war er einst selbst als Leutnant bei diesem Verband, der über Jahrzehnte in Deutschland stationiert war. "Ich freue mich, dass die Farben zurückkehren." Auch Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Angel M. Llompart, freut sich, in Grafenwöhr zu sein. Er war zu Beginn seiner Karriere als Offizier in Gießen stationiert. Grafenwöhr kennt er von den vielen Übungen, die ihn damals regelmäßig auf den Truppenübungsplatz geführt haben.

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.