09.11.2020 - 16:51 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

US-Soldaten geben Einblick ins Corona-Isolationscamp im Grafenwöhrer Truppenübungsplatz

Camp Kasserine. Mit diesem Ort im Truppenübungsplatz Grafenwöhr verbinden Oberpfälzer und Amerikaner normalerweise Karussell fahren, Burger essen, Volksfestgaudi. Derzeit werden dort wegen Corona aber ganz andere Lager aufgeschlagen.

Phillip Denker darf nur durch ein Fenster mit Fliegengitter und mit Abstand mit der Presse sprechen. Er ist zusammen mit vielen anderen US-Soldaten aus Texas eingereist und muss zunächst im Camp Kasserine im Grafenwöhrer Truppenübungsplatz für 14 Tage in Isolation.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Kleine tannengrüne Zelte stehen in Reih und Glied auf dem Gelände im Grafenwöhrer Truppenübungsplatz, wo im Sommer Deutsche und Amerikaner sonst immer das Deutsch-Amerikanische Volksfest feiern. Dieses Mal sind es aber keine Verkaufsstände, die im Camp Kasserine aufgebaut wurden. Stattdessen leben in den Zelten US-Soldaten, die wegen des Coronavirus 14 Tage lang in kompletter Isolation bleiben müssen. 455 Soldaten der 1. Panzerbrigade der 1. US-Kavalleriedivision aus Fort Hood in Texas sind vor circa drei Tagen in Grafenwöhr angekommen und wollen dort für die Übung "Atlantic Resolve" trainieren. Bevor sie das allerdings dürfen, müssen sie zunächst alle zusammen ins Isolationscamp Kasserine. Jacob Karch, der stellvertretende Leiter der Quarantäne-Abteilung, gibt zusammen mit den Pressesprechern Franz Zeilmann und Daniela Vestal bei einem Rundgang einen Einblick in das abgeschirmte Leben der Soldaten.

Die Truppe aus Texas wurde – wie jede andere, die aus dem Ausland einreist, – bereits bei der Ankunft im Truppenübungsplatz getestet und vorsorglich in Isolation geschickt. Positive Fälle habe es in dieser Einheit bislang keine gegeben, heißt es am Montagvormittag. Nach zehn Tagen erfolgt dann ein weiterer Test, berichtet Karch, um sicher zu gehen, dass alle Soldaten weiterhin corona-negativ sind. "Wenn jemand zwischenzeitlich Symptome hat, dann wird er sofort in Einzel-Quarantäne geschickt", ergänzt Zeilmann. Auch die Kontaktpersonen würden umgehend ermittelt. Ihr Camp dürfen die isolierten Soldaten nicht verlassen. Eine eigens dafür abgestellte Security überprüfe das allerdings nicht. "Sie haben nicht einmal ein Auto", betont Vestal jedoch. "Wenn festgestellt wird, dass sie ihr Camp verlassen, werden rechtliche Schritte eingeleitet", fügt auch Zeilmann hinzu. Im Isolationscamp sind die Soldaten trotz der spärlichen Einrichtung in den Zelten gut versorgt. Duschen, Internet, Fernseher, ein Gemeinschaftsraum und Sportgeräte – alles sei da, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Thermostatgesteuerte Heizungen versorgen die Zelte, die auf dem kalten Erdboden aufgeschlagen wurden und in denen nur Feldbetten stehen, mit Wärme. Essen und andere Dinge für den täglichen Gebrauch können sich die Soldaten an einer Station im Camp und in der Kantine abholen.

US-Armee investiert weiter in Grafenwöhr

Grafenwöhr

Durch ein geöffnetes Fenster mit Fliegengitter gibt es bei dem Rundgang auch die Möglichkeit, auf Abstand mit zwei Bewohnern des Isolation-Camps zu sprechen. Die US-Soldaten Phillip Denker und Daniel Yoon erzählen, wie es für sie ist, zwei Wochen lang im Camp Kasserine festzusitzen. Denker berichtet, dass er die Situation bereits gewohnt sei. Er habe sich schon in Texas eingeschränkt und sei darauf vorbereitet gewesen. Seine Familie in Amerika mache sich keine Sorgen um ihn, wenn er während der Corona-Pandemie so weit weg leben müsse. Sie wisse, dass er mit einem guten Team unterwegs sei. Daniel Yoon, der auch als Sanitäter für seinen Bereich im Camp zuständig ist, hat ebenfalls kein Problem damit, die nächsten zwei Wochen jeden Tag ausschließlich mit seinen Kameraden zu verbringen. "Wir haben alles, was wir brauchen. Es ist viel besser, als ich erwartet habe", sagt er. Als Sanitäter kümmert er sich vor allem darum, wenn Soldaten sich beispielsweise in den Finger geschnitten haben, oder gestürzt sind. Camp-Bewohner, die typische Covid-19-Symptome zeigen, würden dagegen direkt abgeschirmt und von Medizinern behandelt. Bislang gab es im Truppenübungsplatz auch schon Corona-Fälle, teilt Zeilmann auf Nachfrage mit. Die genaue Anzahl wolle die US-Armee allerdings nicht verraten.

Der grüne Kreis zeigt: Hier dürfen sich nur die Soldaten, die der 2. Kohorte angehören, aufhalten.
Jacob Karch führt bei einem Rundgang durch das Isolationscamp. Im Hintergrund steht eine Gemeinschaftshalle, in der die Soldaten zusammen Zeit verbringen dürfen.
Hintergrund:

Die Brigade in Zahlen

Die 1. Panzerbrigade der 1. US-Kavalleriedivision aus Fort Hood in Texas ist bereits die siebte Rotation einer Panzerbrigade zur Unterstützung der Übung "Atlantic Resolve", informiert Pressesprecher Franz Zeilmann. Die Truppe ersetzt die 2. Panzerbrigade der 3. US-Infanteriedivision aus Fort Stewart in Georgia und kommt mit insgesamt etwa 3000 Soldaten, 20 Paladine-Panzerhaubitzen, 20 gepanzerten M113 Mannschaftstransporter, 60 Abrams Panzer, 120 Bradley Schützenpanzer, 385 Kettenfahrzeugen und 385 Radfahrzeugen nach Deutschland.

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