Griesbach bei Mähring
19.03.2024 - 10:38 Uhr
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Warum Familie Hecht aus Griesbach Dinkelreis herstellt

Reis aus Deutschland? Ja, das ist gibt's. Rita und Sebastian Hecht aus Griesbach stellen auf ihrem Bio-Hof Dinkelreis her und entwickeln Rezepte. Möglich machen das eine alte Maschine und eine Förderung der Öko-Modellregion Stiftland.

Brot wird in der ehemaligen Backstube der Familie Hecht in Griesbach (Gemeinde Mähring) schon seit mehreren Jahren nicht mehr gebacken. Und dennoch entsteht in diesen Räumen ein hochwertiges regionales Lebensmittel: Dinkelreis in Bio-Qualität.

In seinen Händen hält Sebastian Hecht einen Eimer, der bis zum Rand mit Dinkelkörnern gefüllt ist. Diese kippt er über einen Trichter in die Dinkelschälmaschine. "Diese Maschine haben sich meine Eltern vor etwa 30 Jahren gekauft, um das Getreide für die eigene Bäckerei zu verarbeiten", sagt der 36-jährige Techniker für Landbau, der am Landwirtschaftsamt in Tirschenreuth beschäftigt ist. Zwar habe der Vater immer erzählt, dass man mit der Maschine auch Dinkelreis herstellen könnte, genutzt wurde sie dafür allerdings nie.

Den Kindern schmeckt es

Nach der Aufgabe der Bäckerei vor circa acht Jahren landete die Maschine aus Platzgründen zunächst in einer Scheune. Das änderte sich 2022. Im Nebenerwerb baut die Familie unter anderem Dinkel und Belugalinsen in Bio-Qualität an. "Nach der Ernte habe ich mich an die Worte meines Vaters erinnert", sagt Sebastian Hecht. Er organisierte sich verschiedene Ersatzteile, erneuerte die Maschine und ließ sich seinen ersten Dinkelreis schleifen.

Hier kommt Ehefrau Rita Hecht ins Spiel. Die gelernte hauswirtschaftliche Betriebsleiterin stammt aus Eiglasdorf in der Nähe von Reuth bei Erbendorf. Sie bereitet den heimischen Reis für die Familie zu – ein Erfolg, wie sie erzählt. Den Kindern Felix (5 Jahre) und Amelie (2 Jahre) habe es geschmeckt. Freunde und Verwandte bekamen zum Weihnachtsfest eine Portion Dinkelreis zum Probieren geschenkt. "Und so nahm die Geschichte Fahrt auf", sagt Rita Hecht und muss lachen.

Beim Besuch von Oberpfalz-Medien stellen Rita und Sebastian Hecht die weiteren Arbeitsschritte vor. In der Maschine landen die bereits von der Spelze befreiten Körner. "Als Spelze bezeichnet man die feinen Blätter, zwischen denen das Getreide in der Ähre wachsen kann", erklärt Rita Hecht. Die Dinkelkörner werden in der Maschine geschliffen, dabei wird ein Teil der äußeren Schale, die sogenannte Kleie, entfernt. "Würden wir das nicht machen, würde sich der Dinkelreis später nicht weichkochen lassen", erklärt Rita Hecht. Es folgt eine finale Reinigung mit dem Sieb. Damit werden kleinste Steinchen und mögliches Unkraut aussortiert.

Einstieg in die Vermarktung

Weil der Dinkelreis bei den "Testessern" gut ankam und auch die Nachfrage stieg, entschied das Ehepaar zu Beginn des Jahres 2023, seinen Dinkelreis offiziell zu vermarkten. "Wir mussten uns zunächst rechtlich informieren, was alles auf der Verpackung stehen muss und wie die Verarbeitungsräume ausgestattet sein müssen", sagt Sebastian Hecht.

Bei einem Gespräch mit Hedwig und Peter Jacobey, die in Mitterteich Aroniabeeren anbauen, erfuhren die Hechts von einer Förderung für Öko-Projekte in der Öko-Modellregion Stiftland. "Gefördert werden Kleinprojekte bis 20.000 Euro, die die regionale Bio-Landwirtschaft oder regionale Wertschöpfungsketten stärken oder zur Verbesserung der regionalen Versorgung mit Bio-Lebensmitteln beitragen", erklärt Jonas Bierlein, Projektmanager bei der Öko-Modellregion Stiftland. Dabei werden die tatsächlich entstandenen Nettokosten mit bis zu 50 Prozent bezuschusst, maximal jedoch 10.000 Euro. Auch 2024 können solche Projekte wieder gefördert werden. "Anträge für die aktuelle Förderperiode werden bis Montag, 25. März, angenommen", erklärt er.

"Superfood aus der Region"

"Lange überlegt haben wir nicht", sagt Rita Hecht in Bezug auf den Förderantrag. Bezuschusst wurden unter anderem die Anschaffung einer neuen Absauganlage für die Maschine, eine Waage und verschiedene Behälter. Das Etikett hat die 36-Jährige selbst gestaltet. Per Hand werden die Tüten befüllt und mit einem Sticker "versiegelt". Auf dem Aufkleber befindet sich ein QR-Code. Über diesen gelangen Smartphone-Nutzer auf die Internetseite des Bio-Betriebs.

Dort hat Rita Hecht bereits mehrere Rezepte mit Dinkelreis veröffentlicht. Von gebackenen Dinkelreis mit Äpfeln, über eine Bayerische Reispfanne, gefüllte Paprika oder Rote-Bete-Dinkelrisotto gibt es auch verschiedene Desserts. Dinkelreis enthält mehr Ballaststoffe und Eiweiß als herkömmlicher Reis und sättigt daher sehr gut. Zudem enthält er viele B-Vitamine, Magnesium, Antioxidantien wie Vitamin E und Eisen. Dinkel sei auch eine Alternative für Menschen mit Weizenunverträglichkeiten. Das Getreide ist zwar nicht glutenfrei, jedoch werde Dinkel-Gluten im Allgemeinen viel besser vertragen als Weizen-Gluten. "Ein Superfood aus der Region", sagt Rita Hecht.

Hof erhalten und weiterentwickeln

Gerade weil diese positiven Eigenschaften und der Dinkelreis an sich landläufig noch nicht so bekannt sind, informieren Rita und Sebastian Hecht darüber in den sozialen Medien. Auf ihrem Instagram-Profil (biohofhecht_griesbach) posten sie Rezepte und beantworten Fragen, etwa zur Zubereitung und wo es den Dinkelreis aus Griesbach zu kaufen gibt.

Beim Verkauf ab Hof werden die beiden von Sebastians Mutter Elisabeth unterstützt. "Meine Eltern haben mich bei meinen Projekten schon immer unterstützt", sagt Sebastian Hecht. Sie seien stolz, dass es mit dem Hof weitergeht. Und genau das ist auch das Ziel. "Wir wollen den Hof mit unseren Möglichkeiten erhalten und weiterentwickeln", sagt Sebastian Hecht. Pläne für die Zukunft gibt es bereits. So wolle man den Dinkelanbau ausbauen und ein Vorratssilo errichten.

Bildergalerie
Mitterteich02.10.2019
Service:

Rezept für Dinkelreis-Mohn-Dessert

  • Zutaten: 70 Gramm Dinkelreis, 500 Milliliter Milch, 1 Esslöffel Butter, 1 Teelöffel Zucker, halbe Vanilleschote, 30 Gramm Mohn, 100 Gramm Schmand, 100 Milliliter Sahne, 3 Äpfel, Apfelsaft, Zimt, 30 Gramm Walnusskerne
  • Milchreis: Milch erhitzen. Butter, Zucker, Dinkelreis hinzugeben und 20 Minuten leicht köcheln lassen. Mohn und Mark der Vanilleschote zugeben und nochmal 10 Minuten auf niedrigster Stufe köcheln lassen und umrühren, optional noch etwas Milch zugeben und bei geschlossenem Deckel quellen lassen.
  • Apfelmus: Äpfel schälen, entkernen und in Spalten schneiden, mit Apfelsaft und Zimt in einem geschlossenen Topf köcheln lassen. Wenn die Äpfel gedünstet sind, pürieren, evtl. etwas Apfelsaft zugeben, abkühlen lassen.
  • Anrichten: Sahne aufschlagen und mit dem Schmand unter den abgekühlten Milchreis heben, abwechselnd mit Apfelmus in Gläschen abfüllen und mit Walnusskernen dekorieren
  • Menge: 6 Dessertportionen (á 165 Milliliter)

Quelle: biohof-hecht.de

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