29.08.2021 - 10:44 Uhr
HahnbachOberpfalz

Hahnbach schreibt sich seine 900 Jahre auf die Fahnen

Unter dem Motto "900 samma" sollte 2021 ein großes Jubiläumsjahr für Hahnbach werden. Angestoßen haben die Bürger darauf noch nicht, aber eine Fahne haben sie schon - eigentlich sogar mehrere.

Die erste Nennung Hahnbachs in dieser Urkunde aus dem Kloster Michelfeld datiert vom 6. November 1121.
von Autor MMAProfil

Jubiläumsfahnen machen in Hahnbach auf das 900-jährige Bestehen des Ortes aufmerksam. Bürgermeister Bernhard Lindner, sein Vize Georg Götz, Heimatpflegerin Marianne Moosburger und Festspielleiter Jürgen Huber freuen sich über diese Aktion an markanten Stellen wie dem Rathaus, beim ehemaligen Kloster und auf dem Frohnberg.

Mit Fahnen bedacht wurden aber auch die Ortsteile Mimbach, Mausdorf und der Mausberg, Godlricht, Ursulapoppenricht, der Laubberg und der Laubhof sowie Höhengau, Kötzersricht und Kümmersbuch. Jubiläumsfahnen flattern in der Wüstenau und der Wüstenaumühle, in Pickenricht, Dürnsricht, Iber und Luppersicht. Selbst auf dem Kreuzberg verkündet eine Fahne das Jubiläum, ebenso in Mülles, Ölhof, Ober- und Unterschalkenbach, Adlholz, Schalkenthan, Süß. Irlbach, Kienlohe und in Frohnhof.

Hoher Herr auf dem Frohnberg

Den Anlass liefert eine Urkunde aus dem Jahr 1121, in der zum ersten Mal der Name Hahnbach auftaucht. Am 6. November jenes Jahres unterzeichnete sie ein Erchenbertus de Hanbach, was sowohl "in", "für" oder "aus" Hahnbach bedeuten kann. Dieser Erchenbertus - ein Ministerialer, der dem später heiliggesprochenen Bamberger Bischof Otto, unterstand - war wohl auf dem Frohnberg zu Hause. Allerdings ist die genaue Art der Befestigungsanlage nicht mehr nachweisbar. Eine regelrechte Burg, wie man sie aus Ritterfilmen kennt, ist wohl eine zu üppige Vorstellung. Wahrscheinlich stand dort nur ein größerer Wohnturm.

Die erste Nennung Hahnbachs fällt in eine Zeit der Ritter und des Minnegesangs, der Orts- und Ordensgründungen und des Bevölkerungswachstums dank mancher Neuerungen, die vor allem der Landwirtschaft zugutekamen. Dazu zählten das Hufeisen, der Dreschflegel, der Räderpflug oder das Kummet. Aber noch immer gab es Hungersnöte, räuberische Überfälle und kriegerische Auseinandersetzungen, denen sich die Bevölkerung im wahrsten Sinn des Wortes ausgeliefert sah.

Gewinn an Einwohnern und Einfluss

Die Burgen auf den Höhen verloren an Bedeutung, und die befestigten Orte gewannen an Einwohner und Einfluss - nicht zuletzt dank ihrer Märkte, also ihrer Wirtschaftskraft. Auch Hahnbach begann langsam seine Form anzunehmen und schützte sich mit einer zunehmend stärkeren Mauer, festen Toren und einem Marktgraben.

Parallel dazu wuchsen die Macht der Kirche und die des Papstes. Urban II. rief 1096 im französischen Clermont-Ferrand zu Kreuzzügen ins Heilige Land auf. Tausende Mitteleuropäer zogen los, Jerusalem aus der Hand der moslemischen „Sarazenen“ zu befreien. Heute weiß man, dass die Motivation für diesen Bußgang und Kriegszug nicht nur religiös war, sondern sehr wohl auch von strategischer und wirtschaftlicher Natur.

Barbarossa kommt nach Hahnbach

Auch Hahnbach spielte hier eine Rolle, allerdings mehr indirekt. Denn in die Zeit der Vorbereitung seines zweiten Kreuzzugs kam Kaiser Friedrich I., der wegen seines roten Barts Barbarossa genannt wurde und seit 1152 regierte, im Winter 1188/1189 nach Hahnbach. Für einige Zeit war damit Hahnbach sogar Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reichs. Der Kaiser, der als einziger zu zwei Kreuzzügen aufbrach, unterschrieb hier nachweislich Urkunden, unter anderem für das Kloster Berchtesgaden.

Was war geschehen? Der mächtige Graf Gebhardt II. von Sulzbach war am 28. Oktober 1188 gestorben. Er hinterließ keine männlichen Erben, denn sein einziger Sohn kam 1167 bei einem Feldzug vor Mailand ums Leben. Gebhardts Tochter Adelheid trat nach dem Tod des Vaters noch 1188 das große Lehensgebiet, das für Barbarossa von überregionaler Bedeutung war, an den Staufer ab. Barbarossa hatte bereits 1174 mit Bischof Hermann von Bamberg in einem Vertrag geregelt, dass sein Sohn Otto über die Vogteirechte der Sulzbacher Grafen und damit auch über Hahnbach verfügen solle.

Kaiser demonstriert seine Macht

Um diesen Anspruch durchzusetzen, kam Barbarossa 1188 eiligst nach "Hanninbach", wie man Hahnbach damals auch schrieb, um demonstrativ seine Macht zu zeigen. Eine von ihm unterschriebene Urkunde, die im Hauptstaatsarchiv in München noch im Original erhalten ist, datiert vom 17. Januar 1189. Höchstwahrscheinlich erfolgte die Beurkundung auf dem Frohnberg, der damals ein bedeutender Verwaltungsmittelpunkt der Sulzbacher Grafen war. Die Gefahr für die Hahnbacher, nun auch "das Kreuz nehmen" zu müssen, war damit sehr wohl gegeben, zumal sie unter Graf Gebhard davor verschont geblieben waren. Doch dieser Kelch ging an ihnen vorbei.

Festspielleiter Jürgen Huber, Bürgermeister Bernhard Lindner, Heimatpflegerin Marianne Moosburger und Zweiter Bürgermeister Georg Götz freuen sich über ihre Fahne.
Hintergrund:

Stationen auf Barbarossas zweitem Kreuzzug

  • Nach seinem Aufenthalt in Hahnbach zieht Friedrich I. mit vielleicht 2 000 Mann in Richtung Hersbruck und dann nach Regensburg. Dort wartet ein bereits aufgestelltes Heer aus 15 000 Mann
  • Überquerung der Alpen, dann Weitermarsch nach Kleinasien ins Gebiet der heutigen Türkei
  • Nach der Eroberung des zentral gelegenen Konya will Friedrich I. in Richtung Kappadokien weiterziehen, doch er stirbt am 10. Juni 1190 am Ufer oder im Fluss Saleph, dem heutigen Göksu, bei Silifke in Ostanatolien.

 

 

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