16.11.2021 - 15:01 Uhr
HahnbachOberpfalz

Hahnbacher Baumwirtsmarter erinnert an tödlich verunglückten Knecht

Die wuchtige, große Baumwirtsmarter nahe Hahnbach dürfte eines der ältesten und markantesten Denkmäler im Landkreis sein. Das notierte 2002 der Heimatkundler Josef Wismet (1936 bis 2017). Nun rückt die Marter wieder in den Fokus.

Anton Platzer präsentiert das alte und neuere Bild der Hahnbacher Baumwirtsmarter.
von Autor MMAProfil

Der gebürtige Adlholzer Heimatkundler Josef Wismet (1936 bis 2017) renovierte 2002 zusammen mit Siegfried Schustek (1929 bis 2011) die Tafeln und Hinweisschilder der Hahnbacher Baumwirtsmarter. Dabei setzten sie in das Denkmal ein neues Bild über das alte ein. Nun hat der 90-jährige Anton Platzer den Platz um die Bildsäule freigelegt und jenes zweite Bild herausgenommen.

Zu seiner Freude entdeckte Platzer dahinter das ursprüngliche Bild. Dies zeigt einen verunglückten Knecht mit seiner Holzfuhre und nicht – wie auf dem neueren Bild – mit einer Ladung Steine. Allerdings ist dieses Exemplar aus Metall so stark verwittert, dass es nicht mehr renoviert werden kann. Nun ist man auf der Suche nach jemandem, der das ursprüngliche Bild witterungsbeständig neu herstellen kann. Ansprechpartnerin ist die Hahnbacher Heimatpflegerin Marianne Moosburger (09664/16 34).

Wismet beschrieb das Flurdenkmal in seinen Aufzeichnungen folgendermaßen: "Ein behauener, verzierter Sandsteinbildstock mit einer Höhe von insgesamt 2,17 Meter. Der Schaft ist rechteckig und misst 40 Zentimeter. Angegliedert ist ein sonderbarer Bildstock mit einer hohlen Nische und einem vierfach gesattelten Kopfstück. Der Säulenbildstock steht auf einem Sandsteinblock mit einer Größe von 35 Zentimetern. Ein (späteres) Ölbild auf Blech stellt ein Holzfuhrwerk mit dem Verunglückten dar. Dazu die Inschrift: Herr, gib ihm und allen armen Seelen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, laß sie ruhen in Frieden.“

An der Ansichtsseite steht links eine relativ hohe Tafel mit weiß-blauem kleinem Dach und der Inschrift: „Grüß Gott mit hellem Klang! Heil deutschem Wort und Gesang! Rein wie Gold, stark wie Erz, sei des deutschen Burschen Herz. Wenn ich zum heiteren Himmel schau, strahlt es freundlich weiß-blau. So denk ich, in mein Heimatland zu sein, wo Augen treu und rein. Treu und rein heißt weiß und blau, drum ich auf diese Farben schau. Ach wie wohl ist mir am Abend, wenn zur Ruh die Glocken läuten. Bim-bam, bim-bam.“

Rechts neben der Marter steht eine weitere Tafel mit der Inschrift: „Baumwirts-Marter. Hier des Weges verunglückte um Jahr 1500, bei dem damaligen Holz-Transport, der Baumwirtsknecht von Hahnbach. Möchten allen Menschen, jahrein, jahraus, den Osterfrieden wahren. Christus ist vom Tode auferstanden, Alleluja! Jesus lebt Alleluja! Hier auf stiller Waldeshöhe, lasset uns beten für alle Verstorbenen: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, laß sie ruhen in Frieden. Amen. Mai 1965.“

Die Tafeln stehen auf dem Grund von Markus Weiß, einem Kainsrichter Bauern. Im Jahre 1965 errichteten Andreas Lindner (1894 bis 1977), genannt der Scharlbauer, aus Kainsricht und der dortige Waldnachbar die beiden Tafeln.

Die Baumwirtsmarter am Fischweg bei Hahnbach wird eingerahmt von zwei Taferln.

Zwei Bildstöcke auf dem Weg von Altmannshof zum Frohnberg renoviert

Hahnbach
Hintergrund:

Die Baumwirtsmarter

  • Die Baumwirtsmarter ist in der Denkmalschutzliste des Landkreises Amberg-Sulzbach gelistet, ein staatlicher Vermessungspunkt ist an ihrem Sockel verankert.
  • Der Überlieferung nach fand an dieser Stelle um das Jahr 1500 (oder später) der Baumwirtsknecht aus Hahnbach den Tod. Er leistete mit Pferden Vorspanndienste und kam bei einem Fuhrwerkstransport über den Süßer Berg unter die Räder und ums Leben. Ein eisernes Wagenrad soll seine Brust zerquetscht haben.
  • Die Marter steht in einer Kiefernlichtung beim Post- und Fischweg an der Hochstraße nahe dem Schleichermarterl an einem befestigten und nutzbaren Feld- und Waldweg. Dort kreuzten sich einst mehrere Straßen, auf denen Salz und weitere Rohstoffe von Amberg nach Tirschenreuth oder ins Böhmische transportiert wurden.
  • Flurmäßig gehört die Marter zum „Asser (äußerem) Moos“ auf dem Süßer Berg, der Grund und Boden ist Eigentum von Johann Weiß aus Kainsricht.

 

 

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