18.02.2020 - 09:50 Uhr
Hermannsreuth bei EbnathOberpfalz

Köstliche Ergebnisse beim Köichlback-Kurs

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Ob Fasching, Hochzeiten, Kommunion oder Geburtstag: Küchl gehen immer. Claudia Porst verriet bei einem Köichl-Kurs ihre Tricks für das beliebte Schmalzgebäck.

Die Köichla in den verschiedenen Phasen: Zunächst wird der Teig portioniert und in Bällchen „gewulchert“, dann ausgezogen und in heißem Schmalz herausgebacken. Nachdem das Gebäck etwas ausgekühlt ist, wird es pur oder mit Puderzucker bestreut gegessen.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Rauchschwaden stehen in der Wirtsstube, es ist warm und riecht nach süßem Gebäck: Die Frauen schwatzen und backen gemeinsam Köichla. Eine besondere Kunst, wie manche Bäckerinnen feststellen müssen. Mehr als 30 Frauen meldeten sich bei Ortsbäuerin Martina Sticht für den Köichlback-Kurs vom Bauernverband im Dorfanger an. "Die Mitglieder hatten sich das schon lange gewünscht, aber mit so viel Zuspruch hatte ich nicht gerechnet", freut sich die Organisatorin. Die Teilnehmerinnen kommen aus der Umgebung.

Erfahrungsaustausch

Der Kurs soll vor allem der Geselligkeit dienen. "Ach, wir backen schon viele Jahrzehnte Köichla. Aber vielleicht lernen wir was Neues. Mal sehen, ob uns die Claudia noch was beibringen kann", sagen die Älteren. Auch viele junge Frauen interessieren sich für das Schmalzgebäck.

Als Referentin ist Köichl-Expertin Claudia Porst geladen. Die Ahornbergerin bildete sich vor zwölf Jahren beim Bauernverband zur Ernährungsfachfrau fort. "Köichlbacken ist meine Leidenschaft", erzählt sie. Schon als 14-jähriges Mädchen lernte sie es von ihrer Oma. So wie die meisten Teilnehmerinnen auch. "Ich ging durch eine harte Schule." Heute hat die Referentin bereits über 68 000 Köichla gebacken. Für Kommunionen, Hochzeiten, Geburtstage. Zu Hause hat sie sich extra eine kleine Stube mit großen Gerätschaften eingerichtet. Mit drei Helferinnen backt sie bis zu 800 Köichla am Tag.

Video zum Köichl-Kurs:

"Wulchern" für schöne Köichla

Den Teig hat die 54-Jährige bereits zu Hause angerührt. 20 Kilo Teig in einer großen Waschwanne stehen vor den Teilnehmerinnen. "Es bringt nichts, nur zuzusehen - man muss es ausprobieren", ermuntert Porst zum mitmachen. "Traut's euch!" Schnell stehen die Frauen am Tisch. Einige stechen mit Esslöffeln Nocken aus dem Teig, andere "wulchern" die weiche Masse mit bemehlten Händen auf dem mit Baumwolltüchern ausgelegten Tisch. "Je schöner ihr ,wulchert', desto schöner werden die Köichla", beobachtet die Expertin das Treiben. "Das Bällchen hat Risse, das ist nicht schön", ermahnt sie.

Nach dem Ausstechen und "Wulchern" dürfen sich die Bällchen nochmal ausruhen. Währenddessen teilt die Referentin ihr eigenes Rezept aus und geht es mit den Frauen durch. "Keine Angst vorm Köichlteig. Das ist kein Hexenwerk", motiviert Porst ihre Gäste.

Sie erklärt, welches Mehl, welche Butter sie benutzt, welches Schmalz sich ihrer Meinung nach am Besten zum herausbacken eignet. "Keine Angst vorm Salz, ihr könnt den Teig gar nicht versalzen", sagt sie über ihr Rezept. "Und fragt mich nicht warum, aber wenn ihr mit der Hand knetet, braucht ihr mindestens doppelt so viel Milch, als wenn ihr den Teig in der Schüssel zusammenrührt", teilt Probst ihre Erfahrungen. Die 54-Jährige klärt Mythen auf: "Zu Omas Zeiten hieß es, der Teig braucht's warm. Meine Oma stopfte sogar das Schlüsselloch, wenns ans Köichlbacken ging." Die Teilnehmerinnen lachen. Sie kennen das. "Ganz so heiß muss es beim Köichlbacken nicht sein in der Küche", weiß Porst aus Erfahrung.

Viele Nachfragen

Viele Teilnehmerinnen wollen es ganz genau wissen, fragen nach, machen sich Notizen und schreiben Tipps mit. Dann sind 30 Minuten Ruhezeit vorüber und es geht ans Backen. Der Frau am Topf drückt die Referentin Kochlöffel aus Holz in die Hand. Die sind einfacher in der Handhabe beim Wenden des Schmalzgebäcks. "Mit der Gabel sticht man leicht durchs Köichl. Dann spritzt das Fett nur so." Mit Holzlöffel läuft die Bäckerin nicht Gefahr, sich zu verbrennen. Die Schlange ist lang, jede Frau will sich im Köichlziehen beweisen - egal ob Anfänger oder Könnerin. "Ich werd' hier noch zum Profi", freut sich eine Teilnehmerin über ein schönes Exemplar. Aber Porst sieht alles: "Nicht so groß. Schön rund ziehen, in der Mitte dünner, lieber ein dicker Rand", erklärt sie. "Schön ist es nicht, aber selten", sagt ein Mädchen. "Du machst noch mal eins. Probier's mal so", sagt die Ahornbergerin und leitet die Anfängerin an.

Ohne Humor geht's nicht

Manche Köichla sind perfekt in Größe, Form und Farbe, andere sind richtige "Pflotschen". Macht nix. Rund um den Kochtopf wird viel gelacht und gequatscht. "Fürs Köichlbacken braucht man Humor. Ohne den geht's nicht", findet die Referentin. Zwischendurch erzählen die Älteren von früher, wie sie das Köichlbacken lernten, wie sie das Schmalzgebäck am liebsten essen - noch warm oder abgekühlt, gezuckert oder pur. Und während die letzten Köichla im Fett schwimmen, werden die ersten schon mit Puderzucker bestäubt und ausgeteilt. "Na, seid ihr ins Schwitzen gekommen?", fragt Porst am Ende. Fazit der Teilnehmerinnen: Gar nicht so einfach, wie es beim Profi aussieht. Aber: "Köichlbacken ist Übungssache."

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