14.08.2021 - 00:19 Uhr
HirschauOberpfalz

Einweihung der Wasserversorgung in Hirschau – Willkommen, neue Zeit!

Am 31. August 1951 war ganz Hirschau auf den Beinen. Unter dem Motto „Willkommen, neue Zeit“ wurde zur Einweihung der Wasserversorgungsanlage ein großes Wasserfest gefeiert.

Geistlicher Rat Friedrich Zeitler nahm am 31. August 1951 nach dem Festgottesdienst die Segnung des Tiefbrunnens an der Schönbrunner Straße vor. Neben ihm: Mesner Josef Freimuth.
von Werner SchulzProfil
Nach der Brunnen-Segnung führte der Festzug, in den sich zwei Wagen mit den Mottos „Wie es war“ bzw. „Wie es heute ist“ einreihten, durch die Innenstadt zum Hochspeicher am Kalvarienberg.

„Festliche Einweihung der städtischen Wasserversorgungsanlage – 630 000 DM-Projekt nahezu vollendet“ titelte die Amberger Zeitung und bezeichnete den 31. August „als einen der wichtigsten Tage in der 700-jährigen Geschichte der Stadt.“ Der lange gehegte Plan einer zentralen Wasserversorgung habe seinen krönenden Abschluss erhalten. Den Stadtvätern, an ihrer Spitze Bürgermeister Lederer und Oberinspektor Karl, hätten dieses überaus notwendige Projekt allen Schwierigkeiten zum Trotz zum Erfolg geführt.

Der von der Hirschauer Bürgerschaft schon lange geplante Bau einer Wasserleitung blieb in Folge des 1. Weltkriegs ein Wunschtraum. Schon im Februar 1926 wurde vom Stadtrat eine Kommission mit den Vorarbeiten beauftragt. Am 18. April 1926 berichtete die Hirschauer Zeitung, dass das Projekt greifbare Formen annehmen soll. Angesichts der schlechten Lage auf dem Arbeitsmarkt wäre die baldige Ausführung wünschenswert. Im November 1926 wurde bekannt, dass man für das Vorhaben die „Schweitzbach-Quellen“ in Aussicht genommen hat. In der Stadtratssitzung am 9. Februar 1927 erklärte Bezirksamtmann Dr. Reuter, der Bau käme nie mehr so billig, da er als Notstandsarbeit mit Erwerbslosen und mäßigen Zinsen erfolgen könne. Im Bezirk Amberg-Land wollten in nächster Zeit 13 Gemeinden eine Wasserleitung bauen. Vom Vorschlag, weitere Quellen zu untersuchen, riet er ab. Das Landesamt werde am ausgearbeiteten Schweitzbach-Projekt festhalten.

Pläne im Krieg vernichtet

Die fertige Planung dafür lag bereits 1938/1939 beim Landesamt für Wasserversorgung in München. Doch verhinderten „die Revanche für den Friedensvertrag von Versailles“ und die „nachfolgende Gewinnung von Lebensraum im Osten“ den Bau. Die Planung wurde während des Krieges vernichtet. Neue Pläne mussten gefertigt werden. 1948 war es endlich so weit, erneut an das Projekt zentrale Wasserversorgung heranzutreten. Vom 21. bis 24. Juni 1949 wurde aus dem vor Jahren gebohrten, ca. 90 Meter tiefen Brunnen an der Schönbrunner Straße ein 100-stündiger Pumpversuch unternommen. Die durchschnittliche Schüttung betrug 11,5 Liter/Sekunde und lieferte bestes Wasser für ca. 6000 Personen.

Große Probleme bereitete die Finanzierung. Einmal sollten dafür Gelder aus dem „Marshall-Plan“ zur Verfügung stehen, dann Gelder der öffentlichen Hand, bis die erforderlichen Mittel von der Bayerischen Gemeindebank in München in Form eines Staatsdarlehens sichergestellt waren. Der Stadtrat erteilte der Spezialfirma Riepl aus Regensburg den Auftrag.

Am 4. September 1950 erfolgte der Spatenstich. Dann wurde die Stadt aufgegraben. Sie glich zeitweise einer Mondlandschaft. 11 000 Tagschichten waren zum Bau erforderlich. 14 Kilometer Hauptrohre wurden vor Wintereinbruch verlegt, 12 Unterflur- und 17 Überflurhydranten gebaut. Der Brunnen war 80 Meter tief. Das elektrische Pumpaggregat förderte 11,3 Liter/Sekunde. Als Wasserreservoir diente ein Hochbehälter, der 600 000 Liter fasste. Am Tag der Einweihung waren von insgesamt 530 Hausanschlüssen noch 80 zu legen. Außerdem wurde über dem Pumpwerk ein Haus gebaut. In ihm waren eine Entsäuerungsanlage, ein Notaggregat mit Dieselmotor und die Wohnung des Wasserwarts untergebracht.

Wasser und Feuerwasser

Am Einweihungstag bewegte sich nach dem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche ein Festzug zur Pumpenanlage in der Schönbrunner Straße, wo Geistlicher Rat Friedrich Zeitler die Segnung vornahm. Danach führte der Festzug, in den sich zwei Wagen mit den Mottos „Wie es war“ bzw. „Willkommen neue Zeit“ einreihten, zum Hochspeicher am Kalvarienberg. Dort unterstrich Stadtpfarrer Zeitler die Bedeutung des Wassers, ehe er die feierliche Segnung vornahm. Zehn geladene Gäste, unter ihnen Landrat Dr. Winkler, Arbeitsamtsdirektor Schreiber, Ingenieur Wittmann vom Landesamt für Wasserversorgung und Oberregierungsrat Bauer, Vertreter der Firma Riepl und die Mitglieder des Stadtrats waren dann zu einer Wasserprobe eingeladen. Deren kräftige Züge aus den Humpen und das Schmunzeln ließen darauf schließen, dass dem Wasser ein kräftiger Schluck „Feuerwasser“ beigegeben war. In der Innenstadt demonstrierte die Feuerwehr mit fünf Rohren, dass aus den Hydranten innerhalb kürzester Zeit ausreichend Wasser kam, um Brände wirkungsvoll zu bekämpfen.

Etwa 150 Personen trafen sich dann im Löwenbräusaal (später Josefshaus) zum Festessen, zu dem die Stadtkapelle unter ihrem Leiter Bauer unermüdlich spielte. Bürgermeister Georg Lederer sprach allen Beteiligten seinen Dank aus und überreichte kunstvolle Keramikvasen der Hirschauer Keramik u.a. an Oberregierungsrat Bauer, Ingenieur Wittmann und dem örtlichen Bauleiter Ingenieur Noll. Namens der Firma Riepl berichtete Dipl.-Ing. Pscherer über die beim Bau aufgetretenen Schwierigkeiten und technischen Einzelheiten der Wasserleitung. Ein bunter Nachmittag, der sich bis in den Abend hinzog, gab dem Fest einen beschwingten Abschluss.

Doch war der Bau noch nicht fertig. Lohn- und Preiserhöhungen sorgten dafür, dass noch ein Jahr verging, bis das Projekt vollendet war. Nach rund drei Jahren war die Wasserleitung mit einem Gesamtaufwand von 739 099,64 DM fertiggestellt. Ende 1953 waren 610 Gebäude und 4 Grundstücke an die Wasserversorgung angeschlossen. Das Rohrnetz umfasste 14 256 Meter, ohne Hausanschlüsse. Im Ortsnetz befanden sich 130 Hydranten mit 91 Hauptschiebern. Der monatliche Höchstverbrauch wurde im August 1953 mit 12 648 m³ registriert. Der Tiefbrunnen an der Schönbrunner Straße wurde 1966 außer Betrieb genommen.

Info:

70 Jahre nach dem Bau hat die Hauptleitung mit dem Ortsnetz Hirschau/Dienhof sowie der Verbindung nach Ehenfeld, Massenricht, Obersteinbach, Untersteinbach, Kindlas und Hummelmühle eine Länge von ca. 75 Kilometern. Es werden 1798 Hausanschlüsse versorgt. Die Hausanschlussleitungen sind ca. 30 Kilometer lang. 2020 wurden insgesamt 357 181 m³ Wasser aus den drei Tiefbrunnen gefördert. In Betrieb sind der Tiefbrunnen II (Kahlhof, Baujahr: 1964, Tiefe: 130 m, Fördermenge: 1410 l/min), der Tiefbrunnen III (Haarbühl, Baujahr: 1966, saniert: 1995, Tiefe: 96 m, Förderleistung: 660 l/min) und der Tiefbrunnen IV (Wolfgangsranken, Baujahr: 2013, Tiefe: 110 m, Förderleistung: 600 l/min).

Nach der Segnung des Hochbehälters v. l.: Arbeitsamtsdirektor Schreiber, Geistl. Rat Friedrich Zeitler, Landrat Dr. Martin Winkler, Stadtrat Adam Ritter, Bürgermeister Georg Lederer und Stadtrat Eduard Schwinger.
In der Innenstadt demonstrierte die Feuerwehr mit fünf Rohren, dass aus den Hydranten innerhalb kürzester Zeit ausreichend Wasser kam, um Brände wirkungsvoll zu bekämpfen.
Zu den Vorführungen der Feuerwehr gehörte auch das Retten aus dem 2. Stock des Anwesens Bauer am Marktplatz. Feuerwehrmann Heuberger hat den jungen Albert Zach (später Bäckermeister) auf dem Rücken.

 

 

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