19.06.2020 - 10:11 Uhr
HirschauOberpfalz

Konkurrenz für die Turmuhr: In Hirschau spucken Hirsche die Zeit aus

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Er heißt "Monte Hirsch-Schau Brunnen". Doch beim neuen Brunnen auf dem Hirschauer Marktplatz schauen die Hirsche nicht nur. Sie spucken auch die Uhrzeit aus.

Kuckucksuhr war gestern: Hier spuckt der Hirsch die Zeit aus.
von Heike Unger Kontakt Profil

"A Hund is a scho" hängt eingerahmt an der Wand hinter Wilhelm Koch im Büro. Stimmt. Die, die nicht so viel anfangen können mit seiner Kunst, würden auf gut Bayerisch den Hund vielleicht durch einen Hirsch ersetzen. Aber auch das würde passen. Denn mit dem Hirsch hat sich Ambergs Luftmuseums-Chef, diesmal in seiner Eigenschaft als Künstler, gerade sehr intensiv auseinandergesetzt: Er hat für die Stadt Hirschau den "Monte Hirsch-Schau Brunnen" entworfen.

Tanz der Fontänen

Inzwischen ist dieses Wasser-Kunstwerk fertiggestellt und auch schon in Betrieb. Wenngleich an der Licht- und Wasser-Technik noch ein bisschen getüftelt wird: Weniger buntes Licht, dafür aber eine richtige Wasser-Fontänen-Choreografie ist das Ziel. Da ist Koch noch nicht ganz da, wo er hin wollte mit dem Entwurf, mit dem er 2013 einen Wettbewerb für den neuen Brunnen gewonnen hatte. Hier ist wohl noch ein bisschen Überzeugungsarbeit in Richtung Techniker erforderlich.

Für Gesprächsstoff sorgt der "Monte Hirsch-Schau Brunnen" aber jetzt schon. Koch lacht: "Es gab schon heiße Diskussionen: warum zwei Hirsche, warum übereinander?" Die einen finden die Tiere zu groß, andere zu klein, manche zu dick, andere zu dünn ... Und manch einer versteht nicht, was ihm dieses Kunstwerk sagen soll. "Ich versteh's ja selber ned", sagt Wilhelm Koch in der für ihn so typischen Weise und verzieht dabei keine Miene, als er noch einen Satz nachschiebt: "Man muss es auch ned verstehen." Um dann natürlich doch ein paar Gedanken zu erklären, die in diesem Werk stecken.

Zwei Hirsche auf der Goldenen Straße

Monte Hirsch-Schau Brunnen. "Der Name leitet sich natürlich von den Hirschauer Gegebenheiten ab", sagt Koch: "Da steckt ja die Schau schon drin." Eine Vorgabe im Wettbewerb sei gewesen, die Goldene Straße zu thematisieren, denn Hirschau liegt auf der berühmten historischen Route. Die Ost-West-Beziehung sollte ebenfalls aufgegriffen werden. Hier kommt der Hirsch aus dem Stadt-Namen ins Spiel, und zwar gleich zweifach: "Man braucht zwei: Der eine Hirsch schaut nach Osten, der andere nach Westen. Und drum auch Hirsch-Schau, weil beide schauen." So einfach ist das.

Jetzt sind die Hirschauer gefragt, was sie sich um den Brunnen herum einfallen lassen.

Wilhelm Koch

Koch hat die beiden Hirsche auf einen Monte-Kegel gestellt. Denn der weiße Berg, merkt er an, sei schon das Wahrzeichen Hirschaus. Koch haben die "bildhaften Elemente", die man mit Hirschau verbinden kann, bei diesem Kunstwerk besonders gereizt. Also der Hirsch, der Monte Kaolino. Vor allem Letzterer "ist ja schon was Eindeutiges, was Besonderes, was Großes". Und dann ist da noch der bildhafte Name. "Also mit jedem Ortsnamen wär das nicht gegangen", sinniert Koch – bei Schnaittenbach wäre die Sache schon schwieriger geworden.

Monte Kaolino aus Porzellan

Zur ungewöhnlichen Gestaltung meint der Künstler, "bei so einem Brunnen ist es ja so, dass man etwas Neues will, etwas, was man vorher noch nicht gemacht hat". Am Ende einer über einjährigen Diskussion sei das Ergebnis schließlich "ziemlich nah am ursprünglichen Konzept geblieben". Aus reinen Strahlern seien allerdings beleuchtete Wassersprudler geworden. Insgesamt "ein Unikat, mit dem man neue Wege geht und von dem man am Anfang noch nicht genau weiß, was wie gemacht wird, wie lang es hält und ob alles passt". Für Wilhelm Koch aber passt es jetzt tatsächlich. Wenn denn die Wassersprudler vom beauftragten Fachmann mal so programmiert sind, dass es passt.

Der Betonkern des großen Monte-Kegels – unten über viereinhalb Meter breit und über 1,80 Meter hoch – ist aus vier Teilen zusammengesetzt, damit man ihn überhaupt transportieren konnte. "Das Besondere ist, er ist mit Porzellanfliesen gefliest. Sehr dicke Porzellanfliesen. Die wurden in der Manufaktur in Schloß Nymphenburg gefertigt." Dort enstehen sonst hochwertige Figuren und Kunstobjekte aus Porzellan. "Ich glaube, es war das erste Mal, dass sie so einen Brunnen gemacht haben." Eine Besonderheit inklusive: Die Manufaktur verwende prinzipiell Kaolin aus Hirschau – natürlich auch für den Hirsch-Schau Brunnen.

Hirschaus weißes Gold

Die schneeweißen Monte-Fliesen mit ihren runden Ausprägungen sehen ein bisschen aus wie Kieselsteine. "Es sollte eine organische Struktur werden", erklärt Koch, "so eine Art Schüttung, bei der die großen Steine nach unten rollen und die kleinen oben bleiben". Dazwischen glänzen einzelne runde Elemente, die mit einer Goldglasur bedeckt sind. "Da steckt ein bisschen drin, dass das das weiße Gold Hirschaus ist, von dem die Stadt auch ihren Wohlstand hat." Vielleicht auch ein bisschen was von den berühmten Hirschauer Stückln? Eine Art sprichwörtlicher Schildbürger-Geschichten. "Also, das wüsste ich jetzt nicht", sagt der Künstler. Und lacht ein bisschen dazu. A Hund is a halt scho, der Wilhelm Koch.

Seine Hirsche sollten im Brunnen auch eine Funktion haben. Weil sich im Grundentwurf schon zwölf Strahler im Boden kreisförmig um den Brunnen reihten wie auf einem Ziffernblatt, "hat es sich angeboten, dass wir das Thema Uhrzeit aufgreifen". Deshalb präsentieren die Hirsche nicht einfach nur Wasserspiele, sondern zeigen damit auch die Uhrzeit an: Der eine Hirsch spuckt die Viertelstunden aus, der andere die vollen Stunden. Wenn also der erste zweimal speit und der zweite dreimal, dann ist es 15.30 Uhr. Eigentlich ganz einfach. Und wer sich verzählt, kann auf der Rathaus-Uhr im Hintergrund spicken.

Spielen erlaubt

Dieser Brunnen sei ein Erlebnis-Brunnen, betont Koch. Deshalb ist es auch erlaubt, ja sogar erwünscht, dass hier Kinder spielen. Weil es kein Brunnenbecken gibt, können sie das auch problemlos tun. Und mit den Wasserfontänen sprutzeln, die immer wieder aus dem Boden auftauchen und dann wieder verschwinden. Momentan ist das noch nicht ganz durchprogrammiert. Koch hätte hier gerne richtige Chroeographien mit drei verschiedenen Sprudel-Höhen. Vielleicht auch mit einer La-Ola, "da gäb's viele Möglichkeiten", an denen gerade noch getüftelt wird.

Auch beim Licht hat sich seit Inbetriebnahme einiges geändert, die LED-Strahler im Boden zeigen jetzt nicht mehr ihr ganzes, sehr buntes und auch sehr grelles Farbenspektrum. Kochs Ziel ist hier ein nicht allzu "kracherter" Wechsel zwischen Blau und Weiß, "damit es nicht nervt".

Jetzt sind die Hirschauer gefragt

Und jetzt? "Jetzt sind die Hirschauer gefragt", betont der Künstler – gespannt darauf, "was sie sich um den Brunnen herum einfallen lassen". Koch denkt einfach mal laut ins Blaue: "Es könnte zum Beispiel sein, dass man sich einmal in der Woche, gerne auch öfter, dort abends mit einem Liegestuhl trifft und ein Getränk zu sich nimmt." Kinder könnten hier spielen. "Dann ist es auch nicht schlimm, wenn das Freibad mal geschlossen hat." Vielleicht könne sich auch um die Hirschen herum etwas entwickeln. "Dass es dort vielleicht mal ein Jagdbläserkonzert gibt. Oder dass "zur Brunftzeit der Hirsche im September dort vielleicht Brunftschreie der Jäger getestet werden – wer's am besten kann." Da ist er wieder, der sprichwörtliche Oberpfälzer Hund vom gerahmten Schild an der Bürowand. Oder vielleicht auch der Hirsch. Passt auch in diesem Fall beides.

Der "Monte Hirsch-Schau Brunnen"

Hirschau
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