04.01.2021 - 18:09 Uhr
HirschauOberpfalz

Parkchaos am Rotbühl: Jetzt greift Polizei ein

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Zumindest in Bezug auf den Gesundheitszustand des am Samstag auf dem Rotbühl verunglückten Mädchens hat die Polizei am Montag gute Nachrichten. Und in Bezug auf die Parksituation am Langlaufzentrum kündigen die Beamten Konsequenzen an.

Der Andrang am Rotbühl führte dazu, dass es übers Wochenende auch auf den Zufahrtsstraßen und auf den Parkplätzen eng wurde.
von Markus Müller Kontakt Profil

Als sich am Samstagnachmittag ein Kind beim Schlittenfahren auf dem Rotbühl verletzte, zeigte sich eine der Schattenseiten des großen Ansturms, den das Langlaufzentrum zwischen den Jahren erlebte: Die Rettungskräfte hatten Probleme, überhaupt an die Einsatzstelle zu kommen. Da der Parkplatz an den Loipen überfüllt war, hatten nämlich viele Besucher ihre Autos an der schmalen Verbindungsstraße zwischen Weiher und Hainstetten abgestellt.

Nach Auskunft der Feuerwehr musste sie zudem sechs Leute abstellen, um die Wintersportler von der Einsatzstelle fernzuhalten, da selbst währen der Versorgung des verletzten Mädchens die Schlitten vorbeifuhren.

Zum Unfall am Samstag am Rotbühl

Hainstetten bei Freudenberg

Wie Achim Kuchenbecker, der Pressesprecher der Amberger Polizeiinspektion, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erläuterte, kann Verhalten, das die Rettungskräfte behindert, zu empfindlichen Strafen führen. Beim Parken an einer Straße sei man etwa verpflichtet, eine Restfahrbahnbreite von gut drei Metern freizulassen, damit Rettungsfahrzeuge im Einsatz noch durch können. Komme ein Rettungswagen nicht mehr durch, mache sich der hinderliche Parker einer Ordnungswidrigkeit im Verkehr schuldig, die mit einer Strafe von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg zu ahnden sei.

"Jeder könnte selbst daliegen"

Beim Thema, inwieweit die Einsatzkräfte durch rücksichtsloses Verhalten behindert oder gefährdet werden, appelliert Kuchenbecker an den gesunden Menschenverstand und rät: „Es könnte ja jeder selbst verletzt daliegen, und deshalb sollte sich jeder fragen, ob er es dann in Ordnung fände, wenn andere einfach vorbeibrausen.“

Wer aktiv Rettungskräfte behindere, begehe jedenfalls eine Straftat, genau wie derjenige, der so ein Geschehen mit dem Handy aufnehme. Als unterlassene Hilfeleistung könne es bereits interpretiert werden, wenn man „Personen behindert, die Dritten Hilfe leisten“. Selbst im Ordnungswidrigkeiten-Bereich seien hier schon bis zu 1000 Euro Strafe möglich.

Zum Glück nur Prellungen

Gute Nachrichten hatte Kuchenbecker zum Gesundheitszustand des verunglückten Mädchens parat: „Ein Verdacht auf eine Wirbelverletzung hat sich nicht bestätigt.“ Das Mädchen wurde bereits am Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen. Sie habe sich zum Glück nur Prellungen zugezogen.

Der Pressesprecher kündigte an, die Polizei werde in den kommenden Tagen, speziell am Feiertag und am Wochenende, die Straßen um das Langlaufzentrum Rotbühl mit Blick auf die Parksituation kontrollieren, „damit die Zufahrt für Rettungskräfte jederzeit gewährleistet ist“.

Langlaufen erlaubt

Kuchenbecker stellt zugleich einen Irrtum richtig: Mehrere Bürger hätten die Polizei darauf hingewiesen, das Langlaufzentrum Rotbühl sei doch eine Sportstätte im Sinne der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die doch eigentlich geschlossen sein müsste. Diese Einschätzung sei aber falsch: „Das Langlaufzentrum Rotbühl stellt rechtlich keine zugangsbeschränkte Sportanlage dar und ist frei zugänglich. Auch das Befahren von vorgespurten Loipen ist rechtlich als Aufenthalt in der freien Natur einzustufen.“

Ein vorgespurte Loipe stelle für sich genommen auch keine Sportstätte dar. „Deshalb ist das Langlaufen beziehungsweise der Aufenthalt in der freien Natur unter Beachtung des Mindestabstands allein, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands erlaubt.“ Die Stadt Hirschau als verantwortliche Sicherheitsbehörde sehe das genauso. Ebenso das Gesundheitsministerium, das präzisiere, Skifahren auf Pisten gehe nicht, weshalb die Lifte auch geschlossen seien. Doch Langlaufen in der freien Natur sei erlaubt, auch in vorgespurten Loipen; nicht jedoch in zugangsbeschränkten Sportanlagen.

Schon an Silvester stauten sich am Rotbühl die Autos

Hainstetten bei Freudenberg
Hintergrund:

Der Rotbühl

  • Der Rotbühl an der Nahtstelle der Gemeinden Freudenberg, Hirschau und Schnaittenbach gilt mit 673 Metern als höchster Berg des Landkreises Amberg-Sulzbach.
  • Der Berg ist besonders wegen des 127 Meter hohen Senders für digitales Fernsehen sowie UKW- und DAB-Hörfunk bekannt.
  • Seit vielen Jahren betreibt der Skiclub Monte Kaolino Hirschau ein Langlaufzentrum neben dem Sender. Das Langlaufzentrum wurde erst 2020 mit Funktionsgebäuden für Sportler erweitert.
  • Derzeit ist am Rotbühl eine Kunstschneeloipe mit einer Länge von etwa zwei Kilometern in Betrieb. Bei Minustemperaturen wird dort täglich beschneit.
  • Loipeninformation: https://sc-montekaolino.com/loipennetz/

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.