13.02.2021 - 01:02 Uhr
HirschauOberpfalz

Dem Pionier der Kaolinindustrie gewidmet – die Georg-Schiffer-Straße

In Hirschau tragen elf Straßen den Namen einer Persönlichkeit, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht hat. Eine davon ist die Georg-Schiffer-Straße – benannt nach dem Gründer der Amberger Kaolinwerke.

Am 29. März 1901 gründete Georg Schiffer zusammen mit vier finanzstarken Teilhabern die Amberger Kaolinwerke. Innerhalb zweier Jahrzehnte wurden die AKW zum bedeutendsten und fortschrittlichsten Betrieb dieser Art. Kommerzienrat Georg Schiffer wurde am 15. Juni 1864 in Neustadt a.d. Haardt geboren. Ein Autounfall am 28. Januar 1931 versetzte setzte seinem Leben ein jähes Ende.
von Werner SchulzProfil

Geboren wurde Georg Schiffer am 15. Juni 1864 in Neustadt a.d. Haardt. Sein Vater war 1848 in die USA ausgewandert, hatte sich zum Teilhaber einer großen Brauerei in Louisiana emporgearbeitet und kehrte um 1862 als reicher Mann in seine Heimat zurück. Georg Schiffer verließ mit 16 Jahren – ohne seine Angehörigen zu verständigen – das Elternhaus, schiffte nach Amerika ein und musste bei der Landung feststellen, dass man ihm seine Habseligkeiten gestohlen hatte. In der Neuen Welt kämpfte er sich als Schuhputzer, Tellerwäscher, Cowboy, Schafzüchter, Getreidehändler und schließlich Leiter eines Goldbergwerks in Kolumbien durch. Die Malaria zwang ihn 1896 zur Heimkehr.

Weil ihm wegen seiner Krankheit ein Aufenthalt in frischer, rauer Luft empfohlen wurde und der Familie Schiffer als Aktionär der Pfälzischen Chamotte- und Tonwerke Schiffer&Kircher das Ton- und Kaolinvorkommen in der mittleren Oberpfalz bekannt war, kam Georg Schiffer um die Jahrhundertwende nach Hirschau. Nach sorgfältigen Erkundungen gründete er am 29. März 1901 mit vier finanzstarken Teilhabern die Amberger Kaolinwerke. Zu der Bezeichnung kam es, weil Schiffer zu dieser Zeit in Amberg wohnte und er dort sein Büro errichten wollte. Zudem konnten sich die Kunden leichter orientieren, da Amberg als alte Eisenstadt bekannt war.

Die Firma stellte sich von Anfang an auf Großversand ein, zumal die Bahnstrecke Amberg-Schnaittenbach seit 1898 in Betrieb war. Schiffer kaufte rund 80 Hektar Felder auf und sicherte das Unternehmen durch Bohrungen bis zu 40 Meter Tiefe. Er errichtete großräumige Fabrikgebäude zur Aufbereitung des Rohkaolins in Kaolin, Feldspat und Quarz für den Versand. Mancherorts wurde der Firma der Bankrott prophezeit. Schiffer aber überwand mit seiner Tatkraft sowie seinem technischen und kaufmännischen Können alle Hindernisse und Fehlschläge. Er wurde der Pionier der modernen Kaolinindustrie und nach dem 1. Weltkrieg Vorsitzender des Deutschen Kaolinkontors in Dresden.

Tolerant und ohne Dünkel

Innerhalb zweier Jahrzehnte wurden die AKW zum bedeutendsten und fortschrittlichsten Betrieb dieser Art. Bald nach 1920 bewegten in der rasch größer werdenden Grube Bagger und Lokomotiven die Erdmassen und lieferte eine 450-PS-Dampfmaschine die Betriebskraft. 1926, zum 25-jährigen Betriebsjubiläum, rollten bei 250 Beschäftigten 100 000 Tonnen Versandgut ins In- und Ausland. Immer weiter wurde der „Schifferbau“ (im Hirschauer Slang „Schieferbau“) vergrößert. Der Freistaat Bayern verlieh Georg Schiffer für sein erfolgreiches Schaffen 1926 den Titel eines Kommerzienrates. Bei den Hirschauern genoss Schiffer hohes Ansehen. Standesdünkel kannte er nicht. Er respektierte jeden einfachen Mann. Er war tolerant und gab als Protestant eine großzügige Spende zur Beschaffung der Glocken für die katholische Pfarrkirche. Zum Bau der evangelischen Kirche leistete er einen großen finanziellen Beitrag.

1908 hatte er in Hirschau das Bürger- und Heimatrecht erworben. Mehrere Jahre war er bis zur Revolution am Ende des 1. Weltkriegs Magistratsrat. 1921 heiratete er seine um 32 Jahre jüngere, aus Enzisweiler bei Lindau stammende Frau Franziska. Die Ehe blieb kinderlos. 1923 bezog er die an der Schnaittenbacher Straße (heute Georg-Schiffer-Straße) modern errichtete Villa mit Garten und Tennisanlage. Schon 1905, als Autos in der Oberpfalz noch rar waren, fuhr er einen Wagen, ab 1911 deren zwei. Ein Autounfall am Abend des 28. Januar 1931 setzte seinem Schaffen ein jähes Ende.

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Die Georg-Schiffer-Straße ist ab dem „Klinger-Eck“ bis zum Ortsende in Richtung Schnaittenbach identisch mit der B 14. Da diese früher durch die Innenstadt führte, heißt auch der Abschnitt Klinger- bis zum Apothekereck Georg-Schiffer Straße. Im Bild v. l.: Bürgermeister Hermann Falk, Stadtheimatpfleger Sepp Strobl (bei AKW 25 Jahre als Schmied beschäftigt) und 3. Bürgermeister Hermann Gebhard (seit 1986 bei AKW beschäftigt). Aufnahme vor dem Haus von Hermann Gebhards verstorbenem Onkel Georg.
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Kommentare

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Julian Meindl

Irgendwie ist die chronologische Abfolge der Ereignisse Georg Schiffer's in den USA nicht logisch nachzu voll ziehen. Ist er 1880 ausgewandert und 1888 wieder zurück gekehrt?

13.02.2021
Eva-Maria Hinterberger

Hallo Herr Meindl, 

vielen Dank für den Hinweis. Es handelte sich um einen Tippfehler. Wir haben das geändert. 

15.02.2021