12.12.2020 - 01:05 Uhr
HirschauOberpfalz

Straße für den „guten Hirten“

In Hirschau tragen aktuell 10 von insgesamt 76 Straßen den Namen von Persönlichkeiten, die sich um die Stadt große Verdienste erworben haben. Eine davon ist die Friedrich-Zeitler-Straße - benannt nach Geistlichem Rat Friedrich Zeitler.

Am 4. November 1965 beschloss der Stadtrat, eine Straße nach dem Ehrenbürger, Geistlichem Rat Friedrich Zeitler, zu benennen. Die Friedrich-Zeitler-Straße reicht von der Walkstraße im Osten bis zur Max-Reger-Straße im Westen. Im Bild v. l.: Bürgermeister Hermann Falk, Altbürgermeister Helmut Rösch, Ex-Stadtrat Hermann Gebhard (beide Ministranten zu Zeitlers Zeiten) und Stadt-Heimatpfleger Sepp Strobl.
von Werner SchulzProfil

Der Stadtrat fasste am 4. November 1965 den Beschluss, die Straße, „die sich von der Walkstraße im Osten über den Neubau Freimuth am Höllriegel bis zur Schönbrunner Straße (heute Max-Reger-Straße) im Westen erstreckt“, nach dem verdienten und beliebten Stadtpfarrer zu benennen. Von 1933 bis 1962 hatte der gebürtige Mitterteicher in der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt als Seelsorger segensreich gewirkt und sich darüber hinaus große Verdienste um das öffentliche und kulturelle Leben der Stadtgemeinde erworben. Anlässlich seines 25-jährigen Ortsjubiläums hatte der Stadtrat am 1. Oktober 1958 auf Antrag der CSU-Fraktion einstimmig beschlossen, Geistlichem Rat Zeitler das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Bürgermeister Willi Bösl überreichte ihm die Urkunde am 14. Dezember 1958 im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtrats im Sitzungssaal des Rathauses.

Am 3. Dezember 1933 hatte Friedrich Zeitler, vorher Pfarrer in Großschönbrunn, sein Amt als Hirschauer Stadtpfarrer angetreten. In der Tat stellten ihn die Jahre der Nazi-Diktatur, des 2. Weltkriegs sowie das Elend und die Flüchtlingsnot der Nachkriegsjahre vor schwierigste Aufgaben. So sorgte er dafür, dass der am 20. April 1945 bei einem US-Bombenangriff schwer beschädigte Kirchturm und das zur Hälfte zerstörte Kirchendach schnellstmöglich wieder instandgesetzt wurden. Nachdem im Frühjahr 1942 die Kirchenglocken (bis auf die Sterbeglocke) beschlagnahmt worden waren, bemühte er sich mit Erfolg um ein neues Geläute. Am 18. Dezember 1949 konnte es Stadtpfarrer Zeitler, der 1941 zum Dekan und 1946 zum Bischöflich Geistlichen Rat ernannt worden war, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung einweihen. Auch das Innere der Pfarrkirche und der Vierzehnnothelferkirche ließ er während seiner Amtszeit renovieren. Durch die Bereitstellung von kircheneigenem Bauland für den sozialen Wohnungsbau trug er wesentlich zur Linderung der Wohnungsnot im Nachkriegs-Hirschau bei. In der Reihe seiner für die Allgemeinheit wichtigen Aktivitäten darf der am 26. Mai 1953 erfolgte Kauf des Löwenbräusaals (im Volksmund „Ertlsaal“) nicht fehlen.

Im Rahmen einer Sondersitzung überreichte Bürgermeister Willi Bösl (r.) am 14. Dezember 1958 Bischöflich Geistlichem Rat Friedrich Zeitler (l.), der sein 25-jähriges Ortsjubiläum feierte, die Ehrenbürger-Urkunde. Anlass war Pfarrer Zeitlers 25-jähriges Ortsjubiläum.
Am 18. Dezember 1949 weihte Geistlicher Rat Friedrich Zeitler die neuen Glocken der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Das alte Geläute war 1942 beschlagnahmt und zu Kriegsgerät umgearbeitet worden.

Der Gebäudekomplex wurde renoviert und erweitert und erhielt die Bezeichnung Josefshaus. An dieses ließ der Pfarrherr 1957 ein modernes Jugendheim anbauen. Ein unermüdlicher Motor dieses Projektes war Kooperator Josef Schedl, der ab 1955 acht Jahre in Hirschau wirkte. Während Zeitlers 29-jähriger Amtszeit unterstützten ihn acht Kooperatoren (heute Kapläne) bei der Seelsorgearbeit.

In der Bevölkerung wurde Zeitler nur selten als „Stadtpfarrer“ tituliert. Man sprach in der Regel vom „Geistlichen Rat“. Zeitzeugen berichten von seinem ständigen Bemühen, durch Güte und Toleranz überall und jederzeit vermittelnd und versöhnend zu wirken. Zu den Markenzeichen des leutseligen Seelsorgers gehörte seine Leidenschaft für das Schafkopfen. Dazu traf er sich nur zu gerne beim „Sporrer-Röisl“, beim Böckl, beim Specht, beim Schwanenwirt und vor allem in „seinem“ Josefshaus. Organisator der Schafkopfrunde war oftmals Engelbert Rösch, der Vater von Altbürgermeister Helmut Rösch. Mangels Telefon, SMS oder gar WhatsApp wurde der Helmut, selbst Ministrant, vom Vater zum „Einsagen“ von Uhrzeit und Gastwirtschaft zu den anderen Schafkopffreunden wie z.B. dem Ritter Adam, dem Tröster Wolf, dem Schwab Wolfgang oder dem Segerer Hans geschickt. Von Zeitler-Kennern wird zudem berichtet, dass der Geistliche Rat einem guten Tröpfchen Wein nicht abgeneigt war.

Am 8. Juli 1962 feierte er, nachdem er zum 1. Juli von seinen Ämtern entbunden wurde, seinen letzten Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Abends wurde er im voll besetzten Josefshaussaal von Pfarrei und Stadt offiziell verabschiedet. In der AZ stand damals u.a. zu lesen: „Mit Recht kann man sagen, dass unser Geistl. Rat der rechte Seelsorger für diese Zeit war. In kluger Besonnenheit, echter Toleranz und priesterlicher Liebe leitete und führte er seine Stadtpfarrei. Er war ihr guter Hirte in schwieriger Zeit.“ Seinen Ruhestand, den er in seiner Heimatstadt Mitterteich verbrachte, konnte Friedrich Zeitler nicht lange genießen. Er verstarb am 11. November 1963.

Bei der Fronleichnamsprozession trägt Geistlicher Rat Friedrich Zeitler die Monstranz unter dem Himmel. Rechts im Bild mit dem Weihrauchfass Ministrant Helmut Rösch, der oft zuständig war für das „Einsagen“ von Uhrzeit und Lokal der von Zeitler geliebten Schafkopfrunden.
Hintergrund:

Wichtige Daten aus Friedrich Zeitlers Leben

Geboren am 24. Juni 1888 in Mitterteich, Priesterweihe 1913, 1913/14: Kooperator in Fichtelberg, 1914-1918 Divisionspfarrer im Kriegsdienst, 1918-1924: Kooperator in Marktredwitz, 1924-1926: Benefiziat in Schnaittenbach, 1926/1927: Benefiziat in Vilseck, 1927-1933: Pfarrer in Großschönbrunn, 1933-1962: Stadtpfarrer in Hirschau, 1941: Ernennung zum Dekan des Kapitels Hirschau, 1946: Verleihung des Titels Bischöflich Geistlicher Rat, Verstorben am 11. November 1963 in Mitterteich.

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