09.02.2020 - 14:51 Uhr
HohenfelsOberpfalz

69 Jahre nach der Aufgabe des Dorfes: Pfarrei Lutzmannstein aufgelöst

1951 musste das Dorf Lutzmannstein der Westerweiterung des Übungsplatzes Hohenfels weichen. 69 Jahre später wird jetzt die dortige Pfarrei St. Luzia per Dekret des Bischofs von Eichstätt aufgelöst.

Die Pfarrkirche St. Luzia in Lutzmannstein. Mit einem Dekret des Bischofs von Eichstätt ist jetzt die Pfarreiaufgelöst. Grund genug für ehemalige Lutzmannsteiner, am Samstag ins Dorf zurückzukommen und mit (von links) Stadtpfarrer Martin Becker aus Velburg, Pfarrer Richard Hüttinger von der Diözese Eichstätt und und Kaplan Thomas Sanikommula einen Gottesdienst zu feiern. Rechts Bürgermeister Bernhard Kraus.
von Paul BöhmProfil

1951 wurde Lutzmannstein aufgelöst: Die Ortschaft musste der Westerweiterung des Truppenübungsplatzes Hohenfels weichen. Jetzt, 69 Jahre später, wurde auch die Lutzmannsteiner Pfarrei St. Luzia offiziell aufgelöst - zum 1. Februar, per Dekret von Gregor Maria Hanke, des Bischofs von Eichstätt.

Abschied mit Gottesdienst

Eine Gruppe Lutzmannsteiner war gekommen, um den Gottesdienst am Dorfplatz zur Erinnerung an die Pfarrei St. Luzia zu feiern. Schon 1951 hatten sie aus ihrem Heimatdorf wegziehen müssen.

Für viele war es am Samstag ein schwerer Gang in ihr ehemaliges Heimatdorf. "Offiziell gilt jetzt die Pfarrei St. Luzia in Lutzmannstein im Übungsplatz Hohenfels als aufgelöst, aber in unseren Herzen wird sie immer einen festen Platz haben", sagte der Velburger Bürgermeister Bernhard Kraus zu den Menschen, die mit ihm zum Gedenkgottesdienst nach Lutzmann-stein gekommen waren.

Im Herbst 1951 mussten die Lutzmannsteiner ihr Dorf verlassen. Inzwischen sind sie weit verstreut, im Herzen aber Lutzmannsteiner geblieben. Das zeigt sich bei den regelmäßigen Heimattreffen, zu denen die US-Armee die Lutzmann-steiner ins Sperrgebiet einlädt. Diese werde es auch künftig geben, versicherte der Pressesprecher der US-Armee in Hohenfels, Norbert Wittl. Auch das Territorium der Pfarrei Lutzmannstein wurde 1951 Teil des amerikanischen Übungsplatzes Hohenfels. Im Zuge der Gebietsreform Anfang der 1970er-Jahre hat der Freistaat das gesamte Erweiterungsgebiet der Stadt Velburg zugeschlagen. Zum Rechtsnachfolger des alten Wehrmachtsübungsplatzes bestimmte die Staatsregierung den Markt Hohenfels.

Ein Blick über den Schlossgarten hinüber zum alten Schulhaus.

Die Lutzmannsteiner mussten einst innerhalb weniger Monate ihre Heimat verlassen. Deshalb existiere die Pfarrei de facto nicht mehr, schreibt der Eichstätter Bischof: "Um die Tatsache nun auch rechtlich zu ordnen, hebe ich hiermit die Pfarrei St. Luzia zu Lutzmannstein nach Anhörung des Priesterrates auf und inkorporiere deren Territorium der Pfarrei St. Johannes der Täufer zu Velburg."

Damit, so heißt es in dem Dekret weiter, "wird die Existenz der Pfarrei St. Luzia zu Lutzmannstein auch kirchenrechtlich beendet und deren Rechtspersönlichkeit erlischt. Deshalb wird sich diese Pfarrei keinerlei Rechte mehr erfreuen können, noch an Pflichten gebunden sein, welche von Rechts wegen naturgemäß juristischen Personen zukommen. Insbesondere wird sie nicht mehr fähig sein, nach Maßgabe des Rechts zeitliche Güter zu erwerben, zu besitzen, zu verwalten oder zu veräußern, unbeschadet der Nichtexistenz sämtlicher mit der Pfarrei St. Luzia zu Lutzmannstein zusammenhängenden kirchlichen Stiftungen."

Die Kongregation für den Klerus hat die noch vorhandenen Messstiftungen der Pfarrei St. Luzia auf eine Messe pro Jahr reduziert. Diese reduzierte Stiftung mit einer Laufzeit von 25 Jahren wird durch die Diözese Eichstätt auf Weisung der Kongregation für den Klerus zugunsten der katholischen Kirchenstiftung Velburg errichtet, so die Information von Pfarrer Richard Hüttinger als Vertreter der Diözese.

Im Blickpunkt:

Heimattreffen in Lutzmannstein

Nach dem Tod des in Krumpenwinn geborenen Pfarrers Johann Eichenseer im Juli 2012 hat die Stadt Velburg die Organisation der Lutzmannsteiner Heimattreffen übernommen. "Auch wenn es die Pfarrei Lutzmannstein nicht mehr geben wird, wird die Stadt Velburg weiterhin die Tradition der Organisation der Heimattreffen aufrecht halten", versprach Bürgermeister Bernhard Kraus am Samstag im Dorf. "Wenn alles nach Plan verläuft, werden 2021 die Lutzmannsteiner zu einem Heimattreffen zusammenkommen."

Ehemalige Lutzmannsteiner kehren zurück in die alte Heimat

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