13.05.2020 - 15:29 Uhr
IllschwangOberpfalz

Illschwanger Baugeschäft Margraf blickt auf 100 Jahre zurück

Auf eine über 100-jährige, bewegte Firmengeschichte kann in Illschwang das Baugeschäft Margraf zurückblicken. Firmenchef Josef Margraf nimmt die Leser mit auf eine Zeitreise, denn dieses Jubiläum ist einmalig in der näheren Region.

Die Unternehmerfamilie Margraf im Jahr 1965; Josef Margraf (links) und Ehefrau Veronika (rechts) sowie (unter der Tür, links) Fritz Biehler mit Ehefrau Maria Biehler (rechts) und den Kindern (obere Reihe, von links) Josef und Emma sowie (untere Reihe, von links) Franz und Veronika.
von Norbert WeisProfil

Im Jahr 1919 heiratete der gelernte Maurer Fritz Biehler aus Gailoh bei Amberg Maria Reindl aus Illschwang. Er zog dorthin und gründete zusammen mit Hans Dehling (Korl-Hansel) aus Gehrsricht das heutige Bauunternehmen Margraf.

Innerhalb kürzester Zeit nach der Gründung wurde er Altmeister, eine für die damalige Zeit bedeutende Auszeichnung. Früher gab es noch eine strickte Trennung nach der Religionszugehörigkeit. War der Bauherr katholisch, so ging der Auftrag an Biehler und umgekehrt an Dehling. Es sei denn, die Auftraggeber waren mit der Zusammenarbeit beider einverstanden.

Galt es ein größeres Projekt umzusetzen, kamen dem Zwei-Mann-Unternehmen Georg Holzner (Maurer Schorsch) und Anton König zu Hilfe. Selbst im Zweiten Weltkrieg blieben Bauaufträge nicht aus, obwohl man Biehler sämtliche Auszeichnungen aberkannte, weil er die Mitgliedschaft in der NS-Partei ablehnte. Dies lag an seiner Beliebtheit und seinem Engagement, das er vor allem in der Gemeinde Illschwang an den Tag legte. Großes Glück hatte er, dass er den Ersten Weltkrieg ohne gesundheitliche Folgen überstand. 1914 musste er einrücken. Er blieb von verschiedenen Verwundungen nicht verschont. Am schwersten machte ihn ein Granatensplitter zu schaffen, der ihm beinahe den rechten Arm gekostet hätte. Dies geschah zwei Monate vor dem Kriegsende. Doch sorgte die ärztliche Kunst für eine vollständige Heilung. Mit der Heirat 1919 begann er, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, mit dem Baugeschäft. Das Unternehmen nahm einen guten Anfang. Wichtig war ihm dabei die Zusammenarbeit mit dem Korl-Hansel, der selbstständig arbeitete.

Angedacht war, dass er den Betrieb an seinen Sohn Josef Biehler übergibt. Doch dazu sollte es nicht kommen, da dieser im Januar 1941 in der Nähe von Moskau gefallen war. Auch der Sohn von Hans Dehling wollte die Verantwortung für das Geschäft nicht übernehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten Biehler und Dehling die Arbeit fort, gab es doch durch die zahlreichen Schäden viel zu tun. Einen Einschnitt in die Fortführung des Bauunternehmens bedeutete das Jahr 1956. Biehler übergab in diesem Jahr den Betrieb an seinen Schwiegersohn Josef Margraf. Er hatte 1954 seine Tochter Veronika geheiratet. Damit wurde aus dem Geschäft das Bauunternehmen Margraf. Dieses führte er 25 Jahre lang.

Die Zahl der Beschäftigten stieg im Laufe der Zeit bis auf 25 Mitarbeiter. 1961 baute er in der Wiesenstraße, angrenzend an das Wohnhaus, in dem sich auch das Büro befand, eine Lagerhalle, die auch heute noch zur Unterbringung von Baumaschinen, Werkzeugen und Baumaterialen genutzt wird. Die Firma Margraf war eine der ersten mit einem Betonrüttler, der oftmals auch verliehen wurde. Sohn Josef Margraf junior absolvierte von 1972 bis 1975 eine Ausbildung zum Maurer im elterlichen Betrieb und arbeitete danach einige Jahre als Geselle im Unternehmen mit.

Fritz Biehler (links) und Hans Dehling (genannt Korl Hansel) arbeiteten mit ihren Firmen eng zusammen.

1981 bestand er mit erst 23 Jahren die Meisterprüfung. Er war damals einer der jüngsten Maurermeister in der Oberpfalz. Aufgrund der Krankheit seines Vaters übernahm er kurz darauf die Leitung des Betriebs in der dritten Generation. 1997 zog er in das neu erbaute Wohnhaus, in dem auch der Bürokomplex und Sozialräume für die gegenwärtig 28 Beschäftigten mit integriert sind. Zwei Jahre zuvor hatte er eine Fläche für ein neues Lager im Gewerbegebiet Neuöd erworben. Das Motto des Unternehmens lautet: "Bauen mit Leib und Seele." Über die Jahre hinweg hat sich Josef Margraf stets weitergebildet. Er besitzt Zertifizierungen als Gutachter für Abwasser, Kleinkläranlagen, Bauschäden und Grundstücksbewertung. Darüber hinaus ist er Sachverständiger für die Bauwirtschaft. Im Juni 2017 erhielt er den Goldenen Meisterbrief, den man ab 35-jährigem Meisterdasein verliehen bekommt. Kräftige Unterstützung gibt es inzwischen auch von seinem Sohn Christoph, der die Firma einmal in der vierten Generation übernehmen wird. Er ist bereits Maurer- und Betonbaumeister und Bautechniker. Der Juniorchef hat erfolgreich ein Studium für Betriebswirtschaft absolviert und ist zertifizierter Gutachter für Bauschäden. Stolz ist Josef Margraf auf einen Stamm erfahrener Mitarbeiter, die sich stets intern als auch extern weiterbilden. Ungefähr 50 von ihnen haben bereits ihre Ausbildung beim Unternehmen gemacht und sind ihm anschließend treu geblieben. Im Innungsgebiet ist die Firma der größte Ausbildungsbetrieb in der Branche. Am Ende der historischen Zeitreise betonte Josef Margraf, dass jeder der gern Teil dieses Teams werden möchte, willkommen ist. Regelmäßig werden im Zeitraum August/September neue Auszubildende zum Maurer eingestellt.

Meisterprüfung bestanden

Zwei-Mann-Unternehmen

Juniorchef Christoph Margraf (Zweiter von links) mit Freundin Lisa Krusche (links), sowie Firmenchef Josef Margraf mit Lebensgefährtin Ulrike Kummetsteiner.
Projekte:

Baugeschäft Margraf

Projekte aus dem 100-jährigen Bestehen des Bauunternehmens Margraf: Komplettsanierung der Simultanpfarrkirche in Illschwang, Außenrenovierung der säkularisierten Kirche beim Kreuzerwirt in Sulzbach-Rosenberg, Bau der Turnhalle der Jahnschule in Sulzbach-Rosenberg, Sanierung der Illschwanger Schule, Neubau des Rathauses in Illschwang, sowie Setzen des Fundaments und Errichtung eines Bürogebäudes einer Halle von rund 4000 Quadratmeter Größe im Gewerbegebiet in Neuöd. (no)

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