Oase-Bar: Verfall einer Kaltenbrunner Legende

Selbst Elvis Presley besuchte sie während seiner Zeit in Grafenwöhr. Die legendäre Oase-Bar hätte viel zu erzählen. Seit etwa 20 Jahren ist das abbruchreife Haus aber in verwahrlostem Zustand. Das Dach ist bereits eingebrochen.

Die einst weithin bekannte Oase-Bar ist heute nur noch eine Ruine.
von Siegfried BockProfil

1948 baut das aus ihrer Heimat, dem oberschlesischen Oppeln vertriebene Ehepaar Erich und Ika Skowronek das Haus am Rand der Alten Siedlung hinter dem damaligen Fußballplatz. Das Lokal firmierte bei den Agenturen unter dem Namen „Café Vierjahreszeiten – Oase Bar“.

„Sie hatte Großstadtformat, eine Bar, wie sie weit und breit nicht zu finden war. Das war unser Tanzlokal“, erzählt die 89-jährige Edith Häusler. „Wir waren eine Kaltenbrunner Clique und haben dort während der ganzen Jugendzeit auch schöne Faschingsbälle gefeiert. Jeden Samstag gab es Tanz mit einer Superkapelle; der Saal war immer voll.“ Häusler schildert das Verhältnis zu den später in Grafenwöhr stationierten US-Soldaten anfangs als nicht so gut wie heute. Hinzu kam das Sprachproblem. „Wir konnten nicht englisch und die GIs nicht deutsch.“

Nicht nur viele US-Soldaten, auch Gäste aus der ganzen Oberpfalz und Franken, strömten ab Mitte der 50er Jahre in die Oase-Bar, denn dort konnte man Abende mit besten Getränken und schönen Frauen genießen. Manche Kuh wurde dort verzecht, hieß es. Die ebenso monatlich wechselnden Musikbands spielten auf, die eine Künstleragentur verpflichtete. Die Damen traten nicht nur in Kaltenbrunn auf, sondern auch in München, Berlin, Hamburg und Düsseldorf.

Bilder aus der Vergangenheit Kaltenbrunns

Kaltenbrunn bei Weiherhammer

Untergebracht waren Tänzerinnen und Musiker – heute nicht mehr vorstellbar – im alten Trötsch-Haus am Marktplatz, wo die Flüchtlingsfamilie Skowronek ab 1945 gewohnt hatte. Dort mussten sie das Wasser noch aus dem Brunnen im Hof pumpen. Zum Waschen diente eine Schüssel. Alfons Bösl berichtet über eine Anekdote: „Eine Schlangentänzerin kam einmal in unser Lebensmittelgeschäft und suchte das Hotel Vierjahreszeiten. Sie hatte eine Vorstellung von einem Münchner Hotel. Als wir ihr sagten, wo es ist und wie sie es sah, war sie natürlich enttäuscht.“

Nach dem Tod ihrer Eltern hatte die älteste Tochter Gisela die „Oase“ bis Anfang 1980 weitergeführt. Sie und ihre beiden Schwestern Sigrid und Gudrun, ebenfalls mit Amerikanern verheiratet, wohnten fortan in den Staaten. Gisela ist inzwischen verstorben. Sohn Heinz, mit Tochter Annerose von Radio Kneidl, Weiden, verehelicht, führte lange Zeit das Tölzer Kurhaus. Er erlag 62-jährig einem Krebsleiden. Am 13. Dezember 2002 wurde der zweite, zuletzt allein lebende Skowronek-Sohn Alwin im teilweise schon verfallenen Elternhaus von Nachbarn tot aufgefunden, nachdem er einige Tage nicht mehr im Markt zu sehen war.

Es gab einen Interessenten, das längst abbruchreife Gebäude samt total zugewachsenem Grundstück zu erwerben und durch einen Neubau zu ersetzen. Dort hätten sogar zwei Häuser Platz. Dies scheiterte jedoch daran, dass zur Erbengemeinschaft zählende Enkel und Urenkel bislang in den USA nicht ausfindig gemacht werden konnten. So wird die „vertrocknete“ Oase wohl weiterhin im Dornröschenschlaf verbleiben.

Eine Anzeige der Oase-Bar, wie sie damals im Neuen Tag stand.
Eine Anzeige der Oase-Bar.
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