05.02.2020 - 13:47 Uhr
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Kardinal Müller vergleicht Synodalen Weg mit Beginn des NS-Regimes

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Mit dem Dialogprozess des Synodalen Weges erkunden die Katholiken in Deutschland neue Möglichkeiten. Das provoziert zu Recht Widerspruch. Doch was sich Kardinal Müller leistet geht vielen zu weit - nicht zum ersten Mal.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller breitet bei einer Messe im Mainzer Dom die Arme aus.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Jesuitenpater Bernd Hagenkord hat die Kritik von Kardinal Gerhard Ludwig Müller am Synodalen Weg als unakzeptable Grenzüberschreitung zurück gewiesen. "Wer den synodalen Weg mit dem Ermächtigungsgesetz der Nazis von 1933 vergleicht hat entweder keine Ahnung von Geschichte oder handelt mutwillig jegliche Debatte vergiftend", schreibt der geistliche Begleiter des Synodalen Weges auf seinem Blog.

Pater Hagenkords Beitrag

Der frühere Präfekt der römischen Glaubenskongregation Müller hat am Montag im Gespräch mit dem englischsprachigen Portal "LifeSiteNews" die Abstimmungen der Versammlung in Frankfurt mit der Aufhebung des Weimarer Verfassung durch das Ermächtigungsgesetz am 24. März 1933 verglichen.

"Eine selbst ernannte Versammlung, die weder von Gott noch von dem Volk autorisiert ist, das sie vertreten soll, hebt die Verfassung der Kirche göttlichen Rechts auf, die auf dem Wort Gottes in Schrift und Überlieferung beruht", sagte Müller. Dabei belässt es der frühere Regensburger Diözesanbischof nicht: "In einem suizidartigen Prozess hat die Mehrheit entschieden, dass ihre Entscheidungen gültig sind, auch wenn sie der katholischen Lehre widersprechen."

Schon früher NS-Vergleiche

Vergleiche des Reformdialoges mit der NS-Zeit sind auch von anderen katholischen Würdenträger zu hören. Es sei das erste Mal nach der im Jahr 1937 abgefassten Enzyklika "Mit brennender Sorge" von Papst Pius XI., dass das Oberhaupt der Kirche den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widme, hatte der Nuntius Nikola Eterovic das Schreiben von Papst Franzikus "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" kommentiert. Später räumte der Papstgesandte ein, dass der Unterschied zwischen beiden Dokumenten doch groß sei: "Denn die Enzyklika vom 14. März 1937 prangert die unzulässigen Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes in die Angelegenheiten der Katholischen Kirche an, während das aktuelle Schreiben innerkirchliche Themen aufgreift."

Pater Hagenkord, neben der Theologin Maria Boxberg mit der geistlichen Begleitung des Synodalen Wegs beauftragt, schreibt am Dienstag, er wolle Negativ-Debatten nicht füttern, "aber bei Nazi-Vergleichen von Christen gegen Christen hört es auf". Dem setzte der Journalist und frühere Leitende Redakteur der "Vatican News" entgegen: "Es reicht!". Zugleich betont der Jesuit, dass er sich "nachher nicht vorhalten lassen mag, geschwiegen zu haben."

Das ist keine Kritik mehr. Das ist der Versuch zu desavouieren und das auch noch mit inakzeptablen Mitteln. Das ist nicht Kirche.

Pater Bernd Hagenkord, SJ, zum NS-Vergleich durch Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Pater Bernd Hagenkord, SJ, zum NS-Vergleich durch Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Es ist nicht das erste Mal, dass Kardinal Müller Distanz zur freiheitlichen Demokratie erkennen lässt. Im November beklagte er bei einem Vortrag in Kloster Weltenburg eine "neue Weltelite" könne "der Versuchung kaum widerstehen, sich wie eine neue Herrenrasse aufzuspielen". Zugleich geißelte der Kardinal einen "Relativismus der Werte", ohne die Wertordnung des Grundgesetzes zu würdigen.

Schließlich zieht der Kardinal ganz in der Manier rechter Verschwörungstheoretiker über die "Führungsschicht der politischen Eliten" und "Multimilliardäre und ihren angeblich wohltätigen Stiftungen" her "Sie kontrollieren das Worldwideweb und alle führenden Presseagenturen, womit sie eine Gleichschaltung des Denkens, Urteilens und Fühlens der breiten Massen erreichen."

Kommentar zum Synodalen Weg

Regensburg

Versuch zu desavouieren

Als erster Bischof wies der Würzburger Oberhirte, Franz Josef Jung, den Vergleich Müllers zurück: "Der geht besonders schief, weil der Vergleich mit einer totalitären Machtergreifung sehr fehl am Platz ist", sagte er laut der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Würzburg. "Es gibt Kritik, die richtet sich selber", sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg zu KNA: "Sie ist so lebensfern, dass sie nicht ernst genommen werden kann." Mit seinen Einlassungen stelle sich Müller "gegen die große Übereinstimmung der katholischen Gläubigen und die große Mehrheit der bischöflichen Mitbrüder". Oder, wie Pater Hagenkord es formuliert: "Das ist keine Kritik mehr. Das ist der Versuch zu desavouieren und das auch noch mit inakzeptablen Mitteln. Das ist nicht Kirche."

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