20.08.2020 - 11:54 Uhr
KemnathOberpfalz

Das Loslassen lernen

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Wer seinen Keller oder Kleiderschrank entrümpelt, räumt auch seine Seele auf. Kathrin Karban-Völkl aus Kemnath ist überzeugt, dass Entrümpeln glücklich macht. Dieses Glück gibt sie gerne weiter.

Kathrin Karban-Völkl ist Religions- und Gestaltpädagogin und als freiberufliche Referentin in der Bildungsarbeit tätig. Bekannt ist sie in der Region auch als Autorin des Buches „Entrümple und lebe“.
von Christa VoglProfil

Kathrin Karban-Völkl sitzt bei einer Tasse Kaffee am Küchentisch. Neben ihr am Boden spielt ihr knapp zweijähriger Sohn. Ronjo hat die Spielzeugkiste ausgekippt und ist konzentriert dabei, den Hänger seines kleinen Autos mit Holzklötzen zu beladen. In der Ecke hat jemand seine Roller-Skates abgestellt, auf einem Stuhl liegen vergessen eine Puppe und ein Mädchen-Sweatshirt. Ronjo hat noch drei ältere Schwestern.

"Mit vier kleinen Kindern ist es gar nicht so einfach, die Sache mit dem Entrümpeln im Auge zu behalten", erklärt die 38-jährige Religions- und Gestaltpädagogin, die als freiberufliche Referentin in der Bildungsarbeit tätig ist und seit einigen Jahren auch als Autorin von sich reden macht. Ihre Bücher handeln vom Glück, von der Lebensfreude - und eines davon dreht sich explizit ums Entrümpeln und trägt den Titel: "Entrümple und lebe!"

"Bei Anfragen stelle ich natürlich immer verschiedene Vorträge zur Auswahl. Aber ganz oft ist es so, dass ich zwar unterschiedliche Themen anbiete, dann aber bereits beim Vorschlag ,Entrümpeln' unterbrochen werde - mit der Rückmeldung: Stopp, ja, genau das möchten wir haben." Warum das so ist? Ganz einfach, weil eben jeder von uns dieses Problem vom Wegwerfen und Behalten kennt, weil jedem Menschen Haus-, Körper- und Seelengerümpel vertraut sind, und weil jeder auf seine Weise versucht, damit irgendwie klarzukommen, ist sich Karban-Völkl sicher.

Aus Notizen wird Buch

Entstanden ist ihr Buch "Entrümple und lebe!" völlig ungeplant. Nach einem ihrer Vorträge über dieses Thema sei ein Journalist auf sie zugekommen mit der Frage nach einem Handout als Grundlage für den geplanten Zeitungsartikel. "Weil ich nichts anderes hatte, gab ich ihm damals einfach meine persönlichen Notizen", erklärt sie lachend: eine Seite vollgekritzeltes Papier mit einer groben Gliederung, jeder Menge Anmerkungen, Rotstiftkorrekturen und vielen Pfeilen, mit denen eigentlich nur sie etwas anfangen konnte.

Aus dieser doch etwas unbefriedigenden Situation heraus habe sie sich dann am nächsten Tag "hingesetzt" und ihren Vortrag ausformuliert niedergeschrieben. "Und da viele Zuhörer auch immer wieder nach einer Zusammenfassung meiner Anregungen zum Thema Entrümpeln fragten, entstand dieses Buch." Übrigens inzwischen schon in der dritten - überarbeiteten und erweiterten - Auflage, weil "immer wieder neue Ideen dazukommen".

Persönliches Erfolgsrezept

Etwas Beruhigendes: Auch im Zuhause von Karban-Völkl hat Gerümpel die Tendenz, sich in bestimmten Ecken oder Räumen anzusammeln. Ihr persönliches Erfolgsrezept dagegen: "Eigentlich ist es ganz einfach: Ich versuche, jeden Tag eine Sache zu entrümpeln."

Dieser Ansatz stamme übrigens nicht von ihr, so erzählt sie, diesen Tipp habe sie mal irgendwo gelesen. "Zum Beispiel gehe ich in den Keller und nehme mir ein Glas Marmelade aus der hintersten Reihe, das schon einige Jahre alt ist. Ich trage es in die Küche, öffne es, probiere davon, und entscheide dann direkt, ob die Marmelade noch gut ist und auch wirklich gegessen wird. Notfalls trenne ich mich davon und sie landet auf dem Kompost." Jeden Tag eine Sache in Angriff zu nehmen - und sei sie noch so unbedeutend, wäre ein guter Ansatz.

Doch bei Karban-Völkl beschränkt sich das Entrümpeln nicht nur auf Keller und Speicher. "Am Anfang ging es lediglich um das Häusliche. Die Seele war nur ein Anhängsel." Eben die Seele sei ihr persönlich zwar durchaus wichtig gewesen, sie war aber der festen Überzeugung, dass "die Leute, die zu meinem Vortrag kamen, eigentlich nur das Haus entrümpeln wollen". Im Laufe der Zeit spürte sie jedoch, dass diese Menschen auch sehr großes Interesse am Entrümpeln der Seele zeigten.

Haus- und Seelenputz

Daher baute sie diesen Aspekt nach und nach mit ein: Am Anfang des Vortrags steht nach wie vor das Entrümpeln des Hauses oder der Wohnung. "Alte Tischdecken, alte Bilder, alte Fotos. Das sind eigentlich nur Dinge, doch diese Dinge haben mit uns persönlich zu tun, am Haus oder an der Wohnung hängen meine Seele, mein Herz, meine Gefühle." Über die dabei entstehenden Gefühle schlägt sie dann die Brücke zu einem ganz anderen Entrümpeln. Nämlich dem des eigenen Lebens, der eigenen Seele.

Die Seele sei eben auch wie ein Haus. Mit dem Unterschied, dass man ein wirkliches Haus entrümpeln könne, ohne dass danach von den entsorgten Gegenständen noch irgendwelche Spuren zurückblieben. Nach einiger Zeit wisse sogar niemand mehr, was in den leergeräumten Zimmern stand.

Mit Erfahrungen umgehen

"Mit der Seele geht das nicht", sagt Karban-Völkl. "Denn alles, was wir einmal erlebt haben, hinterlässt in uns eine Spur, eine Narbe, die da ist und nicht mehr weg geht." Umso bewusster müssten wir uns überlegen, was wir mit unseren Erfahrungen machen, wie wir damit umgehen.

Kathrin Karban-Völkl ist sich sicher, dass das Loslassen - egal, ob bei Gegenständen in der Wohnung oder beim Seelenputz - sehr wichtig ist und uns gut tut. Doch nach dem Entrümpeln müsse sich im Menschen selbst etwas verändern, um ein erneutes "Zurümpeln" zu verhindern.

Wer einen aufgeräumten Kleiderschrank besitzt, hat womöglich auch eine aufgeräumte Seele.

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