22.08.2021 - 10:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Mit ungewöhnlichen Gefährten Kemnath entdecken

Stefan Krauß und Kay Kublenz aus Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) haben ein Faible für außergewöhnliche Fortbewegungsmittel. Ihre Lieblingsplätze erkunden sie mit dem Einrad, Hochrad, Waveboard oder dem ersten Automobil der Welt.

Stefan Krauß hat eine Leidenschaft für ungewöhnliche Fortbewegungsmittel. In seiner Garage steht ein Hochrad und der Nachbau des ersten Automobils der Welt.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Mit Frack, Zylinder und weißem Hemd verlässt Stefan Krauß an diesem sonnigen Augusttag sein Haus auf dem Kemnather Stadtplatz. Die verwunderten Blicke der Passanten stören ihn nicht – er ist sie sogar gewohnt. In ein paar Minuten werden sie womöglich auch ihre Handys zücken, um ein Foto zu machen.

Krauß biegt nach links ab, vorbei an der Stadtpfarrkirche mit ihrem besonderen Kirchturm. Der Turm mit seiner torartigen Durchfahrt ist das Wahrzeichen der Stadt – das Tor zu Oberpfalz. Vor einer Garage macht Stefan Krauß halt. Als sich das Tor öffnet, kommen bemalte Wände zum Vorschein. Krauß hat sie vor ein paar Jahren mit der Silhouette einer Draisine und dem ersten Automobil der Welt verschönert: dem "Benz Patent-Motorwagen Nummer 1" aus dem Jahr 1886.

Phantastische Karpfen

"Ich bin einfach ein großer Mercedes-Fan und hab ein Faible für alte Sachen", sagt der 43-jährige Bäckermeister. Aus diesem Grund hat er den Benz nicht nur an der Wand, sondern auch als Nachbau in der Garage stehen. 730 Millimeter misst das vordere Rad, 1125 die beiden hinteren. Die Speichen sind schwarz. Die Sitzbank ist mit schwarzem Leder bezogen. Hinten befindet sich der gold-glänzende Motor. Mit einem gleichmäßigen "Tuk, tuk, tuk, tuk" startet das 0,75 PS starke Gefährt. "Getankt wird Waschbenzin aus der Apotheke", erklärt Krauß. Vorsichtig schiebt er das Automobil nach draußen. Er springt auf und tuckert los.

Für eine Spritztour nimmt sich der Kemnather so oft es geht Zeit. Dabei darf eine Runde um den Stadtweiher nicht fehlen. Das Gewässer erhielt 2003 die Auszeichnung "Historischer Teich". Karpfen, Schleie, Hecht und Wels finden darin einen Lebensraum. Entlang des Stadtweihers machen vor allem bunte Karpfenskulpturen auf sich aufmerksam. Hier verläuft seit 2005 der "Phantastische Karpfenweg". 2,8 Kilometer ist der Weg um die historische Altstadt lang. Zu sehen gibt es 18 bemalte Karpfenplastiken, dazu Gedichte und Informationen zur Stadt und Teichwirtschaft. Der Weg führt auch am Spielplatz an der Seeleite entlang. Der wohl beliebteste Spielplatz der Stadt lockt mit einem großen Spielgerät in Form eines Karpfens – der "Spielefisch". Hinzu kommt eine Seilbahn, Schaukeln, Toiletten und seit neustem ein Trampolin, das auch Rollstuhlfahrer benutzen können.

Hier legt Stefan Krauß nicht nur mit seinem Benz, sondern auch mit einem anderen, außergewöhnlichen Gefährt gerne eine Pause ein. Einem Hochrad, das ihm seine Frau Susanne zum Geburtstag geschenkt hat. Das Fahrrad macht besonders durch die Größe des Vorderrads auf sich aufmerksam. Die Pedale sind direkt an der Radachse montiert. "Die Blicke der Kinder sind unbezahlbar", schwärmt er.

Älteste Bäckerei Deutschlands

Über den Cammerloher Platz und den Torbogen geht es zurück zur Bäckerei. Ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. Dabei wird er vom Kopfsteinpflaster ganz schön durchgeschüttelt. An eine Federung hat man zur damaligen Zeit noch nicht gedacht. Die Stadtpfarrkirche wurde 1448 als dreischiffige, spätgotische Hallenkirche gebaut. Zwei einheimische Maler fertigten 1859 das Altarbild an. Gut möglich also, dass die Menschen auf den Bildern echte Kemnather waren.

Nur 125 Jahre jünger, ist die Bäckerei der Familie Krauß. „1573 hat alles begonnen“, berichtet Krauß, der nun das Handwerk in der 14. Generation ausübt. Seit diesem Zeitpunkt ist der Betrieb in Familienhand, was sie zur "ältesten Bäckerei Deutschlands macht". Das Stammhaus der Familie gibt es bereits seit 1392. "Wir hatten Glück, dass das Haus vor zwei Stadtbränden verschont wurde." Und es gibt noch einen weiteren Rekord: Die älteste Metzgerei Deutschlands steht ebenfalls in Kemnath

Kuhweiher und Anzenstein

Ein großes Interesse an ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln hat auch Kay Kublenz. Der 58-Jährige hat es vor 19 Jahren in die nördliche Oberpfalz verschlagen – dabei stammt er ursprünglich aus Bremen. Zudem hat er jeweils ein Jahr in Israel und den USA gelebt. "Ich liebe es, neue Länder und Leute kennenzulernen." Dennoch: "Die tolle Landschaft und die netten Menschen machen Kemnath zu meiner Heimat", sagt er. "Hier fühle ich mich wohl."

Und diese Lieblingsorte zeigt er auch gerne seinen Freunden. "Die meisten liegen entlang des Karpfenwegs", erzählt er. "Hier kann man auch gut die Slackline aufbauen." Soll es mal "hoch hinaus gehen", steigt er mit seinen Freunden zum Gipfelkreuz auf dem nahegelegenen Anzenstein hinauf. Ein Abstecher zum Kuhweiher hinter Eisersdorf gehört ebenfalls zu den landschaftlichen Höhepunkten.

Elektrisches Einrad und Waveboard

Ausprobieren und Spaß haben, dass ist das Motto von Kay Kublenz. Einrad fahren hat er schon in der Grundschule gelernt. Kein Wunder also, dass Kay auch schon ein elektrisches und ein Giraffen-Einrad ausprobiert hat. "Das elektrische Einrad hat keine Zulassung, deshalb habe ich es wieder verkauft", sagt er. Neben den Tennisplätzen, zwischen den alten Bäumen, spannt Kay gerne seine Slackline auf - eine weitere Leidenschaft. 40 Meter ist das Kunstfaserband lang. Bevor es losgeht, wickelt er Matten um die Bäume. "So wird die Rinde nicht beschädigt." Die Leidenschaft für diese Trendsportart entwickelte der 58-Jährige vor fünf Jahren. "Es ist ein wunderschönes Hobby, aber man muss viel üben und sich konzentrieren."

Um von A nach B zu kommen, nutzt Kay derzeit am liebsten das Waveboard. "Das ist eine Art Skateboard, hat aber nur zwei Räder", erklärt er. Das Waveboard kann man vor-, seitwärts und schräg fahren. Kay legt das Board auf der Straße ab und stellt einen Fuß auf das Brett. Mit dem anderen stößt er sich vom Boden ab. Jetzt sind Beinarbeit und ein gewisser Hüftschwung gefragt. Kay setzt sich mit dem Waveboard in Bewegung und macht schnell Tempo. "Mit dem Waveboard kann ich sogar bergauf, also den Stadtplatz hochfahren", sagt Kay.

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Kay Kublenz baut in Kemnath seine Slackline auf. Auch er probiert gerne außergewöhnliche Fortbewegungsmittel aus.
40 Meter ist die Slackline von Kay Kublenz lang.
Hintergrund:

Kemnath

  • Eine Stadt im Landkreis Tirschenreuth
  • Kemnath hat 5.400 Einwohner.
  • Die Stadt hat 39 Gemeindeteile.
  • Der Ortsname leitet sich von dem Wort Keminatha ab, welches eine alte Bezeichnung für ein beheiztes Zimmer in einer mittelalterlichen Burg oder Herberge ist.
  • Die Stadt hat seit 2018 den niedrigsten Gewerbesteuersatz in Bayern.
ECHT.OBERPFALZ:

Serie: Besondere Menschen und Orte in der Region

Was macht die Oberpfalz so einzigartig? - Dieser Frage gehen die Volontäre von Oberpfalz-Medien auf den Grund. Anlässlich des diesjährigen Dreifach-Jubiläums im Medienhaus wollen sie die Vielfalt der Region würdigen. Sie suchen für die Serie "echt. Oberpfalz" nach besonderen Menschen, kreativen Köpfen, bunten Hunden, außergewöhnlichen Vereinen oder verrückten Traditionen, die unsere Heimat so einzigartig machen. Die Volontäre fahren einmal quer durch die Oberpfalz und machen Halt an berühmten und auch vielleicht nicht so berühmten Orten. Und es sollen noch viele weitere Städte und Gemeinden folgen. Bei Ihnen gibt es auch etwas Besonderes und Einzigartiges in Ihrem Heimatort? Dann schreiben Sie uns an jubi[at]oberpfalzmedien[dot]de. Vielleicht schauen unsere Volontäre auch in Ihrer Heimat vorbei.

 

 

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