28.07.2020 - 17:52 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Schön und nützlich: Alte Schätze vom Dachboden werden zu Pflanzgefäßen

Emailleschüsseln und Blechwannen sind bepflanzt nicht nur ein Blickfang im Garten, sie bringen auch reiche Ernte. Markusine Guthjahr schwärmt unter anderem für ein "mobiles Hochbeet".

von Christa VoglProfil

Markusine Guthjahr ist vielen als Landfrauenberaterin, Kräuterexpertin und Buchautorin bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass sie in einem alten, liebevoll restaurierten Haus wohnt. Und dass auf dem Dachboden und im Keller dieses Hauses "Dinge von früher herumstehen", die allesamt eine Geschichte haben. Jetzt hat sie einige dieser Dinge hervorgeholt und "mobilisiert", das heißt umfunktioniert. Nämlich zu außergewöhnlichen Pflanzgefäßen.

ONETZ: Frau Guthjahr, wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, alte Gefäße zu bepflanzen?

Markusine Guthjahr: Ich war auf einem Seminar und bin dort während der Pause und dem dazugehörigen „Beine vertreten“ im Garten gegen eine bepflanzte Blechwanne gestoßen. Ein Zufall. Ich habe mir dann diese Wanne genauer angesehen, sie gefiel mir wirklich sehr gut und ich dachte: „Solche alte Wannen hast du doch zu Hause auch herumstehen.“

ONETZ: Ist es nicht einfacher, Gemüse und Kräuter direkt ins Beet zu pflanzen?

Markusine Guthjahr: Mein Wohnort Königstein liegt im Oberpfälzer Jura. Unser Gartenboden ist karg, steinig und trocken, denn der Garten liegt auf einem Felshügel, in dessen Inneren sich große Felsenkeller verbergen. Diese wurden früher als Bierlager von der örtlichen Kommunbrauerei genutzt. Für den Gemüseanbau ist dieser Garten nicht geeignet, aber mit Gefäßen kann man sich sehr gut behelfen, weil sie ja mit fruchtbarer Erde gefüllt werden. Und auch vor Schnecken sind die Pflanzen dadurch geschützt.

ONETZ: Welche Pflanzen sind dafür geeignet?

Markusine Guthjahr: Letztes Jahr habe ich es mit Salat in einer großen Emaille-Schüssel ausprobiert und das hat wunderbar funktioniert. Die Salatköpfe sind gewachsen wie die Schwammerl. Und die Salatblätter sind frei von Erde. Das Pflanzen in Schüsseln ist auch geeignet für den Balkon oder für kleine Gärten.

ONETZ: Was haben Sie dieses Jahr gepflanzt?

Markusine Guthjahr: Dieses Jahr habe ich weitere Behältnisse vom Dachboden und aus dem Keller geholt und darin wachsen jetzt Kürbis, Zucchini, Schnittlauch, Petersilie, Basilikum. Und natürlich alle Arten von Salat.

ONETZ: Wenn Sie so ein Gefäß haben, wie gehen Sie vor bei der Bepflanzung?

Markusine Guthjahr: Ganz unten fülle ich eine ungefähr fünf Zentimeter dicke Schicht mit Blähton, alten Ton- oder Ziegelscherben. Das wirkt wie eine Art Puffer, damit es keine Staunässe gibt und die Pflanzen nicht im Wasser stehen. Der Ton speichert ja auch Wasser und gibt es später wieder ab. Auf diese Schicht kommt dann Erdreich.

ONETZ: Welche Erde nimmt man dafür?

Markusine Guthjahr: Ich nehme immer ein Gemisch aus Gartenerde und Kompost, im Verhältnis 1:1. Und dann gebe ich noch organischen Dünger, zum Beispiel eine Handvoll Hornspäne dazu. Ich verwende keinen Kunstdünger. Wer keinen Kompost und keine Gartenerde zur Verfügung hat, kann natürlich auch fertige Blumenerde kaufen. Meistens ist diese bereits vorgedüngt.

ONETZ: Müssen die Gefäße nicht angebohrt werden, damit überflüssiges Wasser abfließen kann?

Markusine Guthjahr: Meine Gefäße bohre ich nicht an. Bei länger anhaltendem Regen finden die Gefäße Platz unterm Balkon, ansonsten stelle ich sie einfach ein bisschen schräg, damit das überschüssige Wasser abfließen kann. Das funktioniert wunderbar. Wenn es das Material zulässt, kann man natürlich auch ein paar Löcher bohren.

ONETZ: Was machen Sie, wenn der Salat abgeerntet ist?

Markusine Guthjahr: Dann leere ich die verbrauchte Erde in den Kompostbehälter und bereite eine neue Erdfüllung vor. Wieder mit Gartenerde, Kompost und Hornspänen. Anschließend werden erneut Jungpflanzen gesetzt. Mit drei solcher Schüsseln versorgen mein Mann und ich uns den ganzen Sommer über mit frischem Salat.

ONETZ: Brauchen die Pflanzen Sonne oder Schatten?

Markusine Guthjahr: Überwiegend lieben sie natürlich sonnige Plätze. Aber da ich viele Pflanzgefäße auf alten Mist- und Schubkarren aus Holz stehen habe, kann ich sie einfach in die Sonne fahren. Das ist wie ein „mobiles Hochbeet“.

ONETZ: Und was macht man im Herbst damit?

Markusine Guthjahr: Was zu ernten ist, wird natürlich abgeerntet. Mehrjährige Pflanzen, wie Schnittlauch, Majoran und Thymian, pflanze ich während des Winters einfach direkt in ein Gartenbeet. Damit sind auch die Wurzeln geschützt. Im Frühjahr hole ich sie wieder heraus und pflanze sie zurück in den Trog.

ONETZ: Nicht jeder hat einen Keller oder einen Dachboden mit alten Schätzen.

Markusine Guthjahr: Aber bei den meisten Gartenliebhabern stehen überzählige Pflanzgefäße herum. Diese kann man natürlich genau so gut verwenden. Oder man schaut sich auf Flohmärkten um. Oder bei Sperrmüllsammlungen. Viele Leute, die durch meinen Garten schlendern, sehen die Wannen, Töpfe und Krüge und sagen dann: „Ach, das habe ich ja auch. Aber das liegt bei mir auf dem Dachbaden oder im Keller.“ Es ist doch schön, wenn man diese alten Schätze nicht einfach achtlos wegwirft. Jeder dieser Gegenstände könnte eine Geschichte erzählen. Und schon deshalb sollte man sie nochmals nutzen, bevor sie auf der Müllhalde landen.

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