21.10.2020 - 12:26 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Feuerwehr Amberg-Sulzbach hat jetzt eine Drohne und zehn geprüfte Piloten

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Jetzt kann die Feuerwehr im Landkreis Amberg-Sulzbach in die Luft gehen. Zumindest per Kamera. Seit dem Wochenende hat sie ganz offiziell zehn geprüfte Drohnen-Piloten in ihren Reihen. Und das passende Fluggerät natürlich auch.

Die Feuerwehr übt auf dem Parkplatz vor dem Kümmersbrucker Sportzentrum den Umgang mit der Drohne. Die ist schon abgehoben, der Pilot (rechts) steuert sie fern, der Beobachter (links) daneben hat die Bilder, die die Kamera unten am Copter aufnimmt, auf einer speziellen Brille direkt vor Augen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es geht mehr als nur darum, abzuheben. "Wir lernen das Handwerkszeug eines Drohnenpiloten", sagt Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl (Freudenberg). Zusammen mit seinem Ensdorfer Amtskollegen Dominik Ernst leitet er die neu gegründete Fachgruppe Drohne der Amberg-Sulzbacher Feuerwehr. Alle Wehren im Landkreis können künftig dieses ferngesteuertes Fluggerät, auch Copter genannt, als modernes, zusätzliches Hilfsmittel für ihre Einsätze nutzen. Die Drohne gehört dem Landkreis Amberg-Sulzbach, ist bei der Feuerwehr Kümmersbruck stationiert und rückt von dort bei Bedarf mit der Fachgruppe zu Einsätzen im ganzen Landkreis aus.

Wegen seiner sechs Propeller wird dieses Drohnen-Modell Hexacopter genannt. Das Fluggerät und ein Teil der Zusatzausrüstung sind schon angeschafft, weitere Ausrüstungsstücke sollen folgen. Jetzt lernen zehn Aktive, überwiegend aus der Feuerwehr Kümmersbruck, wie man mit dieser Technik umgeht. Alles an einem Wochenende: Praktische Ausbildung, viel Theorie und zum Abschluss gleich die Prüfung – es ist ein straffes Programm, das zehn Feuerwehrleute an zwei Tagen im Sportzentrum Kümmersbruck absolvieren. Wie ihr normaler Feuerwehrdienst geschieht auch das ehrenamtlich, in ihrer Freizeit.

Jede Menge Theorie

Das Fliegen an sich ist dabei das kleinere Problem, das haben alle schnell raus, auch wenn die meisten noch nie mit so einem ferngesteuerten Fluggerät zu tun hatten. Die angehenden Drohnenpiloten absolvieren aber auch eine richtige Ausbildung mit Abschlussprüfung. Dafür müssen sie jede Menge Theorie wissen und insbesondere eine endlose Litanei an Abkürzungen auf Deutsch und Englisch sowie unzählige Vorschriften und Gesetze kennen. Diesen "Kenntnisnachweis" brauchen alle, die für gewerbliche Zwecke eine Drohne fliegen wollen.

Die Feuerwehr müsste diesen speziellen "Flugschein" eigentlich gar nicht machen, tut es aber, weil die Verantwortlichen einfach sicher sein wollen, dass alles seine Ordnung hat und keiner Probleme bekommt. Ganz ungefährlich ist diese Art der "Fliegerei" nämlich nicht. Die Piloten müssen auf alles Mögliche achten, angefangen von Baumwipfeln und Hochspannungsmasten über Thermik bis hin zu Datenschutz, wie Armin Daubenmerkl erklärt.

Drohnen-Ausbildung bei der Feuerwehr Amberg-Sulzbach

Sieht ein bisschen aus wie bei den Modellfliegern: Mit dieser Fernsteuerung lenkt der Pilot die Drohne.

Kein Spielzeug

Das Interesse am neuen fliegenden Einsatzgerät ist groß: 20 Aktive aus den Reihen der Kümmersbrucker Feuerwehr wollen Drohnenpiloten werden. In einem ersten Schritt können zehn von ihnen die Ausbildung und Prüfung absolvieren. Das, sagt Daubenmerkl, sei nicht ganz billig, deshalb können nicht alle auf einmal einsteigen. Auch die Drohne samt nötigem Zubehör von Fernsteuerung bis Kameras ist keine billige Angelegenheit. Die Kreis-Feuerwehr investiert hier rund 20.000 Euro. Schon diese Summe zeigt: Mit den Freizeit-Coptern, die sich allgemein großer Beliebtheit erfreuen, hat das wenig zu tun: Hier geht es um hoch entwickelte Profi-Geräte, die die Feuerwehr für alle möglichen Zwecke nutzen kann.

Die Feuerwehr im Landkreis Amberg-Sulzbach bekommt eine Drohne

Amberg

Dazu kann man den Copter mit unterschiedlichen Geräten bestücken - zum Beispiel mit Kameras oder auch mit Scheinwerfern. So verschaffen Drohnen der Feuerwehr besseren Überblick von oben oder zeigen ihr auch andere Blickwinkel, die sonst verborgen bleiben, liefern Wärmebilder und hochaufgelöste Ansichten von Einsatzbereichen. Und man kann sie auch dorthin schicken, wo es für Menschen richtig gefährlich ist: Die Drohne kann beispielsweise bei einem Chemieunfall "vorgeschickt" werden, um beispielsweise Gefahrgutkennzeichen an einem verunglückten Lastwagen zu prüfen, bevor Einsatzkräfte vorrücken. Daubenmerkl formuliert es so: "Überall, wo ich eine Drohne einsetze, muss ich kein Leben riskieren."

In Kümmersbruck stationiert

Eine Firma aus Braunschweig, die darauf spezialisiert ist, bildet die angehenden Piloten aus und prüft sie auch. Weil Kümmersbruck recht zentral im Landkreis liegt, eine große Feuerwehr ist und dazu noch eine, bei der anders auch tagsüber viele Einsatzkräfte greifbar sind, wurde sie als Standort für die Drohne angefragt. Kommandant Alwin Holzner hat gleich zugesagt. "Wir können das stemmen", ist sich Christopher Richter angesichts der Personalstärke der Wehr sicher – auch wenn das bedeutet, dass die Drohnen-Arbeit noch zusätzlich zum normalen Dienst dazu kommt. Richter ist bei der FFW Kümmersbruck der Ansprechpartner für die Drohne. Die gehört der Kreis-Feuerwehr und wird nach Bedarf zu Einsätzen im ganzen Landkreis geschickt.

Alle im Drohnen-Team sind hochmotiviert: "Wir freuen uns riesig auf die Aufgabe", betont Richter. Die erfordert einen Schichtbetrieb für die Drohnen-Experten, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. "Wir sind jederzeit einsatzbereit", sagt Richter schon ein bisschen stolz. Auch wenn sich erst zeigen muss, ob die Pläne, die die Kümmersbrucker sich zurechtgelegt haben, funktionieren. Die Drohne sei einfach Neuland, da werde man jetzt einfach ständig hinzu lernen und weiter am Konzept feilen, meint Armin Daubenmerkl. Er ist inzwischen bei anderen Wehren, die auch eine Drohne anschaffen wollen, ein gefragter Ansprechpartner und Ratgeber. Demnächst wollen sich beispielsweise die Regensburger in Kümmersbruck über das neue Gräte informieren.

Alle haben die Prüfung bestanden

In Kümmersbruck ist nach der Anschaffung der Drohne jetzt auch Etappe zwei geschafft: Alle zehn Drohnen-Piloten haben ihre Prüfung bestanden. Kaum haben sie ihre "Flugscheine" in den Händen, geht es an die Einsatzpraxis: Den Sonntag über üben die Piloten Starts, Landungen und auch schon spezielle Aufgaben: Die Drohne ruhig halten, wenn ein Greifvogel naht, der den Copter als Angreifer betrachtet, den Einsatz der Wärmebildkamera, den Umgang mit der speziellen Brille, die die Aufnahmen auf der Luft direkt vor die Augen bringt und natürlich das Zusammenspiel von Pilot und Beobachter. Letzterer steuert das Fluggerät, sein Partner behält die Drohne immer im Blick und achtet auch auf die Umgebung, warnt beispielsweise, wenn sich Autos oder Fußgänger nähern.

Etwas zu Lachen bekommen die Übenden dann auch noch: Beim Trainingsflug über dem Fußballplatz des Sportzentrums sehen sie auf dem Monitor auch einen "Wildbiesler". Der war eigentlich nicht Teil des Übungsszenarios. Zeigt aber, dass die Drohne tatsächlich ganz neue Ein- und Überblicke liefert.

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