11.02.2020 - 09:27 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Zukunftsmuseum in Nürnberg - ein Kümmersbrucker Ingenieur war dabei

Ein Kümmersbrucker hat auf Nürnbergs berühmtester Baustelle mitgewirkt: Bauingenieur Markus Fellner trägt maßgeblich dazu bei, dass Ende 2020 das Zukunftsmuseum, eine Außenstelle des Deutschen Museums, eröffnen kann.

Hier geschieht demnächst die Zukunft: Die Außenstelle des Deutschen Museums eröffnet Ende 2020 in Nürnberg. Ein Kümmersbrucker Bauingenieur begleitete die Arbeiten.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Hier sollen die Besucher einmal miterleben können, wie ein menschliches Herz im 3-D-Drucker entsteht, einen riesigen Globus bestaunen, der live Klimadaten aus der ganzen Welt zeigt, ein echtes Flugauto in der Luft sehen. All das soll ab Jahresende im neuen Nürnberger Zukunftsmuseum möglich sein. Am jetzt schon bekannten Ausstellungskonzept wird deutlich: Diese Außenstelle des Deutschen Museums wird nicht bloß ein Ableger, in dem nicht ausgestellte Exponate aus München zwischengelagert werden. Hier geht es ausschließlich um die Zukunft.

Sichtbeton und Bronze-Dach

Im Dezember haben das Deutsche Museum und seine Leiterin Marion Grether die Räume an der Augustinerstraße 1 bezogen. In den Monaten zuvor passierte an dieser Stelle im Herzen Nürnbergs – der Hauptmarkt ist nur einen Steinwurf entfernt – einiges. Auf einem schnöden Schandfleck mit Parkplätzen ist in nur wenigen Monaten ein imposantes Gebäude mit Sichtbetonfassade und bronzeglänzendem Dach in die Höhe gewachsen. Wie genau das passiert ist, davon kann Bauingenieur Markus Fellner berichten. Er betreibt in Kümmersbruck ein Büro und fungierte als Vermittler auf der Baustelle zwischen Bauherr, Architekt und Deutschen Museum.

Gespräch mit dem Bauleiter des "Zukunftsmuseums" in Nürnberg Markus Fellner.

Wenn Fellner zu Hause in Kümmersbruck nun von dieser „bedeutenden Maßnahme“ spricht, strahlen seine Augen. Bei diesem Projekt war viel Geschick eines Bauingenieurs gefragt.

Die Fläche, auf der Museum sowie ein Hotel mit Pool im obersten Geschoss entstehen, befindet sich direkt an der Pegnitz, ganz in der Nähe der historischen Karlsbrücke von 1320, die Bauverhältnisse sind beengt, das Museum liegt mitten in Nürnberg – der Untergrund ist also auch wegen des Zweiten Weltkriegs heterogen und recht luftig aufgeschüttet. „Wir hatten sehr viel verkohltes Material und zertrümmerte Ziegelsteine“, beschreibt er den Baugrund.

Arbeiten an der Kaimauer

Also brauchte es Sensibilität und Vorsicht, als der Boden für eine Baugrube ausgehoben wurde. Stets mussten die Grubenseiten gesichert, das Grundwasser abgepumpt und gereinigt werden, um es in die Pegnitz zu leiten. Zwölf Meter geht es in die Tiefe, damit unter dem Komplex eine zweigeschossige Parkgarage sowie eine kleine Etage für die Bewirtschaftungsräume des Hotels entstehen können. Die Aufgaben waren ein „Traum für einen Ingenieur“, sagt Fellner lachend.

Im Mai wurde auf der Baustelle Richtfest gefeiert

Deutschland & Welt

Auf Pfeilern, die tief in die Erde reichen, lastet das gesamte Gewicht der Gebäude – das ist bei nahezu allen Häusern in der Innenstadt so. Das musste auch beim neuen Museum so umgesetzt werden. Da die Arbeiten direkt an der Kaimauer zur Pegnitz stattfanden, musste auch der sogenannte Hochwasserriegel verändert werden. „Er ist jetzt innerhalb des Hotels verbaut.“ Die Baustelle war während der Arbeiten an der Kaimauer auf das Hochwasserradar der Stadt Nürnberg geschaltet, damit im Notfall ein Fluten der Baugrube verhindert worden wäre.

Auf der rechten Seite entsteht das Fünf-Sterne-Hotel. Die Aussparung an der Kaimauer ist für eine Treppe gedacht. Hier sollen Besucher im Sommer an der Pegnitz entspannen können.

Undichte Stelle

Vom „spannendsten Augenblick“ während der Arbeiten erzählt Fellner, als das Gebäude schwer genug war, um die Wasserpumpen abzuschalten und die Sicherheitsvorrichtungen abzubauen. Berechnet worden sei dafür der Zeitpunkt, als das dritte Geschoss fertig war. „Ist es zu leicht, drückt das Wasser den Komplex nach oben“, beschreibt er den physikalischen Zusammenhang.

Bei einer Bodenplatte war ein sogenannter Brunnentopf nicht dicht. „Da hatte ich Puls“, sagt er schmunzelnd. „Denn dann tickt die Uhr. Das Grundwasser steigt und steigt. Im schlechtesten Fall werden drei Untergeschosse überflutet.“ Schließlich sei man da zehn Meter unter dem normalen Grundwasserstand gewesen. „Die Baufirma war gut vorbereitet. Spezialquellmörtel, der auch unter Wasser in wenigen Minuten abbindet, war in weiser Voraussicht für die Extremsituation bereits vor Ort.“ Kleinere Leckstellen im Spezialmörtel wurden anschließend mit reichlich Epoxitharz abgedichtet. Die Gefahr war gebannt. Vor einigen Wochen waren Fellners Aufgaben erledigt – er ist begeistert vom Ergebnis. Das neue Museum sei freilich kein historischer Fachwerkbau, sondern passe sich von der Fassade sehr gut der großen Parkgarage am Hauptmarkt nebenan an. „Es ist ein richtiger Hingucker.“

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