23.12.2021 - 15:22 Uhr
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Kurt Landauer: Jude, "bayerisches Urviech" und Präsident des FC Bayern

Vor 60 Jahren verstarb Kurt Landauer. Der bayerische Jude prägte "seinen" FC Bayern München als Präsident wie nur wenige Funktionäre nach ihm. Unter anderem gelang dem FC Bayern unter Landauer der erste Meistertitel.

Kurt Landauer
von Thomas Webel Kontakt Profil

Landauer war 1884 in Planegg bei München als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren worden. Seine Leidenschaft galt schon früh dem Fußball. Ab 1901 - nur ein Jahr nach der Gründung des Vereins - spielte er als Torhüter der Zweiten Mannschaft des FC Bayern München. 1913 wurde er erstmals zum Präsidenten des Vereins gewählt, der bis zu diesem Zeitpunkt weder national noch international für Furore gesorgt hatte.

Landauers Lebensgeschichte steht beispielhaft für die Biografien vieler Deutscher jüdischen Glaubens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wollte - wie so viele seiner Zeitgenossen - anerkannt sein. Für Landauer war es entsprechend selbstverständlich, als deutscher Soldat in den Ersten Weltkrieg zu ziehen. Er wurde zum Leutnant befördert und mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Landauer erneut Präsident seines FC Bayern. Er trieb die Professionalisierung voran und legte sich dafür auch mit dem DFB an. Und er setzte auf Internationalisierung. Wettbewerbe wie die Champions League gab es in dieser Zeit noch nicht. Doch vom 8. Juni 1919 bis 29. Juni 1933 bestritt der FC Bayern 56 internationale Freundschaftsspiele.

Kurt Landauer (links)

1932 erkämpfte sich der FC Bayern München unter Landauer die erste Deutsche Meisterschaft. Doch selbst das bewahrte ihn nicht davor, Ende 1938 nach der Reichspogromnacht verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht zu werden. Nach 30 Tagen voller Prügel und Hunger wurde er entlassen - da er Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg gewesen war. Landauer emigrierte in die Schweiz. Er hätte jeden Grund gehabt, nie wieder einen Fuß nach Deutschland zu setzen. Doch schon 1947 wurde Landauer erneut zum Präsidenten des FC Bayern München gewählt.

Wie Landauer nach dem Zweiten Weltkrieg die Weichen stellte für die Zukunft des FC Bayern München - darüber haben wir im FC-Bayern-Podcast "Weiter, immer weiter" mit Patrik von der Kurt-Landauer-Stiftung gesprochen. Dabei galt es auch zu klären: Warum geriet Landauer über Jahrzehnte in Vergessenheit? Und: Warum endete seine Amtszeit nach dem Zweiten Weltkrieg vorzeitig, obwohl ihm der Verein gerade in dieser Zeit unglaublich viel - unter anderem das Gelände an der Säbener Straße - zu verdanken hatte?

Am 21. Dezember 1961, vor 60 Jahren, starb Kurt Landauer in München. 2013 ernannt ihn der FC Bayern München posthum zum Ehrenpräsidenten.

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