30.07.2018 - 17:15 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Mord am Blauberg

Andreas K. ist auf dem Weg zu seiner kranken Schwester in Amberg. Dort kommt er nie an. Der Luher wird auf dem Weg erschlagen. Die Leiche findet man am 3. August 1855. Der war damals ebenso wie in diesem Jahr ein Freitag.

Arme-Sünder-Karren“ im Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber: In dem offenen Gefährt wurden die Delinquenten – für alle sichtbar - zur Hinrichtungsstätte transportiert.
von Autor SEFProfil

Die 1802 in Waldthurn geborene Zolleinnehmerstochter Katharina R. heiratete 1824 Andreas K., der in Luhe eine Tafernwirtschaft betrieb. Er durfte Getränke und Speisen verkaufen, Fremde beherbergen und Familienfeiern abhalten. Wegen eines Brandunglücks büßte der angesehene Wirt schon 1829 sein Vermögen ein, musste das Anwesen samt Fleischbank verkaufen und sich auf den Garn- und Zwirnhandel verlegen. Katharina betätigte sich als Hebamme. Wohl auch wegen der stetigen Geldknappheit zerwarf sich das Paar immer mehr. Schließlich gingen sie getrennte Wege. Obwohl die Ehe auf dem Papier noch bestand, pflegte die Ex-Gattin Bekanntschaften mit anderen Männern. Als Andreas davon erfuhr, setzte er Anfang 1855 ihre die polizeiliche Rückführung durch.

Der gehörnte Gemahl hatte mit seiner Intervention auf Versöhnung gehofft. Doch Katharinas Abneigung steigerte sich zu abgrundtiefem Hass. Sie wollte ihren Gatten aus dem Weg räumen lassen, damit sie endlich Xaver H. heiraten konnte.

Der 28-jährige vorbestrafte Maurergeselle wohnte ebenfalls in Luhe. Für eine Belohnung von 20 Gulden sollte er das Verbrechen ausführen. Beide warteten bloß noch auf eine günstige Gelegenheit. Sie ergab sich am 30. Juli 1855: Ehemann Andreas äußerte die Absicht, am nächsten Tag seine kranke Schwester in Amberg zu besuchen.

Er ging – lange Fußmärsche waren damals die Regel – auf dem Bistumersteig, einem Teil der Letzauer Hochstraße. Der Altstraßenforscher und ehemalige Bürgermeister von Leuchtenberg Michael Hardt beschreibt den Verlauf der Letzauer Hochstraße von Eger über Letzau und Luhe bis Manching bei Ingolstadt. Der Abschnitt von Schnaittenbach bis Amberg nennt sich laut Hardt Bistumersteig. Die Bezeichnung leitet sich entweder von Grundherrschaften und Lehen des Bistums Bamberg her oder aus dem Wort Bienenstubensteig.

Nachdem Katharina ihren Komplizen informiert hatte, begleitete sie den Gatten bis Neudorf und verabschiedete sich unter heuchlerisch freundlichen Worten von ihm. Ahnungslos schritt Andreas schritt zügig voran, Etwa vier Stunden von Luhe entfernt wird er auf dem Blauberg im Nordosten Ambergs von Xaver H. mit einem armdicken Ast hinterrücks erschlagen und seiner geringen Barschaft beraubt.

Die übel zugerichtete Leiche wurde vier Tage später im Gebüsch entdeckt. Sofort geriet Katharina ins Visier der Gendarmen. Beim Verhör brach sie zusammen und verriet auch ihren Spießgesellen. Zuständig für den Prozess war der Oberpfälzische Schwurgerichtshof in Amberg.

Die öffentliche Sitzung begann am 3. Dezember 1855 im großen Rathaussaal. Die Leitung hatte Dr. Steppes vom königlichen Appellationsgericht. Nach mehreren Verhandlungstagen erkannten die Geschworenen Xaver H. des „qualifizierten Mordes“ und Katharina K. der „mittelbaren Urheberschaft“ schuldig. Beide wurden zum Tod verurteilt, weil sie heimtückisch und aus niederen Motiven gehandelt hatten.

Der Spruch musste dem obersten bayerischen Gerichtshof zur Prüfung vorgelegt werden. Das Gremium erkannte weder im Verfahren noch im Strafmaß einen Revisionsgrund. König Maximilian II. lehnte am 24. Januar 1856 als letzte Instanz eine Begnadigung ab. Dafür sehe er keinen hinreichenden Anlass.

Nach einer missglückten Hinrichtung durch das Schwert in München wurde seit 1854 im gesamten Königreich Bayern - gemäß dem französischem und pfälzischem Vorbild - eine Enthauptung durch das Fallschwert, die Guillotine vollzogen. Am Montag, 4. Februar 1856, schlug für Katharina K. und Xaver H. die letzte Stunde. Nach der Vorbereitung durch den Gefängnispfarrer verkündete morgens um 7.30 Uhr Exekutionsaktuar Lehner nochmals das Urteil, worauf Kreisgerichtsrat Gürster den sprichwörtlichen Stab brach. Der Zug mit den Delinquenten, die in verschiedenen „Arme-Sünder-Karren“ saßen, setzte sich unter Eskorte der Kavallerie in Bewegung.

Auf dem Galgenberg stand bereits das Schafott, umringt von einer großen Menge an Gaffern. Auf ein Zeichen des Staatsanwalts verbanden die Henkergesellen den Todeskandidaten die Augen, führten sie auf das Blutgerüst und schnallten sie nacheinander auf das Kippbrett. Die Vollstreckung durch Lorenz Schellerer aus Würzburg ging schnell. Erst fiel das Haupt von Katharina K. Wenige Minuten später war auch Xaver H. exekutiert. Nachdem die Köpfe und bekleideten Leichname vor den Augen der Zuschauer in Särge gebettet worden waren, schloss man mit zwei laut gebeteten Vaterunsern den Sühneakt.

1863 wurde ein Raubmörder im ummauerten Hof des Amberger Landgerichtsgefängnisses vom Leben zum Tod befördert. Dies war die erste Hinrichtung in Bayern, die in einem geschlossenen Raum vollzogen wurde. Damit endete der abstoßende Voyeurismus.

(Die Nachnamen von Tätern und Opfern sind mit Rücksicht auf mögliche Nachfahren nicht genannt.)

Erinnerungsmarterl:

An das grausame Geschehen am Blauberg 1855 erinnert noch heute ein Flurdenkmal aus Granit. Damit möglichst viele Passanten ein Gebet für die unvorbereitet aus dem Leben gerissene Arme Seele verrichteten, rückte man die „Schwarze Marter“ an die Kreuzung des Bistumersteigs mit dem Pursrucker-Steinloher Weg. Sie wird von einem Aufsatz mit Kreuzdach bekrönt, in den ein Bild eingelassen ist. Es zeigt unter einer Gloriole aus Rosen den heiligen Martin, wie er seinen Offiziersmantel mit einem Bettler teilt. Er ist der Patron der Pfarrkirche im Markt Luhe, aus dem das Mordopfer stammt. (sef)

Quelle:

Dem Amberger Tagblatt vom 4. Februar 1856 sind die Details des Mordes, des Verhörs und der Hinrichtung entnommen. (sef)

Lageplan der Hinrichtungsstätte in Amberg: Der Galgenberg lag üblicherweise außerhalb der Stadt.

Flurdenkmal am Blauberg: Es wurde in der Nähe des Tatorts an einer Wegkreuzung errichtet und mit einem Martinsbild geschmückt.

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