22.06.2020 - 15:14 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Neun Zwerge im barocken Luhe

Ein Spaziergang über den historischen Marktplatz von Luhe, kann vor allem für auswärtige Besucher zur Erlebnistour werden. Dazu tragen Gedenktafeln, eine Strahlenkranzmadonna sowie seit kurzem Bronze-Zwerge nach Breslauer Vorbild bei.

An der Bushaltestelle am Luher Marktplatz steht dieser selbstbewusste Bronzezwerg mit Schreibfeder und Schultasche.
von Redaktion ONETZProfil

Der Steinbildhauer Ryszard Zarycki aus Breslau hat in den letzten Jahren bereits zwei Kunstwerke für die Marktgemeinde Luhe-Wildenau geschaffen: Eine neubarocke Strahlenkranzmadonna und ein Kalksandsteinrelief, das an den Großbrand in Luhe vor 90 Jahren erinnert.

 Der Künstler stammt aus der Nähe der Stadt Zakopane in der polnischen Tatra. Er hat seine Werkstätte direkt am Güterbahnhof im Stadtteil Brochów in Breslau. Bekannt geworden ist er vor allem durch Werke wie die Bronzegruppe der Jagdgöttin Diana im Scheitniger Park (Park Szczytnicki) oder durch die Säulenmadonna in der jetzt griechisch-orthodoxen Basilika St. Vinzenz in Breslau. Eines seiner herausragenden Werke ist die überlebensgroße Steinfigur des Preußenkönigs Friedrich II. in Potsdam. Und nun hat Zarycki seine künstlerischen Spuren auch in der Oberpfalz hinterlassen. 

Das Hauptwerk in Luhe ist die neubarocke Strahlenkranzmadonna auf dem Marktplatz aus schlesischem Kalksandstein. Sie ist etwa 1,60 Meter hoch und steht auf einer Wolke. Der vergoldete Strahlenkranz wurde nicht vom Künstler selbst, sondern vor Ort angefertigt. Der Sockelstein stammt aus dem niederschlesischen Striegau (Strzegom). Er ist etwa 2,60 Meter hoch mit Fußstein und Kapitel und trägt das Wappen der Hauptsponsorenfamilie Albert Gewargis. Finanziert wurden Sockel und Madonna vor allem durch zahlreiche Spenden zum 60. Geburtstag des langjährigen Bürgermeisters Karl-Heinz Preißer.  

Transportiert wurden alle Teile von Schlesien nach Luhe mit einem Autogespann. Der Luher Steinmetzmeister Werner Fleischer begleitete die Arbeiten und sorgte für eine fachgerechte Montage am Ziel. Fleischer ist in Grünhartau (Zielenice) in der Nähe von Strehlen (Strzelin) geboren.  

Die ersten Kontakte zwischen Bildhauer Zarycki und der Marktgemeinde hatte Preißer in Fischbach (Karpniki) geknüpft. Hier steht ebenfalls eine Steinfigur des Breslauer Künstlers im Rosarium des dortigen Eichenschlosses (Pałac Dębowy).

Der Breslauer Künstler war aber auch anderweitig für Luhe tätig. Neun Bronze-Zwerge – in Breslau sind geschätzt über 600 aufgestellt als Zeichen des politischen Widerstandes gegen den Kommunismus – hat er für Luhe gefertigt. Die meisten tummeln sich im Bereich des Marktplatzes und alle bringen durch ihre Gestaltung den Betrachter zum Schmunzeln.

Verstecke:

Neun Zwerge erinnern zum Teil an ihre Spender

Die neun Zwerge stehen bis auf ein paar wenige im Ortszentrum von Luhe. Der erste als Bürgermeister mit Amtskette und Luher Wappen befindet sich vor dem Alten Rathaus, der zweite mit einer Gans im Arm direkt am Gänselieslbrunnen, den Werner Fleischer geschaffen hat. Eine dritte Skulptur, der Zoiglzwerg, steht vor den angrenzenden Gaststätten. Der vierte mit Schreibfeder und Schultasche unter dem Arm findet sich an der Bushaltestelle. Zwerg Nummer fünf hält als Doktor vor dem Wohn- und Geschäftshaus der Familie Albert Gewargis auf dem Marktplatz Stellung und erinnert an den Beruf des Eigentümers, der den Zwerg auch gestiftet hat. Hinterlistig versteckt er hinter seinem Rücken eine große Spritze.

Zwerg sechs muss man schon suchen. Er ist eine Straßenlaterne hochgeklettert und hält Ausschau auf den Marktplatz in Richtung Süden. Das Bayernwerk war so angetan von dem Männlein an der Laterne, dass die Verantwortlichen ein Bild davon in ihrer Firmenzeitung veröffentlichen wollen. Der siebte Zwerg, auf einem Hausdach sitzend, verweilt gemütlich auf dem neuen Brückengeländer über die Luhe und schaut in Richtung Markt. Er leistet dem von Fleischer geschaffenen Stein-Nepomuk gegenüber Gesellschaft. Luher nennen das Zwerglein bereits das „Bruckmandl“. An der Martins-Apotheke ist ein weiterer Wichtel zu finden, mit Apotheker-Stößel ausgestattet. Und schließlich ziert noch ein Zwerg, ebenfalls als Doktor, das Privatanwesen der Familie Gewargis. Zwei Zwergen-Zugänge sind Nachzügler: Ein „Schlauchzwerg“ für das Feuerwehrhaus und einen für den Pranger, der einen Gefangenen in der „Geige“ darstellen soll. Ideengeber für die Luher Zwergenkultur war LuhKulTour. (mh)

Viele Arbeiten von Ryszard Zarycki finden sich in Luhe.
Als wollte er noch eine Gans zum Gänselieselbrunnen bringen, läuft der Zwerg am Wasserspender vorbei.
Die Strahlenmadonna auf dem Luher Marktplatz stammt von dem Breslauer Bildhauer Ryszard Zarycki.
Von einer Straßenlampe schaut ein Bronzezwerg auf den Marktplatz von Luhe.
Bronzezwerge bevölkern Luhe und erinnern zum Teil an ihre Spender wie diese Figur mit Stethoskop und Spritze.
Etwas abseits vom Marktplatz sitzt dieser Brückenzwerg.

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