Felsen bei Kastl gesichert

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Zuerst kam Corona, dann ein Falkenpärchen: Beides hat die Felssicherung bei Kastl und Pfaffenhofen etwas verzögert. Jetzt ist sie fertig. Fast. Erst dürfen die Vögel brüten.

Mit Stahlankern und Netzen haben die Experten die Felsformationen bei Kastl und Pfaffenhofen gesichert. So soll verhindert werden, dass Steine auf die darunter liegende Straße fallen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Vor zwei Jahren musste hier sogar schon ein Sprengkommando ran: Bewuchs und Verwitterungsprozesse sind die Ursache dafür, dass im Bereich der Bundesstraße 299 und der Staatsstraße 2235 bei Kastl und Pfaffenhofen im Februar erneut Maßnahmen zur Felssicherung nötig geworden sind. Diese sind inzwischen weitgehend abgeschlossen, wie Stefan Noll vom zuständigen Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach mitteilt.

Felssprengung in Kastl

Corona bremst Experten aus

Dass man dem Zeitplan ein bisschen hinterher hinkt, liegt an zwei Überraschungen. Die erste hat mit der Coronapandemie zu tun: Wegen der Ausgangsbeschränkungen wurden die mit der Felssicherung beauftragen Experten aus Österreich vorübergehend "ausgebremst" - sie mussten rund vier Wochen pausieren. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die echten Problemstellen schon beseitigt, wie Stefan Noll berichtet: "Da war schon alles so weit gesichert, dass keine akute Gefahr mehr bestand."

Auch am Fuß der steilen Felshänge wurden Sicherungen eingezogen: Hier halten jetzt Zäune abrutschendes Material von der Straße fern.

Die Corona-Zwangspause ist inzwischen vorüber, meldet Noll: "Nachdem die hier tätigen österreichischen Fachkräfte zwischenzeitlich wieder einreisen konnten, war es möglich, die Felssicherungsmaßnahmen an der B 299 bei Kastl und bei Pfaffenhofen als auch an der St 2235 östlich von Kastl Ende vergangener Woche abzuschließen."

Nochmal Pause bis zum Herbst

Eine kleine Einschränkung schiebt er hinterher: "Im Umgriff des Lauterachfelsens wurden die Arbeiten bis zum Herbst ausgesetzt." Das liegt diesmal nicht am Coronavirus, sondern hat andere Ursachen: Naturparkranger haben laut Noll festgestellt, dass in diesem Bereich ein Wanderfalkenpärchen brütet. Diese Tiere seien "sehr störempflindlich", sagt Noll, weshalb man mit Rücksicht auf die Brut den Vögeln Ruhe gönnt.

In dem Bereich, in dem sie sich zur Nachwuchs-Aufzucht niedergelassen haben, müsse dem Fels noch "eine Halskrause aus Spritzbeton" verpasst werden, außerdem müssten auch noch einige Sicherungsanker gesetzt werden. Das sei "sehr laut und auch staubig", weshalb diese Rest-Arbeiten nun auf den Herbst verschoben wurden. An den Hängen oberhalb der Bundes- und der Staatsstraße bestand nach Auskunft des Staatlichen Bauamts Felssturzgefahr. Deshalb wurden im Februar Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Dazu gehörten laut Stefan Noll "insbesondere Felsberäumungen", bei denen lockere oder gefährliche Gesteinsstücke entfernt wurden.

Störenden Bewuchs entfernt

Die Experten haben außerdem störenden Bewuchs beseitigt. Fels-Teile, die herunterfallen könnten, wurden mit Stahlankern, Netzen und kleineren Fangzäunen gesichert. Bei den Arbeiten hätten die Experten aus Österreich noch zusätzliche Problemstellen entdeckt, die ebenfalls mit gesichert wurden. Hier seien echte Fachleute aus dem alpinen Bereich tätig, "die haben einen Blick für sowas". Sie seien auch entsprechend sensibilisiert für die in diesem Bereich teilweise sehr sensiblen oder auch besonders wertvollen landschaftlichen Gegebenheiten, wie Noll anmerkt.

Die Kosten für das gesamte Projekt beziffert Stefan Noll mit rund 400 000 Euro. Die Arbeiten seien "unter weitgehender Aufrechterhaltung des Verkehrs" möglich gewesen, bilanziert er. Sofern es nötig wurde, wurden Fahrzeuge wechselnd über eine Spur an der Baustelle vorbei gelotst, während die andere Fahrbahnhälfte gesperrt war.

Hintergrund:

Besonderheiten am Jura-Felsen

Wertvolle Trockenhänge

Sprengen mussten die Experten bei der Felssicherung diesmal nicht. Aber sie haben unter anderem Bewuchs von den Hängen entfernt: Die Landschaft hier sei auch deshalb so wertvoll, weil durch die einst starke Beweidung einzigartige Trockenhänge entstanden sind, wie Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt erklärt. Deshalb seien sogar die Fachleute aus den Reihen des Naturschutzes froh, dass hier Kiefern und Fichten entfernt wurden: Dadurch habe man „die Trockenhänge wieder zu Trockenhängen gemacht: Das ist ja das, was diese Landschaft so wertvoll macht“. Das Lauterachtal sei teilweise „so mediterran, dass es hier seltene Eichen-Unterarten gibt, die in der rauen Oberpfalz eigentlich nicht vorkommen“. Solche Besonderheiten habe man natürlich bewahrt.

Der Wanderfalke

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte den Wanderfalken 1971 zum ersten "Vogel des Jahres" ausgerufen. Damals sei es "für diese Art buchstäblich fünf vor zwölf" gewesen, teilt der Verband auf seiner Internetseite mit. Seitdem seien aber "konsequente Schutzmaßnahmen sehr erfolgreich gewesen". Diese Art sei in Mitteleuropa heute wieder in fast allen Ländern zu finden, mit 11000 bis 15000 Brutpaaren und Schwerpunkten in Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien, Grönland und der Türkei. "Deutschland brüten heute wieder mehr als 600 Paare." Außerhalb der Brutzeit ist der Wanderfalke laut Nabu "in fast allen Landschaftsformen zu finden, vorzugsweise jedoch über offenem Gelände und an Gewässern mit reichem Vogelleben. Zum Brüten ist er auf steile Felswände, Steinbrüche oder hohe Gebäude angewiesen. Auch Baum- und Bodenbrüter-Populationen sind nachgewiesen. In jedem Fall muss ein freier Anflug des Brutplatzes gewährleistet sein."

Witterungsanfälliger Kalkstein

Der Jura-Kalkstein im Bereich von Kastl/Pfaffenhofen ist nach den Worten von Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt „sehr witterungsanfällig“. Vor allem der in unseren Breiten „häufige Frost-Tau-Wechsel“ beschleunige diesen Prozess noch. Noll sieht darin durchaus auch Folgen des Klimawandels. Wie lange die jetzt getroffenen Maßnahmen ausreichen, kann Noll nicht sagen: „So lang, bis wieder neue Gefahren entstehen.“ Straßenwärter haben die Straßen, für die das Bauamt zuständig ist, bei regelmäßigen Kontrollfahrten im Blick. „Die kennen ihre Strecken“ und könnten Indizien wie schräg stehende Bäume oder Steine auf der Fahrbahn entsprechend deuten – Noll spricht hier von „stummen Zeugen“, die zeigen, wann man eingreifen muss.

Felssicherung bei Kastl beginnt

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

Experten aus Österreich sichern Kastler Fels

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach
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