18.04.2021 - 11:06 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Kein Abschalten in Corona-Zeiten: Die Hallen sind leer, die Köpfe voll

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Die Menschen brauchen einen Ausgleich zum Stress, der durch Homeschooling und Homeoffice entsteht. Doch Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, dabei könnte man sie für Familien öffnen, meinen auch die Betreiber.

Die Marktredwitzer Lasergame-Arena ist wegen der Pandemie schon länger geschlossen, als sie je geöffnet war.
von DTRProfil

Viele Familien sind seit gut einem Jahr im Homeoffice und beim Homeschooling in den eigenen vier Wänden gefangen. Ein Urlaub oder ein Ausgleich mit den Kindern war und ist in Zeiten der Pandemie nur schwierig umzusetzen. Selbst ein Ausgleich in der Region ist nur schwer zu finden. Schwimmbäder und Thermen sind seit Monaten geschlossen. Wenn es die Inzidenz und die ständig wechselnden Regeln erlaubten, waren die Schlangen an den Eingängen der Vergnügungseinrichtungen lang. Sogar einige Spielplätze wurden dicht gemacht, oder es herrscht Maskenpflicht.

Ein paar schöne Stunden

Vielen Familien fällt aber langsam die Decke auf den Kopf. Dass ein paar schöne Stunden im Kreise der Familie – eine Flucht aus den eigenen vier Wänden – möglich sind, zeigen verschiedene Angebote in ganz Deutschland. Dort haben Eltern mit ihren Kindern die Möglichkeit, komplette Freizeiteinrichtungen für sich ganz alleine zu mieten. So wie überall in Bayern müssen auch im Fichtelgebirge alle Sport- und Freizeitanlagen leer stehen, sodass die Eltern und ihre Kinder dort keine schönen Stunden genießen können. Die Nachfrage, diese Freizeiteinrichtungen mieten zu können, ist aber riesig.

Dem Geschäftsführer der Bowlingwelt Marktredwitz, René Lahm, fehlt momentan die Rechtssicherheit. Er würde seine Anlage zwar gerne für die Kunden öffnen, ihm sind aber die Hände gebunden. An Nachfragen fehle es nicht. „Sicher haben viele Menschen aus der Region das Bedürfnis, endlich mal wieder eine Runde Bowling zu spielen, die Corona-Regeln erlauben es aber einfach nicht.“

Runterfahren

Auch Matthias Lutz von der Lasergame-Arena "Action Zone" in Marktredwitz sehnt eine Öffnung herbei: „Im August 2019 haben wir die Halle eröffnet. Wegen Corona haben wir aber mittlerweile länger geschlossen als offen.“ Eigentlich würden sich auf dem Spielfeld 16 Personen tummeln. „Natürlich ist dies in Zeiten der Pandemie nicht möglich. Aber auch im Kreise der Familie könnte man beim Lasergame viel Freude haben.“ Die Menschen kämen wenigstens mal raus und würden den Kopf freibekommen, ein bisschen runterfahren und familiäre Reibereien spielerisch abbauen.

„Personen wohnen in einem Haushalt häufig auf engstem Raum zusammen. Hier bei uns könnten sich die Familien auf 600 Quadratmetern austoben.“

Matthias Lutz von der Lasergame-Arena "Action Zone" in Marktredwitz

„Personen wohnen in einem Haushalt häufig auf engstem Raum zusammen. Hier bei uns könnten sich die Familien auf 600 Quadratmetern austoben.“ Gerade wenn das Wetter nicht mitspielt, fehlten den Eltern und Kindern nach Homeoffice und Homeschooling die Bewegung und der Spaß. „Zudem fallen bei uns natürlich in jedem Monat aufs Neue die Betriebskosten an.“ Einnahmen gebe es jedoch keine, und staatliche Hilfen habe er seit Jahresbeginn nicht bekommen. „Würde ich nicht ständig Geld in die Arena stecken, wäre das Projekt schon längst am Boden.“

Ständiges Regel-Hin-und-Her

Im Soibelmanns Hotel in Bad Alexandersbad stehen für die Bevölkerung ein großer Tennisplatz und ein Hallenbad zur Verfügung. „Es kamen und kommen immer wieder Nachfragen, ob man unsere Anlagen vielleicht mieten könne. Wir müssen die Menschen aber leider enttäuschen“, bedauert Hotelmanager Georgios Karakasis. Das ständige Regel-Hin-und-Her sei für die Betreiber und Gäste gleichermaßen schwierig. „Das liegt aber schlussendlich am schlechten Management der Politik. Wir baden die Versäumnisse der Regierung aus.“ Wenn eine Vermietung an Familien geregelt wäre, müsste er zwar die Kosten kalkulieren, aber schon jetzt sei die Entscheidung sicher: „Wir würden es der Bevölkerung natürlich anbieten, bei uns ein paar schöne Stunden zu verbringen.“ Eine neue Technikanlage sei im Hallenbad installiert, und selbst das Wasser sei schon für die Gäste eingelassen.

Die Halle des Tennisvereins in Selb ist auch seit November geschlossen. „Trotz der Größe des Platzes, der Hygienemaßnahmen und einer notwendigen Vorabregistrierung können wir nicht öffnen“, erklärt der Vorsitzende Andreas Erhard. Viele Leute hätten schon beim Verein angefragt. Man merke, dass die Menschen wieder raus wollen. Eltern würden auch gerne mit ihren Kindern Tennis spielen. Erhard hofft, dass ab Mai wenigstens auf den Außenanlagen gespielt werden kann. „Sicher gibt es bei den Vereinen, egal welcher Sportart, eine riesige Nachfrage. Den Menschen fehlt einfach die Bewegung.“

Defizite beim Schwimmen

Beim Thema Schwimmsport hat der Vizepräsident des bayerischen Schwimmverbandes, Wilfried Fuchs, noch zusätzliche Sorgen: „Kinder können seit über einem Jahr nicht mehr richtig schwimmen lernen.“ Der Tod durch Ertrinken sei bei den Jugendlichen schon seit Jahren überdurchschnittlich häufig. „Die Zahlen werden wegen der fehlenden Übung voraussichtlich steigen.“ Außerdem bräuchten auch die Retter der Wasserwacht und DLRG wieder mehr Training. „Wir haben die Regierung und sogar die Bundeskanzlerin angeschrieben. Aber wenn die Politik nicht reagiert, können wir leider nichts machen“, stellt Fuchs klar. In Bayern hätten ja nicht einmal die Betreiber der Skilifte ihre Anlagen vermieten dürfen – in anderen Bundesländern wäre dies gang und gebe gewesen. Gerade für kleine Bäder in Hotels und Schulen sei eine Vermietung eine gute Lösung. „Da muss der Sachaufwandsträger aber zustimmen.“

„Wir können natürlich nachvollziehen, dass sich die Menschen nach Bewegung und Abwechslung sehnen“, heißt es aus dem Landratsamt Wunsiedel. „Aber leider sehen die derzeit geltenden Regelungen eine Öffnung von Bädern oder Wellnesseinrichtungen für Privatpersonen oder Familien nicht vor.“ Man müsse sich an der geltenden zwölften Infektionsschutzmaßnahmenverordnung orientieren.

Bäder mieten

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die Lage anders. Zwar ist auch hier wegen der Corona-Maßnahmen ein Besuch im Schwimmbad seit Monaten nicht möglich, in manchen Bädern können sich aber Privatpersonen einmieten. Der SWR berichtete am 6. April von einem „leisen Plätschern“ in einem Hallenbad. In Waldenbuch im Kreis Böblingen habe man eine Idee gehabt. Die Stadt habe ihr Bad während der Osterferien an Familien vermietet. Die Idee sei gut angenommen worden. Das Hallenbad der Stadt war bis zum Ende der Ferien komplett ausgebucht. 150 Euro Miete für 90 Minuten Badespaß sind zwar gewiss kein Pappenstiel, aber für den lang ersehnten Ausgleich lohnenswert.

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Auch in der Bowlingwelt Marktredwitz dürfen sich Familien nicht austoben.

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