07.05.2020 - 10:02 Uhr
Oberpfalz

Mehr Worte für das Glück

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"Tarab" nennen Araber durch Musik ausgelöstes Entzücken. Es gibt so viele Arten von Glücksgefühlen, die ein eigenes Wort verdient hätten. Vielleicht sollten wir anfangen, unsere eigenen Glücksvokabeln zu erfinden, meint die OWZ-Glücksexpertin.

Jede Kultur kennt Begriffe für Glück und positive Gefühle, die es nur in ihrer Sprache gibt.
von Autor EWAProfil

Kürzlich ist es mir nach Jahren wieder einmal passiert: Mit dem letzten Tropfen Benzin habe ich es gerade noch so bis zur Zapfsäule geschafft. Wenn Ihnen Ihre Tankanzeige auch schon einmal mitgeteilt hat, dass Sie in null Kilometern tanken müssen, Sie sich aber immer noch auf der Autobahn befanden, wissen Sie wahrscheinlich ganz genau, welches Gefühl ich meine.

Dieses Gefühl von grenzenloser Erleichterung, das einen überfällt, wenn die bange Frage "Schaffe ich es noch?" mit einem freudigen "Ja" beantwortet werden kann und die ganze Anspannung der letzten Kilometer Fahrt von einem abfällt. Warum gibt es eigentlich kein eigenes Wort dafür?

Oder für das Glücksgefühl, das einen überfällt, wenn man am Freitag die Bürotür schließt und ein freies Wochenende vor einem liegt? Genauso fehlt eine Vokabel für die Freude, die wir empfinden, wenn wir einen alten Freund nach langen Jahren zum ersten Mal wiedersehen und feststellen, dass die alte Vertrautheit immer noch da ist und sich alles anfühlt wie früher.

Oder das herrliche Gefühl, das sich ausbreitet, wenn wir beim Aufwachen erkennen, dass wir heute nicht aufstehen müssen und so lange im Bett liegen bleiben können, wie wir wollen. Tatsächlich gibt es so viele verschiedene Arten von Glücksgefühlen, die eigentlich ein eigenes Wort verdient hätten.

Jede Kultur kennt Begriffe für positive Gefühle, die es nur in ihrer Sprache gibt. "Tarab" nennen die Araber zum Beispiel das durch Musik ausgelöste Entzücken. Die Norweger sprechen von "Forelsket" und meinen damit das euphorische Gefühl, das auftritt, wenn wir uns verlieben. Und als "Jayus" wird im Indonesischen ein Witz bezeichnet, der so unlustig ist, dass man nicht anders kann, als zu lachen.

Seit 2015 ist der britische Psychologe Tim Lomas damit beschäftigt, in seinem "Positive Lexicography Project" unübersetzbare Glücksvokabeln aus alle Sprachen der Welt zusammenzutragen. Er sagt: "Menschen können sich selbst viel besser verstehen, wenn sie wissen, wie sie ihre Gefühle beschreiben können."

In seiner Sammlung findet sich dann etwa auch der afrikanische Begriff "Mbuki-mvuki", der das Gefühl beschreibt, dass man am liebsten seine Kleider ausziehen und tanzen sollte. Oder das japanische Wort "Wabi-sabi", das schwer zu übersetzen ist und für unvollkommene Schönheit steht. "Es regt einen an, die Welt anders zu sehen - und auch uns selbst, mit allen unseren Fehlern und Makeln", erklärt der Experte der Positiven Psychologie. Auch aus dem Deutschen hat er viele Begriffe in seinem Glückslexikon aufgenommen: das Wort "Feierabend" zum Beispiel, die Begriffe "Freudentaumel", "Geborgenheit", "Heimat" oder "Zweisamkeit".

Spüren Sie es auch? Diese Vokabeln lösen doch schon beim Lesen ein warmes Gefühl in uns aus. Und trotzdem gibt es immer noch so viele Begriffe, die es nicht gibt. Eine Bezeichnung für das Gefühl etwa, das einen überfällt, wenn ein Hund seinen Kopf auf unsere Knie legt, um gestreichelt zu werden.

Oder für das Glücksempfinden, das wir spüren, wenn uns der Duft von köstlichem Essen oder frischem Kaffee in die Nase steigt. Oder das herrliche Gefühl, wenn nach einem heftigen Regen wieder die Sonne scheint und vor uns ein bunter Regenbogen auftaucht.

Vielleicht sollten wir auch einfach unsere eigenen Glücksvokabeln erfinden, was halten Sie davon? Fangen Sie am besten heute noch damit an und erstellen Sie Ihr ganz persönliches Glücks-Glossar.

Mehr Rezepte zum Glück: www.onetz.de/themen/gluecksrezept

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