06.07.2020 - 13:03 Uhr
MitterteichOberpfalz

Geldstrafen nach illegalem Autorennen

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Eine Frau und zwei Männer lieferten sich im Juni vergangenen Jahres ein Rennen auf der A 93. Jetzt müssen sie zahlen. Gut für sie, dass nichts passiert ist.

Eine junge Frau und zwei junge Männer lieferten sich am 1. Juni 2019 zwischen Marktredwitz und Mitterteich ein Rennen. Nun gab es dafür vor Gericht die Quittung.
von FPHSProfil

Wegen eines illegalen Rennens auf der A 93 haben sich eine Frau und zwei Männer vor dem Jugendschöffengericht in Hof verantworten müssen. Die jungen Leute - sie stammen aus den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth - kamen mit Geldstrafen davon.

Die Zahl illegaler Autorennen in Bayern hat zugenommen:

Regensburg

Es war am 1. Juni des vergangenen Jahres, als sich die 21 Jahre alte Frau und die zwei Männer, 22 und 19 Jahre alt, in Marktredwitz trafen. Sie kannten sich nur flüchtig. Die beiden Männer standen auf einem Parkdeck in der Wölsauer Straße in Marktredwitz und bastelten an ihren schnellen Golfs herum, als die Frau mit einem Opel Astra mit quietschenden Reifen in den Parkplatz einbog. Das scheint die beiden Männer inspiriert zu haben. Es folgte ein Smalltalk durch die geöffneten Autofenster. Als die Autos nahe beieinander standen, meinte einer der Fahrer, das mit den quietschenden Reifen könne er viel besser.

Hohes Tempo trotz Baustelle

Wer nun wen zu einer gemeinsamen Wettfahrt nach Mitterteich eingeladen hat, konnte aufgrund der unterschiedlichen Aussagen vor Gericht nicht eindeutig geklärt werden. Fakt ist, dass die drei, und mit ihnen mehrere Beifahrer, in die Wölsauer Straße einfuhren, in Richtung Kreisverkehr beschleunigten und auf die A 93 einbogen. Eigentlich, so steht es in der Anklageschrift, fuhr einer der Männer als erster in die A 93 ein. Dort war gerade eine Baustelle und der Verkehr auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt. Was die junge Frau nicht hinderte, in dem Opel Astra eines Bekannten aufs Gaspedal zu drücken und die beiden vor ihnen fahrenden Männer mit hoher Geschwindigkeit zu überholen. Diese blieben zunächst zurück.

Bei Pechbrunn, als die Baustelle zu Ende war, gaben auch die beiden schließlich Gas. Mit knapp 200 Stundenkilometern ging es dann in Richtung Mitterteich, das ergaben Zeugenaussagen bei der Polizei. Doch damit nicht genug: Um die beiden schnelleren Golfs am Überholen zu hindern, soll die Opelfahrerin beide Fahrbahnen ausgenutzt haben, mal links und mal rechts gefahren sein.

Schäden durch Steine

Kurz vor Mitterteich setzten sich die PS-stärkeren Golfs durch und überholten sie. Am McDonald's-Restaurant belohnten sie sich erst einmal mit einem Eis für die aufregende Fahrt. Dann trennten sie sich. Die Männer machten noch kurz in einer Waschanlage in Marktredwitz Halt. Während der Wettfahrt auf der Autobahn hatten sie gehört, dass kleine Steinchen gegen die Autos geprallt waren. Einer der beiden will gesehen haben, wie etwas aus einem Rückfenster des Opels geworfen worden war. Die Schäden an den beiden fast neuen VW Golf betrugen laut einer Fachwerkstatt mehrere tausend Euro. Nun war für die beiden Schluss mit lustig. Sie erstatteten Anzeige gegen die Mitangeklagte.

Verdacht nicht bestätigt

Alle drei Beteiligten wurden von der Polizei zur Vernehmung eingeladen, und der Stein kam ins Rollen. Ob es nun aber tatsächlich ein schlechter Scherz war oder ob die Steinchen von der Autobahnbaustelle stammten, konnte bei der Verhandlung nicht mehr geklärt werden. Hätte sich der Verdacht bestätigt, wäre die Verursacherin zusätzlich wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt worden.

Verhandelt wurde die Sache nicht in Wunsiedel, sondern in Hof. In Corona-Zeiten genügen die Sitzungssäle in Wunsiedel den Sicherheitsanforderungen für drei Angeklagte, jeweils mit ihren Rechtsbeiständen, nicht, weshalb das Jugendschöffengericht in den Schwurgerichtssaal in Hof auswich.

Die 21-jährige Opelfahrerin zeigte sich vor Gericht zerknirscht. Es sei nicht ihr Tag gewesen, sagte sie unter Tränen. Zuerst hatte sie Zoff mit dem Ex, dann wurde auch noch ihr Auto bei einem Unfall beschädigt. Ein Vertreter des Wunsiedler Jugendamtes meinte, sie könne auch nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Hier ein Artikel zu einem tödlichen Raserunfall in Selb:

Hof an der Saale

"Wenn ich mitmache, bin ich auch dran," meinte der Staatsanwalt nach den sich teils widersprechenden Angaben der Angeklagten. Er forderte eine Geldstrafe von 1200 Euro für die Frau sowie weitere vier Monate Führerscheinentzug. 3000 Euro und fünf Monate Führerscheinentzug hielt er bei dem 19-Jährigen für angemessen. Für den 22-Jährigen plädierte der Staatsanwalt auf eine Geldstrafe von 2700 Euro. Auch er solle weitere fünf Monate zu Fuß gehen. Die Führerscheine des Trios waren bereits im Dezember 2019 eingezogen worden. Zusätzlich sollten die Fahrzeuge der beiden Männer als "Tatwerkzeuge" eingezogen werden, was der neue Parafgraf 315 Strafgesetzbuch ermöglicht. Die Rechtsanwälte der beiden Männer plädierten teils auf Freispruch wegen geringer Schuld beziehungsweise für eine geringere Strafe.

Verbotene Wettfahrt

Der Schöffenrichter verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 1375 Euro. Die beiden Mitangeklagten müssen 2000 und 2250 Euro bezahlen. Ihre Autos dürfen sie behalten. Allerdings müssen sie alle vier Monate warten, bis sie sich wieder ans Steuer setzen dürfen. Dass es sich dabei um eine verbotene Wettfahrt gehandelt hatte, das habe die Beweisaufnahme bestätigt, sagte der Richter. Die drei hätten nur Glück gehabt, dass dabei nichts passiert sei.

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