06.09.2020 - 12:26 Uhr
MitterteichOberpfalz

Auf den Spuren der einstigen Tuchmacher von Mitterteich

Wer weiß heute noch, dass es in Mitterteich einst eine Reihe von Familien gab, die über Generationen hinweg feine Tuche herstellten? Eine aktuelle Forschungsarbeit beleuchtet Aufstieg und Niedergang dieser Zunft.

Herbert Hackbarth (rechts) überreichte ein druckfrisches Exemplar seiner Forschungsarbeit über die einstigen Mitterteicher Tuchmacher an Alfred Mehler. Der Tuchmacher-Spezialist aus Tirschenreuth hatte bei der Klärung von Fachbegriffen entscheidend weitergeholfen.
von Externer BeitragProfil

Die neue Ausgabe der Veröffentlichung der Familienforscher im Stiftland (GFO) erforscht die Zunft der Tuchmacher in Mitterteich. Herbert Hackbarth veröffentlichte einen Aufsatz über den Aufstieg und den Niedergang der Tuchmacherzunft in der Zeit von 1626 bis 1843. Außerdem werden die bekanntesten Mitterteicher Tuchmacherfamilien Rüth, Dörtsch, Höcht, Held, Haubner und Lohr vorgestellt, die über mehrere Generationen in diesem Gewerbe tätig waren. Am Beispiel des Joseph Lohr werden die Schwierigkeiten gezeigt, die ein Geselle bei der Niederlassung, der so genannten Ansässigmachung, überwinden musste.

Zunftbuch verschollen

Das Zunftbuch der Tuchmacher von Mitterteich ist heute verschollen, in einer Beilage zur Grenzzeitung 1931 wurde es jedoch ausführlich beschrieben. Somit kann man heute noch einen Einblick gewinnen in das Zunftleben. Auch die wirtschaftlichen Probleme beim Niedergang werden an konkreten Familien aufgezeigt.

Dank an Alfred Mehler

Die Tuchmacher stellten die feineren Tuche her und unterschieden sich so von den Zeugmachern, die Stoffe von geringerer Qualität für die einfachen Leute herstellten. Zahlreiche Fachbegriffe wie Vordratt, Macheyer oder Grobgrien konnten nur mit Hilfe des Tuchmacher-Spezialisten Alfred Mehler aus Tirschenreuth geklärt werden. Deshalb überreichte Herbert Hackbarth eines der ersten druckfrischen Exemplare mit einem Dank für die Begriffsklärungen an ihn.

Strikte Regeln

Im Besitz von Max Bleistein befand sich die Zunftordnung der Mitterteicher Zeugmacher. Monika Beer-Helm und Herbert Hackbarth transkribierten diese zwölfseitige Urkunde und konnten damit zeigen, bis in welche Einzelheiten Leben und Arbeit der Zunftangehörigen geregelt war. Dies ging so weit, dass jemand nur Meister werden konnte, der eine gut beleumundete, ehelich geborene Frau heiratete. Auch die Bezahlung der Gesellen und Knappen war bis auf den letzten Kreuzer geregelt.

GFO-Vorsitzende Monika Beer-Helm freute sich über die Veröffentlichung des Werks und gratulierte Herbert Hackbarth zur gelungenen Forschungsarbeit. Das Heft der Familienforscher ist bei der Stadt Mitterteich (Telefon 09633/890) erhältlich.

Die Tuchmacherei hat eine lange Tradition in der Region

Tirschenreuth
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