Nabburg
12.11.2018 - 17:16 Uhr

Hasenpest im Kreis Schwandorf: Zuversicht mit Restrisiko

Jagdpächter Michael Dobler geht es wieder gut. Er ist einer der elf Männer, die sich mit der Hasenpest infiziert hatten. Von einer "sicheren Entwarnung" will man am Landratsamt jedoch noch nicht sprechen.

Michael Dobler hatte die Jagd im Brudersdorfer Revier organisiert. Er gehörte zu denjenigen Jägern, die sich bei der Wildverarbeitung mit der Hasenpest infizierten. Bild: exb
Michael Dobler hatte die Jagd im Brudersdorfer Revier organisiert. Er gehörte zu denjenigen Jägern, die sich bei der Wildverarbeitung mit der Hasenpest infizierten.

Eine Treibjagd Ende Oktober hatte ungeahnte Folgen. Neun Jäger infizierten sich bei der Weiterverarbeitung beziehungsweise über einen Hund, der einen der acht erlegten Hasen apportiert hatte, mit Tularämie. Bis 8. November wurden insgesamt elf Personen mit dem dringenden Verdacht auf Hasenpest im Amberger Krankenhaus St. Marien aufgenommen. Neben den Jägern hatten sich auch der Metzger, der das Wild vermarktete, und ein Helfer im Wildverarbeitungsbetrieb angesteckt. Nach Auskunft von Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf, befanden sich gestern aktuell noch drei der elf Betroffenen im Krankenhaus. Die Nachuntersuchungen liegen in Hand des Gesundheitsamtes Schwandorf.

Prechtl fasste am Montag den Ist-Stand bei der offiziell bestätigten Hasenpest zusammen: Der letzte der bei der Jagd am 27. Oktober im Raum Nabburg erlegten acht Hasen konnte von den Veterinär- und Gesundheitsbehörden am 9. November sichergestellt werden. Wie von Oberpfalzmedien berichtet, waren vier Hasen noch auf Lager, bei dreien konnten die Käufer schnell ermittelt werden. Ende letzter Woche stand auch der vierte Käufer fest. "Damit ist kein Hase mehr in Umlauf", so der Landratsamts-Sprecher. Bei der Behörde, unter deren Dach sich Gesundheits- und Veterinäramt befinden, bestehe deshalb "Zuversicht, dass es zu keinen weiteren Erkrankungen mehr kommen wird, wenngleich im Hinblick auf die Inkubationszeit noch nicht von einer sicheren Entwarnung gesprochen werden kann".

Am Robert-Koch-Institut in Berlin wurde bei zwei der bisher elf untersuchten Patienten ein deutlicher Titeranstieg von Antikörpern gegen die Hasenpest festgestellt. Bei vier weiteren Patienten deutet sich ein entsprechender Anstieg an. "Somit liegen die ersten serologischen Bestätigungen für die Tularämie bei den Betroffenen vor", fasst Prechtl zusammen. Neben den humanmedizinischen Proben wurden auch Gewebeproben bei den erlegten Hasen genommen. Die veterinärmedizinischen Untersuchungen haben bei einem der sieben bislang getesteten Hasen den Nachweis der Tularämie erbracht. Der zuletzt sichergestellte Hase wurde am Montag in die Pathologie beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen verbracht. Getestet wurden auch die Seren von neun an der Jagd beteiligten Hunden. Drei dieser Proben waren laut Prechtl positiv. "Das heißt, die Hasenpest wurde auch in diesen Fällen nachgewiesen".

Der BJV-Regierungsbezirksvorsitzende MdL Alexander Flierl, ‒ auf Verbandsebene in engem Kontakt mit dem Ausschuss für Wildkrankheiten, Wildernährung und Tierschutz ‒ findet, dass es keinen Grund "zu Hysterie und Panikmache" gebe. Man spreche nicht umsonst von der "Berufskrankheit für Jäger und Metzger". Die Krankheit trete immer wieder einmal auf, sei keine örtliche Spezifität. Befallene Hasen seinen abgemagert, es fehle ihnen der Fluchtinstinkt. Wenn die Krankheit schon ausgeprägt ist, sind die inneren Organe mit stecknadelgroßen Herden befallen. Laut Flierl ist es durchaus möglich, dass Jäger, die in punkto Lebensmittelrecht entsprechend geschult sind und sich auch ständig fortbilden, zu Beginn der Krankheit am Hasen noch keine Auffälligkeiten feststellen können. Übrigens läuft auch seit einigen Jahren ein Monitoring: Wer auffällige Hasen erlegt, schickt sie an die Untersuchungsanstalt in Unterschleißheim ein. Flierls Appell an die Jäger: Auf Arbeitshygiene achten. Für den Verbraucher sieht Flierl keine "besondere Gefährdung", konnte doch die Infektionskette lückenlos verfolgt werden. Er rät dazu, Wildfleisch stets durchzugaren.

Doch das sei nicht mehr generell der Fall, meint Maximilian Franz, dessen Eltern in Weiden einen Wildfachhandel betrieben haben. In der Nouvelle Cuisine komme auch rosa gebratenes Filet auf den Tisch. Er appellierte an Jäger und Vermarkter, das Fleisch amtsärztlich begutachten zu lassen, um auf Nummer sicher zu gehen. "Man sieht, dass regional nicht unbedingt gesund sein muss".

Michael Dobler hält das für eine gute Idee. Die Jäger werden ein Auge darauf haben, verendete Tiere nur mit Handschuhen anfassen und zur Untersuchung einschicken. "Momentan sind jedenfalls alle Hasenjagden in der Region abgesagt", so Kreisjagdberater Günther Hoffmann.

Hasenpest: Verhaltensregeln:

Das Landratsamt hat ein Merkblatt für alle Jagdausübenden erstellt, das auch in die Homepage des Landkreises eingestellt ist. Allen Jägern wird dringend angeraten, beim Versorgen von erlegten Hasen Einmalhandschuhe und staubdichte Atemmasken zu tragen. Wildbret kann bedenkenlos verzehrt werden, wenn es vorher ausreichend erhitzt wurde.

Die Gefahr für Hunde, die etwa von Spaziergängern geführt werden und nicht direkt an der Jagd beteiligt sind, wird von den Veterinärbehörden als gering eingeschätzt. Sind Hunde dennoch erkrankt, zeigen sie unter anderem Appetitlosigkeit, Fieber und eine Schwellung der Lymphknoten. Das Landratsamt rät allen Spaziergängern, sich von Wildtieren fern zu halten. Das gilt insbesondere dann, wenn sich Wildtiere nicht artgerecht verhalten und ihre natürliche Scheu verlieren. Hier gilt Abstand halten. „Bitte kein Selfie“, so Pressesprecher Hans Prechtl.

Die Treibjagd auf Hasen hatte ungeahnte Folgen. Bild: exb
Die Treibjagd auf Hasen hatte ungeahnte Folgen.
Nabburg09.11.2018
Nabburg07.11.2018
Nabburg06.11.2018
Nabburg08.11.2018
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.