30.07.2021 - 10:46 Uhr
NabburgOberpfalz

Sanierung der Nabburger Stadtmauer braucht Feingefühl

Die Stadtmauer samt Zwingerweg ist ein historisches Pfund mit dem Nabburg touristisch wuchern kann. Das frühere Bollwerk zeigt jedoch Schwächen. Es bedarf der behutsamen Pflege. Im nächsten Jahr steht deshalb eine aufwendige Sanierung an.

Der Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Nabburg, Thomas Prey, macht auf das Problem aufmerksam: Fugenmaterial rieselt aus der Stadtmauer. Wenn nichts geschieht, folgen irgendwann die Steine.
von Irma Held Kontakt Profil

Die Problemzonen, an denen Holzkonstruktionen die Nabburger Stadtmauer stützen, werden mehr. Bei einem Rundgang mit Oberpfalz-Medien weist der Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, Thomas Prey, außerdem auf weniger auffällige, dennoch sanierungsbedürftige Stellen hin. Die Mauer werde regelmäßig überprüft, doch vor Teileinstürzen sei man nie gefeit. "Eine Natursteinmauer ist nicht berechenbar, wann sie bricht. Das geht schnell."

Weniger schnell geht dagegen die Sanierung. Eine Abdichtung wie bei einer Betonmauer sei nicht machbar. Die neueste Stützkonstruktion beim Obertor fällt dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach zur Last, denn das Vermessungsamt gehört dem Freistaat. Stadt und Staatliches Bauamt wollen sich bei der Sanierung, so die Auskunft von Leiter Roman Beer, eng abstimmen, auch um an dieser Stelle Einschränkungen so kurz wie möglich zu halten.

Die Stadt sitzt beim Obertor mit im Sanierungsboot. Betroffen ist das Mauerstück, das die Straße auf der anderen Seite begrenzt. Thomas Prey macht deutlich, wie es sich zur Seite neigt und wegzukippen droht. Hier müsse die Gründung genau geprüft werden. Möglichkeiten, das Wasser abzuleiten, müssten geschaffen werden. Nässe ist nicht selten die Quelle allen Übels. Zum einen setzt an der Straße Salzwasser dem alten Gemäuer zu, zum anderen werden durch Regen mit der Zeit Fugen ausgewaschen. Doch das ist noch nicht alles.

Innen feucht

Der Lehmmörtel im Inneren des zweischaligen Mauerwerks speichert Feuchtigkeit. Diese drückt die sichtbare Schale nach außen. Naturstein-Mauern stürzen laut Thomas Prey zwar nicht komplett ein, "aber wenn was runterfällt, ist die Straße sofort zu". Er meint den Weg zu Altenheim und Mittelschule.

"Auch dem Landesamt für Denkmalpflege ist der partiell durchaus besorgniserregende Zustand der Nabburger Mauer natürlich bekannt", heißt es vonseiten der Experten. Für das Bröckeln hat das Landesamt eine mögliche Erklärung parat. "Wegen der damit verbundenen hohen Kosten fand im 19./20. Jahrhundert jedoch nur noch selten ein ausreichender Bauunterhalt an den Mauern statt. Dies ist einer der Gründe für den heutigen schlechten Bauzustand mancher Mauerabschnitte und Türme."

Etwas weiter den Zwingerweg entlang hat der städtische Bauhof eine Stelle notgesichert. Hier ist laut Thomas Prey nicht Feuchtigkeit das Problem, weil ein Wohnhaus auf der Mauerkrone steht. Der berühmte Zahn der Zeit hat wohl genagt. Nicht nur an dieser Stelle - hier wegen des Wohngebäudes aber besonders - generell gilt: "Die Sanierung muss sehr kleinteilig erfolgen, damit die Statik bleibt." Thomas Prey deutet auf die sogenannten Nasen hin, dessen Granit sich von der Ringmauer abhebt. Sie seien angebaut worden. Eine dauerhafte Stütze seien sie aber nicht.

Geduld und Zeit

Unter dem Dechantturm liegt ein Steinhaufen, der Blick ins Mauerinnere ist frei gelegt. Die herausgefallenen Steine werden wieder eingesetzt. Thomas Prey ist optimistisch, dass vorbereitende Arbeiten heuer noch in Angriff genommen werden. Pessimistisch ist er dagegen, ob die Maßnahme im nächsten Jahr abgeschlossen wird. "Ich glaube nicht. Bruchsteinmauern brauchen Geduld und Zeit." Geschätzte 1,2 Millionen Euro werden die Ausbesserungsarbeiten kosten, die sich zu je einem Drittel Denkmal-, Städtebauförderung und Stadt teilen. Der Denkmalschutz legt auf zweierlei Wert, auf eine denkmalfachliche Teilsanierung in Kombination mit einer in technischer Hinsicht dauerhaften und nachhaltigen Arbeit. Doch mit dem Facelifting der akuten Problemzonen ist es nicht getan. Die übrigen Mauerpartien werden die Denkmalschützer im Blick behalten. "Es gibt also in Nabburg sicher auch in Zukunft noch einiges zu tun", heißt es von deren Seite.

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Diese Art Nasen wurden angebaut, um die Stadtmauer zu stützen. Ihren Zweck erfüllen sie nicht dauerhaft.
Beim Dechantturm liegt ein Haufen Steine aus der Stadtmauer auf dem Grün.
Hintergrund:

Historische Stadtmauer

  • Die Stadtmauer und die Türme sind Teil des Nabburger Altstadtensembles.
  • Die Stadtbefestigung stammt laut Landesamt für Denkmalpflege weitgehend aus dem
    frühen 15. Jahrhundert. Einige Teilbereiche wurden im 16. Jahrhundert erneuert.
  • Die Befestigungsanlage ist etwa 1200 Meter lang.
  • Die Höhe variiert je nach topografischen Begebenheiten zwischen drei und zehn Metern.
  • Das zweischalige Mauerwerk besteht aus Gneis- und Granitbruchsteinen.

 

 

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