12.03.2021 - 15:39 Uhr
NabburgOberpfalz

Wegen Vogelgrippe: Geflügel im Landkreis Schwandorf im Lockdown

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Das Gackern der Hühner auf dem Höslhof in Perschen (Stadt Nabburg) ist gedämpft zu hören. Sie müssen drinnen bleiben. Für Geflügel gilt im gesamten Landkreis Schwandorf als Folge des Vogelgrippe-Ausbruchs in Nittenau eine Ausgangssperre.

Normalerweise wäre das Hühnermobil in der nächsten Woche weiter gezogen. Jetzt steht es weiterhin auf dem Höslhof in Perschen und die Auslaufklappe bleibt zu..
von Irma Held Kontakt Profil

Von der Stallpflicht betroffen sind alle Geflügelhalter im Landkreis, egal ob gewerbliche oder private. Deshalb müssen die 470 Federtiere von Jung-Landwirt Christoph Hösl im Hühnermobil auf dem Hof in Perschen bleiben. Dort sind sie im Winterquartier - mit Auslauf. Dieser ist seit einer Woche verwaist. Die Auslaufklappe bleibt zu. Normalerweise hätte sich Christoph Hösl nächste Woche mit seinem rollenden Hühnerhof auf den Weg gemacht. Das Mobil auf eine Wiese gestellt und mit einem Zaun einen Auslauf abgesteckt. "Das ist jetzt nicht möglich", sagt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Die Hühner bleiben bis auf Weiteres, wo sie sind.

Das Problem der Aufstallung ist nicht das Futter, denn die Hühner müssen so oder so gefüttert werden und fressen im Stall sogar ein bisschen weniger als draußen, weil sie sich weniger bewegen. Das Problem ist nach den Worten von Christoph Hösl auch nicht der Platz - den haben die Hühner -, auch nicht das Eierlegen, sondern die Beschäftigung für die Eierlieferanten. "Diese drückt sich im Scharren und Picken aus." Und da besteht die Gefahr, dass sich die Hühner aus Mangel an Gelegenheiten gegenseitig auf den Kopf picken. Zum Scharren streut Christoph Hösl Dinkelspelzen ins Mobil. Luzerneballen im Stall aufgehängt, beugen beispielsweise auch Federpicken und Kannibalismus vor. Doch Christophs Hösls Hühner sind zufrieden, attackieren ihre Artgenossen nicht.

Was den Perschener ärgert, sind oft kleine Hühnerhalter, die es nicht einsehen, ihr Geflügel im Stall zu lassen. "Das ist nicht so leicht", sagt Sabine Knorr aus Nabburg, "denn im Stall pickt oft eine auf die andere ein". Etwa 15 Hühner hält ihr Mann. Neben dem Stall haben sie aber auch eine Art gut gesicherten, überdachten Auslauf. Die Tiere müssen sich nicht in der Enge drängen, wenn sie nicht raus dürfen. Nach der Verordnung ist Geflügel so zu halten, dass es nicht mit Wildvögeln in Kontakt kommt. Zaun oder Netz müssen so engmaschig sein, damit "zum Beispiel auch keine Meisen durchkommen", erklärt Siegfried Langmann. Der Pfreimder hat es gut. Er hat nur Tauben. Für diese gilt eine Ausnahme. "Sie zählen nicht zum Geflügel." Allerdings seien Tauben zwar in Volieren, aber nicht mehr im Freiflug unterwegs. Würde eine Taube von einem Raubtier weggefangen, wäre das zu teuer, mindestens 25 Euro pro Tier. "Nach oben sind da keine Grenzen gesetzt", sagt Langmann.

Vogelgrippe in Nittenau

Nittenau

Noch nicht tangiert von der Stallpflicht ist der Geflügelhof Meßmann in Deiselkühn (Markt Schwarzenfeld). Dort dürfen Gänse und Enten im Freiland aufwachsen, doch der Nachwuchs ist noch nicht da. "Junge Gänse kommen erst im Juni", bemerkt Christa Meßmann gegenüber Oberpfalz-Medien. Von "gravierenden Einschnitten, weil jetzt die Zucht los geht", spricht dagegen Max Deyerl, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Oberviechtach. Schließlich beginne die Legezeit, und bei manchen Gänsearten gehe die Befruchtung im Stall gegen Null. Bei der Geflügelpest vor ein paar Jahren habe er schließlich eine Ausnahmegenehmigung von der Stallpflicht erhalten. Wasservögel bräuchten Wasser. Die Geflügelpest führe als Erstes bei Hühnern und Puten zum Tod, Wassergeflügel sei fast immun. Deshalb betreibe er Sentinelhaltung. Sentineltiere sind die bereits erwähnten Hühner und Puten, die besonders empfindlich auf das Virus reagieren. Deyerl hofft, dass sich mit steigenden Temperaturen das Virus nicht weiter verbreite.

Die Keulung

Nittenau

Das Hühnermobil

Perschen bei Nabburg
Hintergrund:

Verfügungen zur Geflügelpest

  • Sperrbezirk: Teile von Nittenau und Bruck
  • Beobachtungsgebiet: Nittenau, Bruck, Bodenwöhr, Steiberg am See, Unterstockried (Neukirchen-Balbine), Oberweiherhaus (schwandorf). Loisnitz (teublitz) und Grafenricht, Heselbach, Mappenberg, Meldau (Wackersdorf)
  • Stallpflicht: im gesamten Landkreis. Geflügel ist in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss.
  • Gültigkeit: solange bis diese Verfügungen ausdrücklich wieder aufgehoben werden.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.