01.03.2021 - 15:31 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Dehoga-Protest in Neunburg: Gastronomen fordern klare Perspektive

Der Frust sitzt tief. Seit vier Monaten haben ihre Hotels und Wirtshäuser zu. Bei allem Verständnis für die Corona-Regeln fordern Gastronomen im Landkreis Schwandorf eine Perspektive von der Politik.

Landrat Thomas Ebeling, Günter Koller (Kollerhof), Bürgermeister Martin Birner, Werner Dietrich (Tourismusbüro Neunburg), Hubert und Lukas Obendorfer (Landhotel Birkenhof), Markus und Bettina Wagner (Gasthof Sporrer) sowie Markus Greiner (Panorama Hotel am See Gütenland, von links) machten am Montag vor der Schwarzachtalhalle auf die Situation des Hotel- und Gastronomiegewerbes aufmerksam.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der feierlich gedeckte Tisch steht am Montag einsam vor der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald, drumherum leere Plätze. Ein Sinnbild für das, was die Gastronomie seit vier Monaten erlebt: Stillstand. "Wir wollen im Prinzip eine Perspektive, wie es weitergeht", sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Markus Greiner. Des Chef des Panoramahotels am See in Gütenland ist sich mit dem Kreisvorsitzenden Hubert Obendorfer (Landhotel Birkenhof) einig: "Wir brauchen Planbarkeit".

Friseure, Gartencenter dürfen seit Montag öffnen. "Wir wollen nicht auf Biegen und Brechen aufmachen", betont Greiner, "aber wir wollen wissen, wie und wann wir dürfen. Das weiß momentan keiner." Diesen Plan vermisst auch Günter Koller vom Kollerhof. "Musikschulen dürfen öffnen für Einzelunterricht. Meine Reitschule nicht", sagt er kopfschüttelnd. "Die Regelungen versteht doch keiner mehr. Ich sehe darin kein System." Er uns eine Kollegen hätten nach dem ersten Lockdown Konzepte entwickelt, in Schutzmaßnahmen investiert.

Azubis können üben

Ein paar Geschäftsreisende kämen noch, sagt Markus Wagner vom Gasthaus Sporrer, Monteure nicht mehr. Essen zum Abholen? "Mehr, damit sich im Haus was rührt", sagt er. Obendorfer lässt seine Azubis sich selbst bekochen und Tische eindecken, damit sie vor den Prüfungen in Übung bleiben. "Die verlernen das sonst." Der überwiegende Teil des Personals ist in Kurzarbeit. "Demonstriert ihr für offene Wirtshäuser? Da mache ich mit", sagt eine Passantin.

Zur Kundgebung vor der Halle, die Teil einer bundesweiten Dehoga-Aktion ist, kommen Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Martin Birner. "Uns gibt's noch", sagt Obendorfer in Richtung der Politiker, darauf wolle der Verband aufmerksam machen. Er äußerte die Hoffnung, dass die Anliegen der Gastronomie in die hohe Politik getragen werden. Gaststätten hätten sich nicht als große Infektions-Treiber herausgestellt, stellt Obendorfer fest. "Wir haben schon so lange zu, dennoch steigen die Inzidenzen", resümiert er. "Wir gehen davon aus, dass wir die letzten sind, die wieder aufmachen. Aber wir sind nicht die Bösen, die die Infektionen treiben", so Obendorfer. Der Satz der Kanzlerin vor ein paar Wochen, dass ganz am Ende irgendwann die Hotels und Gastronomie wieder öffnen könnten, "das hat uns alle schwer getroffen", sagte der Kreisvorsitzende. Planbarkeit, und Regeln, die sich an Inzidenzwerten orientieren, dahin müsse der Weg führen, ergänzt Greiner, "lieber mache ich jetzt noch vier Wochen zu, und dann geht's richtig los."

Proteste auch im Nachbarlandkreis

Vohenstrauß

Planbarkeit, das wünscht sich auch der Landrat angesichts steigender Inzidenzzahlen. "Ich habe großes Verständnis für ihr Anliegen". Ebeling dankte den Gastronomen für das bisher aufgebrachte Verständnis. Die Wirte hätten sich an alle Regeln gehalten. "Wir hatten keinerlei Klagen, bis auf ein paar schwarze Schafe."

Einheitliche Regeln nötig

Perspektiven seien angesichts der steigenden Inzidenzen schwierig. Ebeling vermutet die Grenznähe als einen der Auslöser, angesichts der extremen Inzidenzen in Tschechien. "Im Kreis Tachov liegt die Inzidenz bei 1800. Da wäre es erstaunlich, wenn wir ein paar Kilometer weiter auf deutscher Seite bei 35 wären", meint der Landrat. Er setzt auf einheitliche Regeln, auch wenn in anderen Kreisen im Landesinneren die Zahlen sinken. "Sonst fahren die Schwandorfer nach Regensburg und stecken sich gegenseitig an, und bei uns sinken die Werte nie." Neue Schutzkonzepte mit Schnelltests könnten den Zutritt zur Gastronomie ermöglichen. "Zaubern können wir leider nicht, solange die Zahlen so hoch sind."

Martin Birner setzt auch auf Schnelltests. "Wir müssen kontrollierte Kontakte zulassen." Das könne klappen, auch mit mehr Impfungen. Die Gemeinden stünden dafür sofort parat. Die Schnelltests könnten für Schulen, Einzelhandel und Gastronomie kontrollierte Sicherheit bringen. Dazu gehöre eine klare, neue Strategie, so Birner: "Dann können wir den Leuten sagen: Die Zahlen sinken, jetzt machen wir moderat auf." Oder eben andersrum, bei steigenden Werten.

Hubert Obendorfer richtete den Blick auf die Nachbarländer: "Wenn Österreich Ostern aufmacht, und wir haben noch zu, dann sind wir natürlich die Volldeppen." Die einmal abgeflossene Kaufkraft sei nicht mehr zurück zu holen. Schnelltests könnten zwar eine Lösung sein. Aber, so der Dehoga-Vorsitzende: "Impfen wäre besser als testen".

Gedeckter Tisch, aber keine Gäste: Mit Symbolen wie diesen und "Vergissmeinnicht"-Samen machten die Hoteliers und Wirte am Montag in ganz Bayern auf ihre Lage aufmerksam.

"Wir wollen im Prinzip eine Perspektive, wie es weitergeht. Das weiß momentan keiner."

Markus Greiner, stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes

Markus Greiner, stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes

"Wir gehen davon aus, dass wir die letzten sind, die wieder aufmachen. Aber wir sind nicht die Bösen, die die Infektionen treiben."

Hubert Obendorfer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes

Hubert Obendorfer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes

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