04.06.2021 - 16:49 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Fronleichnam ohne Neustädter Bürgermeister: Die Reaktionen

Für so manchen Katholiken dürfte es ein kleiner Skandal gewesen sein: Der Bürgermeister von Neustadt, Sebastian Dippold, nahm nicht an Fronleichnam teil – aus Prinzip. Das sagen andere Bürgermeister und Pfarrer dazu.

Eine Fronleichnamsprozession wie hier 2017 gab es heuer in Neustadt wegen der Corona-Pandemie nicht. An künftigen Umzügen will sich Bürgermeister Sebastian Dippold nicht mehr beteiligen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Am Freitag nach dem Feiertag hallt die Entscheidung des Neustädter Bürgermeisters Sebastian Dippold (SPD) nach, nicht am diesjährigen Gottesdienst oder einer künftigen Prozession zu Fronleichnam teilzunehmen. Kontrovers wurde sie nicht nur im Netz von Bürgern aus Neustadt und Umgebung diskutiert. Während die einen auf der Onetz-Plattform von Facebook "ein vollkommenes Unding" beklagten, erkannten andere eine "Pseudo-Diskussion" und forderten "Leben und leben lassen".

Was bisher geschah

Was war passiert? In einer E-Mail hatte der Bürgermeister und Protestant am vergangenen Dienstag die Stadträte informiert, dass er am Donnerstag bei der Messe zu Fronleichnam nicht in der Stadtpfarrkirche St. Georg dabei sein werde. Auch werde er in Zukunft an Prozessionen zu Fronleichnam nicht teilnehmen.

Mehr zu den Gründen für Sebastian Dippolds Entscheidung

Neustadt an der Waldnaab

Im Gegensatz zu anderen Feiertagen sehe er hier keinen Bezug zur weltlichen Gemeinde. Dippold ist zwar auch im evangelischen Kirchenvorstand, aber eine Teilnahme an Fronleichnam würde ihm "ökumenisch nichts geben". Oder wie er am Dienstag erklärt hatte: "Eine offizielle Vertretung ist schlicht unbegründet, ja widerstrebt der gelebten und geforderten Trennung von Staat und Kirche." Dippold selbst war am Freitag bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Was sagen Pfarrer und Bürgermeisterkollegen aus der Region nach dem Feiertag zu seiner Entscheidung?

Das sagt der Pfarrer von Neustadt

Für Pfarrer Josef Häring ist die Entscheidung von Sebastian Dippold nicht zwingend ein Grund zur Aufregung. Er möchte die Angelegenheit "deeskalierend" lösen und nicht noch "Öl ins Feuer gießen", wie er gelassen auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärt. "Ich lösche lieber mit Wasser als mit Benzin. Auch das ist eines meiner Prinzipien." Genau wie das Gespräch mit Dippold zu suchen. Dafür war bislang allerdings noch keine Zeit. Pfarrer Häring möchte die Sache auch mit den Mitgliedern der Kirchengremien besprechen. Um die Angelegenheit zu klären, hätten sie nun immerhin fast ein Jahr Zeit – bis zum nächsten Fronleichnam. "Ein Schritt nach dem anderen." Was den Pfarrer am Feiertag trotzdem freute: "Der Stadtrat war angemessen vertreten, so dass es kein allzu großer Verlust war."

Dekan Johannes Lukas von der Pfarrei St. Konrad in Weiden möchte sich zu der Angelegenheit lieber nicht äußern. "Da möchte ich mich nicht einmischen. Ich kenne nicht alle Hintergründe, das muss intern geklärt werden", erklärt der Dekan auf Nachfrage.

Das sagen Bürgermeisterkollegen

Und was halten die Bürgermeisterkollegen von der Entscheidung? Robert Lindner, Bürgermeister in Floß und Katholik, kann Dippolds Standpunkt nachvollziehen. "Ich bin bei ihm, wenn es um die Trennung von Staat und Kirche geht, und sehe und akzeptiere die Konsequenz in seinem Handeln." Trotzdem war Lindner an Fronleichnam in der Kirche: "Ich sehe das als Katholik im Rahmen der Tradition und würde auch als Nicht-Bürgermeister mitgehen."

Auch der Bürgermeister von Eslarn, Reiner Gäbl, respektiert Dippolds Entscheidung: "Es ist ja tatsächlich so, dass Staat und Kirche getrennt sind. Von daher ist es seine persönliche Entscheidung, die nicht zu verurteilen ist." Gäbl ist ebenfalls katholisch und für gewöhnlich bei kirchlichen Festen dabei. Situationsbezogen, da in der Kirche wegen der Hygienemaßnahmen wegen des Coronavirus nur begrenzt Plätze zur Verfügung standen, setzte er in diesem Jahr jedoch aus.

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"Der Stadtrat war angemessen vertreten, so dass es kein allzu großer Verlust war."

Pfarrer Josef Häring nach der Entscheidung von Bürgermeister Dippold nicht am Gottesdienst zu Fronleichnam teilzunehmen

Sebastian Dippold.

 

 

Kommentare

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Achim Bühl

Ich halte es für hochproblematisch, wenn Bürgermeister als offizielle Vertreter der Gemeinde/ Stadt an einer katholischen Prozession teilnehmen. Insbesondere dann, wenn nicht auch an wichtigen Festen anderer Konfessionen offizielle Vertreter der Stadt entsandt werden, kann hier der Eindruck entstehen, die katholische Kirche sei zumindest informell eine Art "Staatsreligion".
Selbstverständlich steht es jedem Bürgermeister frei, als Privatperson an jeglichen Gottesdiensten teilzunehmen oder auch nicht.
Nebenbei gesagt teile ich die theologische Position des Bürgermeisters zu Fronleichnam absolut.

10.06.2021
Achim Bühl

Ich halte es für hochproblematisch, wenn Bürgermeister als offizielle Vertreter der Gemeinde/ Stadt an einer katholischen Prozession teilnehmen. Insbesondere dann, wenn nicht auch an wichtigen Festen anderer Konfessionen offizielle Vertreter der Stadt entsandt werden, kann hier der Eindruck entstehen, die katholische Kirche sei zumindest informell eine Art "Staatsreligion".
Selbstverständlich steht es jedem Bürgermeister frei, als Privatperson an jeglichen Gottesdiensten teilzunehmen oder auch nicht.
Nebenbei gesagt teile ich die theologische Position des Bürgermeisters zu Fronleichnam absolut.

10.06.2021
Benjamin Hannes

Staat und Kirch sind getrennt und das ist auch gut so. Es ist spannend, dass man hierzu einen so langen Artikel schreiben kann/muss.

Ein Bürgermeister ist den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet, nicht der Kirche.

Weiter so Dippi

06.06.2021
Benjamin Hannes

Staat und Kirch sind getrennt und das ist auch gut so. Es ist spannend, dass man hierzu einen so langen Artikel schreiben kann/muss.

Ein Bürgermeister ist den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet, nicht der Kirche.

Weiter so Dippi

06.06.2021