09.06.2020 - 12:09 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Hospiz Sankt Felix: Pflegerinnen und Wegbegleiterinnen

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Elfriede Dollhopf arbeitet da, wo gestorben wird. Sie hat die pflegerische Leitung im Hospiz Sankt Felix in Neustadt inne. Sie erzählt, welcher Gedanke hinter dem Hospiz steht und wie sie selbst mit der Konfrontation mit dem Tod umgeht.

Elfriede Dollhopf (rechts), pflegerische Leitung im Hospiz Sankt Felix, und Pflegefachkraft Sylwia Lucko-Stachowski in der neuen Küche der Einrichtung. Der Duft von frisch zubereitetem Essen ist für die Gäste im Hospiz eine wichtige Verbindung zum Leben. Die Essgruppe musste wegen der Coronakrise allerdings auf unbestimmte Zeit eingestellt werden.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Alter sagt bei uns wenig aus. Im Moment sind unsere ältesten Gäste die fittesten und mobilsten“, sagt Elfriede Dollhopf. Vor einem Jahr ging das Hospiz Sankt Felix in Betrieb. Seitdem leitet Dollhopf den Pflegebereich. Was ihr vom ersten Jahr im Hospiz in Erinnerung geblieben ist, sind vor allem Begegnungen. Mit Gästen, deren Angehörigen, Menschen, mit denen das Hospiz zusammenarbeitet und im Team. „Durch diese Begegnungen lebt das Ganze“, sagt sie. „Der Hospizgedanke ist nicht an ein Gebäude gebunden. Er ist Haltungssache. Die Menschen müssen das in der Einrichtung leben.“ Das verlangt Dollhopf und ihren Kolleginnen – allesamt mindestens drei Jahre lang ausgebildet – einiges ab.

"Die Diagnose allein sagt nicht viel aus"

Krebserkrankungen, neurologische Krankheiten wie ALS, schwerste internistische Erkrankungen, Schmerzen, Lähmungen, Demenz – das Spektrum der Diagnosen ist breit, und viele der maximal neun Hospizgäste haben mehrere Diagnosen gleichzeitig. Entsprechend anspruchsvoll ist die Pflege. „Wir brauchen die Diagnosen, um unsere Gäste fachlich gerecht zu versorgen“, sagt Dollhopf. „Aber die Diagnose allein sagt wie auch das Alter nicht viel aus.“

Wer ins Hospiz einzieht, dem wurde vom Arzt ein absehbares Lebensende bescheinigt. So breitgefächert wie die Krankheitsbilder ist der Umgang der Gäste mit ihrer Situation. „Das fängt bei Menschen an, denen es ganz wichtig ist, dass ihnen beim Einzug gesagt wird, dass sie hier wieder ausziehen können. Dann gibt es Gäste, die ins Hospiz gehen und denken, in drei Tagen ist alles vorbei. Und es geht bis hin zu Menschen, die gar nicht bewusst erfassen und erleben, dass sie ins Hospiz gehen.“

Fragen und Antworten zum Hospiz Sankt Felix

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Auch, wie die Gäste ihren Alltag im Hospiz gestalten, ist sehr unterschiedlich. „Manche wollen gar keine Beziehungen mehr haben“, erzählt die 58-Jährige. Bei anderen dagegen beobachtet das Team noch im Hospiz eine Hinwendung zum Leben – zum Beispiel durch den Kauf von Tageskleidung, den Genuss guten Essens aus der Küche, durch die Pflege der Blumen auf dem Balkon oder den Besuch von Konzerten. Manche Gäste bauen untereinander Bekanntschaften auf. Durch die Coronakrise sind derzeit allerdings viele Aktivitäten, Besuche und Kontakte gar nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Die Coronakrise trifft das Hospiz Sankt Felix hart

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Dollhopf und ihr Team sind dabei für wesentlich mehr zuständig als für die medizinische Fürsorge. Die Pflegeleiterin bezeichnet sich als Wegbegleiterin. „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, lautet passend das Motto der modernen Hospizbewegung. „Der Mensch soll auch in der Seele ein Umsorgtsein erfahren“, sagt Dollhopf. „Der Mensch soll sich nicht als Patient hier wohl und geborgen fühlen, sondern als Mensch.“

Eine Frage der Haltung sei es auch, wie man mit dem entgegengebrachten Vertrauen umgehe. Es sei weniger so, dass ein Gast bei Gesprächsbedarf – zum Beispiel zu der Frage, wo man nach dem Tod sein wird – klingele. Es gehe vielmehr um eine Begleitung über viele gewachsene Gespräche und Begegnungen hinweg. Pater Siegmund leiste einen wertvollen Dienst, in dem er zu jedem Gast kommt, der das möchte.

„Diese Begegnungen brauchen Zeit, und die haben wir“, fasst Dollhopf zusammen. „Wenn ich unter Zeitdruck Pflege verrichte, habe ich für solche Begegnungen keine Zeit.“ Der Personalschlüssel im Hospiz ist höher als in anderen Einrichtungen. Gerade deshalb habe sie Hochachtung vor Menschen in der Pflege, die trotz Zeitdrucks versuchen, diese Haltung aufrecht zu halten.

Blick auf eigenes Lebensende

Dollhopf kennt die Belastungen, die mit ihrem Beruf verbunden sind, gut. Inklusive Ausbildung bringt die 58-Jährige 37 Jahre Berufserfahrung in der Pflege mit. Sie hat mit 21 Jahren in der Onkologie angefangen. Es folgten Stationen und Leitungspositionen auf einer Palliativstation und in der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung in Bayreuth. Sie erinnert sich an tragische Fälle, in denen junge Menschen vorzeitig verstarben oder in denen Kinder involviert waren. Privat findet Dollhopf Ausgleich in der Natur. Viel laufen zu gehen helfe ihr, für sich einen Ausweg zu finden, nicht an der eigenen Grenze stehen zu bleiben und zu sehen, was dort wächst und mit Leben erfüllt ist. Wichtig seien aber auch Gespräche im Team. Regelmäßig finde für sie und ihre Kolleginnen eine moderierte Supervision statt, die hilft, mit den Belastungen umzugehen.

Bezogen auf das eigene Lebensende habe sie durch ihren Beruf bei sich eine Werteverschiebung beobachtet. Weil sie weiß, dass Gäste an ihrem Lebensende auf Befriedung in der Familie hoffen, wolle sie selbst versuchen, im Frieden mit den Menschen zu leben. Auch ihre Bewertung von Zeit habe sich verändert. „Sie ist wertvoll, und ich bin mir bewusst, dass sie abläuft.“

Hospizleiterin Susanne Wagner über ein Jahr Hospiz Sankt Felix

Neustadt an der Waldnaab

Elfriede Dollhopf im Interview

Serie:

Leben im Hospiz Sankt Felix

Das Hospiz Sankt Felix in Neustadt besteht seit einem Jahr. Wie ist das Leben an einem Ort, an dem gestorben wird? In einer losen Serie stellen wir das Hospiz und die Menschen dort vor. Dieser Artikel ist der dritte Teil der Serie. In zwei weiteren Teilen kommen ein 73-jähriger Gast und zwei Hinterbliebene zu Wort.

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