29.08.2021 - 11:21 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Gastronomie in historischer Wartehalle: Siegfried Rossmann restauriert den Bahnhof Oberviechtach

Ein Leerstand weniger: Das knapp 120 Jahre alte ehemalige Bahnhofsgebäude in Oberviechtach wird renoviert und für ein Speiselokal fit gemacht. Besitzer Siegfried Rossmann setzt dabei auf den Charme der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn.

Das historische Bahnhofsgebäude am Radweg befindet sich seit 2002 im Besitz der Rossmann KG. Die Sanierung mit Umbau für ein Speiselokal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Wenn es nach Unternehmer Siegfried Rossmann geht, dann könnte das historische Bahnhofsgebäude mit dem markanten Walmdach schon nächstes Jahr wieder mit Leben erfüllt sein. Dort, wo von 1904 bis 1976 Passagiere auf ihren Zug warteten, sollen sich künftig Gäste an schön gedeckten Tischen auf ihr Menü freuen.

Beim Baustellenbesuch der Oberpfalz-Medien-Redaktion ist der Flair längst vergangener Tage noch zu spüren. Daran ändern auch die vielen neu verlegten Rohre und Leitungen an Boden und Decke nichts. Die Sanitär- und Heizungsinstallation ist nahezu abgeschlossen und auch der Austausch der völlig veralteten Elektrik geht gut voran. Das historische Gebäude diente im Erdgeschoss (rund 100 Quadratmeter) dem Bahnbetrieb, im Obergeschoss befand sich eine Wohnung für Bahnbedienstete. "Wir mussten nur eine Wand zwischen Wartesaal und Gepäckdurchreiche herausnehmen", erklärt Siegfried Rossmann mit Blick auf den damit vergrößerten Raum für die anvisierte gastronomische Nutzung.

Bier statt Fahrkarten

Ungefähr dort, wo sich früher der Fahrkartenschalter befand, wird eine Theke zum Verweilen einladen. Dahinter befindet sich der ehemalige Büroraum mit Erkerfenster, der künftig als Küche genützt wird. Rossmann blickt auf die historischen schwarzen Bodenfliesen im Warteraum und die bunten Putzreste an den Wänden. Er ist bestrebt, so viel wie möglich vom Bestand zu retten, will aber auch auf die Wünsche des künftigen Pächters eingehen. Den Mietvertrag mit einer in der Region bekannten Gastronomenfamilie sei schon vor rund einem Jahr geschlossen worden, verrät Rossmann. Es ist ein Verdienst des Unternehmers, dass die Stadt Oberviechtach, die ab 1998 im Besitz des Bahnhofs war, keine Ruine in zentraler Lage stehen hat.

Im Jahr 2002 erworben

Denn im Jahr 2002 erwarb die Aloys Rossmann KG das Bahnhofsgrundstück und beseitigte die Baumängel. 2012 wurde der Abschluss der Außensanierung des Bahnhofsgebäudes und die Wiedererrichtung des abgebrochenen WC-Gebäudes – laut Siegfried Rossmann "die schönste öffentliche Toilette im Umkreis" – gefeiert. Im ebenfalls neuen gläsernen Lokschuppen zieht seither eine Dampflok aus dem Jahre 1899 den Blick auf sich und erinnert an die Eisenbahngeschichte der Region. Eröffnung der von der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn betriebenen Strecke Nabburg-Oberviechtach war am 18. August 1904. Der Personenverkehr wurde am 30. Mai 1976 von der Deutschen Bahn AG eingestellt; der Güterverkehr bis zum Bahnhof Lind lief dank dem Bundeswehrstandort bis 15. Oktober 1994 weiter. Ab dem Jahr 1998 erfolgte die Demontage der Gleise und der Rückbau zum Bayerisch-Böhmischen-Freundschaftsweg.

Der Bauantrag der Aloys Rossmann KG auf Nutzungsänderung/Umbau des historischen Bahnhofsgebäudes lag dem Bauausschuss der Stadt im November 2020 vor. Umbauten für das in der Liste der Baudenkmäler des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege enthaltenen Hauptgebäudes erfolgten in enger Abstimmung mittels einem Denkmalschutzkonzept.

"Ich hab die ganzen Bausünden der 60er- und 70er-Jahre beseitigt", erklärt Siegfried Rossmann beim Rundgang. So hat er die weißen Einscheibenfenster ausbauen lassen und Sprossenfenster aus dunklem Holz – rekonstruiert nach alten Fotos – für rund 30 000 Euro eingesetzt. Das Vordach mit seinen historischen Balken punktet jetzt wieder mit Biber-Dachziegeln anstatt der asbesthaltigen Faserzementplatten sowie dem restaurierten untergehängten und beleuchteten dreieckigen Bahnhofsschild "Oberviechtach". Zur Erreichung einer wirtschaftlichen Lokalgröße ist ein Wintergarten angedacht. "Dieser erfolgt ohne Eingriff in die Bausubstanz und beeinträchtigt durch volle Transparenz die Ansicht nicht", betont der Investor.

Im Innengebäude bleibt die historische Holztreppe erhalten. Im Obergeschoss entsteht ein Nebenzimmer plus den Toiletten sowie eine kleine Wohnung. Im Untergeschoss ist Platz für die Gasheizung sowie einen großen Lagerraum mit Getränkekeller. Als nächste Arbeiten stehen der Innenputz (wo notwendig mittels hochhydraulischem Kalkmörtel) sowie das wandhohe Fliesen der Küche sowie das Verlegen des neuen Bodenbelags an. Die Sanierung des Gebäudes soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Ausstattung und Möblierung des künftigen Bahnhofsrestaurants ist dann der Pächter zuständig.

Einen Traum erfüllt

Der Diplom-Kaufmann erfüllte sich mit dem Kauf und der Sanierung des Bahnhofs einen Kindheitstraum. Denn als Bub saß er früher jeden Nachmittag in der Wohnung des Großonkels und damaligen Bürgermeisters Fritz Rossmann auf der Fensterbank und beobachtete den "Bockl" und später auch den Triebwagen, der um 16 Uhr in den Bahnhof gegenüber einfuhr. Schon im zarten Alter von zwei Monaten hatte er seine erste Eisenbahn bekommen. Auch sechs Jahrzehnte später hat der Vater von vier Söhnen im Alter von 8 bis 14 Jahren eine Modelleisenbahn im Keller aufgebaut. "Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Modellbahnanlage im Dachgeschoss", blickt der erfolgreiche Unternehmer in die Zukunft. Der Fußbodenaufbau auf der Holzbalkendecke wird jedenfalls bei der aktuellen Restaurierung gleich miterledigt.

Abgeschlossen ist die Instandsetzung der Güterhalle. An diesem westlich gelegenen Nebengebäude wurde eine einstürzende Giebelwand durch eine Holzwand ersetzt und Putz-Ausbesserungen vorgenommen. "Mittels identischer Farbgebung zu den beiden anderen Gebäuden ist das historische Bahnhofsensemble nun wieder bestens erkennbar", bekräftigt Siegfried Rossmann. Er freut sich auch darüber, dass es möglich war, einige Schienenmeter am originalen Platz des seinerzeitigen Bahnsteiggleises zu verlegen. Das besondere Flair eines Bahnhofs aus der Zeit um 1900 können künftig Einheimische sowie auch Radfahrer und Wanderer auf der 29 Kilometer langen ehemaligen Eisenbahnstrecke von Nabburg nach Oberviechtach bei einem gastronomischen Aufenthalt genießen.

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"Ich hab die ganzen Bausünden der 60er- und 70er-Jahre beseitigt."

Siegfried Rossmann, Unternehmer und Investor

 

 

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