17.02.2021 - 16:23 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Westafrika im Blick des Oberviechtacher Panzergrenadierbataillons

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Heuer fällt nicht nur der Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr aus, auch das Jubiläum "60 Jahre Garnison" ist abgesagt. Die Ausbildung für einen Auslandseinsatz läuft in der Grenzlandkaserne trotz Corona weiter.

Gut getarnt liegt dieser Soldat, mit Maske und Gewehr im Anschlag, zwischen den Fichten und bemoosten Hügeln am Standortübungsplatz Oberviechtach. In der Corona-Pandemie gelten die Abstands- und Hygieneregeln auch für die Grenadiere der Grenzlandkaserne.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Gleich vorneweg: Auch wenn das Berufsverbot der Friseure nun schon seit über acht Wochen gilt, die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 treten nicht mit langer Mähne an. "Mir ist diesbezüglich noch nichts aufgefallen", sagt der Kommandeur, Oberstleutnant Andreas Bleek, beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Die Soldaten schneiden sich gegenseitig die Haare oder lösen das Frisurproblem in der Familie."

Zwei Jubiläen fallen flach

Seit Ende März 2019 ist Andreas Bleek als Kommandeur in Oberviechtach stationiert. Einen Neujahrsempfang in der Grenzlandkaserne hat er noch nicht erlebt. Im Januar 2020 befand er sich zur Geburt seines vierten Kindes an der "Familienfront" in Nordhessen und heuer fiel der gemeinsame Empfang von Stadt und Bundeswehr der Corona-Pandemie zum Opfer. Auch im laufenden Jahr wird es wenig Gelegenheiten für die "Bürger in Uniform" geben, Kontakt zur Bevölkerung aufzunehmen. Oberstleutnant Bleek bedauert die Absage des Heimatfestes, denn damit fallen auch die zwei Jubiläen, 60 Jahre Garnison und 65 Jahre Panzergrenadierbataillon 122, aus. "Es war ein tolles Zeichen der Stadt an uns, ein extra Wochenende der Bundeswehr zu widmen. Da hätten wir uns austoben können." Der Kommandeur meint damit das Programm, denn neben einer Serenade hätte es auch einen "Strongmanrun" (Extrem-Hindernislauf) gegeben. Auch wenn die gesellschaftlichen Anlässe wegfallen und ein Teil der Soldaten zur Amtshilfe in Pflegeheimen und Krankenhäusern abgeordnet ist (wir berichteten), läuft der militärische Kasernen-Alltag in geordneten Bahnen.

Corona und die Bundeswehrkasernen in Oberviechtach und Pfreimd

Oberviechtach

Einsatzvorausbildung läuft

"Wir haben gut zu tun", betont der Bataillonskommandeur. Neben dem Grundbetrieb mit Ausbildung wurde mit der Einsatzvorausbildung für Mali gestartet. Hier bereitet sich ein Teil der Grenadiere auf einen UN-Stabilisierungseinsatz in Westafrika vor. Wie Bleek betont, laufe das Mandat nur bis 31. Mai 2021. Vor weiteren Planungen müsse deshalb eine Verlängerung durch den Bundestag abgewartet werden. Vorgesehen sei, dass sich ab Oktober rund 200 Oberviechtacher Soldaten zusammen mit Radfahrzeugen nach Afrika aufmachen.

Im zweiten Halbjahr 2020 befand sich ein Zug mit 60 Mann für einige Monate in Litauen und verstärkte dort das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd. Diese Informationen gibt es normalerweise beim Quartalsappell. "Momentan aufgrund der Hygieneregeln nicht angebracht", betont Bleek und führt augenzwinkernd an, dass beim geforderten Abstand von einer doppelten Armlänge der Platz für das Antreten des Bataillons gar nicht reichen würde. "Antreten" in kleinen Gruppen und mit Maske heißt es dagegen mehrfach in der Woche. Unverändert finden auch die Märsche mit voller Ausrüstung über den verschneiten Standortübungsplatz statt. Für den "Nahkampf" sind die Soldaten mit Masken ausgestattet.

Neuer Garnisonsdialog

Der Bataillonskommandeur freut sich, dass die gute Zusammenarbeit mit Heinz Weigl auch vom neuen Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky praktiziert wird. Seit Mai 2020 gab es etliche Treffen, welche mittlerweile etwas ausgeweitet als Garnisonsdialog betitelt werden. Dabei wurde bereits auch die Idee besprochen, das Garnisons-Jubiläum 2022 nachzufeiern. "Wir stimmen das eng ab. Ein konkretes Datum gibt es noch nicht", bekräftigt Oberstleutnant Andreas Bleek. Er freut sich, dass beim städtischen Kindergartenneubau auch an den Nachwuchs der Soldaten gedacht wird. Der vierfache Vater (der älteste Sohn besucht die erste Klasse) kennt die Sorgen und Nöte der Familien während der Corona-Pandemie. Die Bundeswehr sei zwar als systemrelevant eingestuft, doch bei Bedarf (Lücken in der Kinderbetreuung) könne der Chef der Kompanie mit Home-Office oder Sonderurlaub entgegenkommen. Positiv bewertet Bleek die von der Stadt ins Leben gerufene "Wohnungsbörse für Soldaten".

Auch für das gemeinsame Maibaumfest am Marktplatz sehe er nach dem Lockdown noch eine Chance. "Der Baum ist bei uns in der Kaserne sicher untergebracht", ergänzt der Oberstleutnant zum Abschied mit einem Schmunzeln.

So verlief der letzte Neujahrsempfang in der Grenzlandkaserne

Oberviechtach
Oberstleutnant Andreas Bleek ist seit Ende März 2019 Kommandeur der Grenzlandkaserne Oberviechtach. Der Pappe-Panzer am Schreibtisch ist ein Geschenk seines ältesten Sohnes.

"Es war ein tolles Zeichen der Stadt an uns, ein extra Wochenende der Bundeswehr zu widmen. Da hätten wir uns austoben können."

Bataillonskommandeur Andreas Bleek zum Programm "60 Jahre Garnison" beim Oberviechtacher Heimatfest 2021 (abgesagt)

Hintergrund:

Grenzlandkaserne 2021

  • Der Neujahrsempfang in der Kaserne fiel heuer aus.
  • Abgesagt sind die Jubiläen 60 Jahre Garnison und 65 Jahre Panzergrenadierbataillon 122.
  • Ab Oktober ist die Teilnahme von 200 Oberviechtacher Soldaten am UN-Stabilisierungseinsatz in Mali (Westafrika) geplant. Vorausgesetzt, der Bundestag verlängert das Mandat.

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