27.11.2020 - 16:20 Uhr
PfreimdOberpfalz

Späte Rache des Pfreimder Stadtturms

Die Sanierung des Haas-Hauses wird teuer. Architekt Günter Naumann nennt dem Pfreimder Stadtrat die Gründe. Einer davon ist der Abriss eines historischen Gebäudes.

Das Haas-Haus in Pfreimd (links Straßenseite) wird aufwändig saniert. Umbaumaßnahmen in vergangenen Zeiten haben dem Gebäude statisch geschadet.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es ist so etwas wie die späte Rache des 1850 geschleiften Stadtturms: Die Sanierung des Haas-Hauses wird teuer. "Die Kosten, die sich ergeben, haben mich etwas erschreckt", sagte Architekt Günter Naumann am Mittwoch in der Stadtratssitzung. In der Schulturnhalle rechnete er dem Gremium vor, dass auch Fehler in den vergangenen Jahrzehnten seither für erhebliche Ausgaben sorgen.

Detailpläne für das Haas-Haus

Pfreimd

Der Torturm, der hier einst am Übergang vom Marktplatz in die Freyung stand, hütete nicht nur den Eingang in die "gute Stube" der Stadt. An ihn lehnte sich auch das alte Haas-Haus, auch die Dachkonstruktion war verbunden. Das Haas-Haus hatte früher laut Naumann einen durchgehenden Giebel. Nach dem Abriss des Turms wurde er teils durch ein Walmdach ersetzt. Für die Statik des Hauses hatte das Folgen. Ein Giebel drückt vornehmlich von oben auf die tragenden Mauern, ein Walm schiebt zusätzlich nach außen. "Dafür waren die Mauern nicht konstruiert", sagte Naumann am Rande der Sitzung den Oberpfalz-Medien. Deshalb wurde die Traufe nach außen gedrückt. Das ist am Haus deutlich erkennbar. "Da ist auch gepfuscht worden", sagte Naumann.

Neue Installation

Die Sanierung des Mauerwerks und der Dachkonstruktion geht entsprechend ins Geld, kostet rund 400000 Euro. Zumal auch Dachbalken an den Auflagestellen marode sind. Die denkmalpflegerischen Ansprüche sind ebenfalls hoch, das Gebäude prägt das Stadtbild schließlich erheblich. Wenngleich es Kompromisse geben wird: Die Fenster werden durch neue, denkmalgerechte ersetzt. Die alten zu restaurieren, wäre nach Naumanns Worten noch teurer geworden. Der Putz soll, soweit möglich, erhalten werden. Zumindest für das Innere sieht da der Architekt aber wenig Chancen, weil die komplette Installation für Strom, Medien, Wasser und Heizung erneuert werden muss. Auch der Baugrund muss teilweise verfestigt werden.

Erste Ideen für das Haas-Haus

"Wir kommen auf 800 Euro je Kubikmeter umbautem Raum", sagte der Architekt, "und auf rund 4000 Euro je Quadratmeter". Die "wirklich hohen Werte" seien einerseits dem schlechten Zustand des Denkmals, andererseits der Preisentwicklung im Bausektor geschuldet. "Corona merkt man da nicht", sagte Naumann. Die Sanierungskosten bezifferte der Architekt auf rund 1,73 Millionen Euro, inklusive der Nebenkosten ergeben sich etwa 2,2 Millionen Euro. Wie die Freiflächen um das Haas-Haus aussehen werden, ist noch unklar. Dazu müssten erst die Pläne für den vorgesehenen Ausbau der Haas-Kreuzung durch das Staatliche Bauamt vorliegen, erläuterte Bürgermeister Richard Tischler.

Hohe Zuschüsse

Die Kosten muss die Stadt nicht alleine schultern. Auf Nachfrage von SPD-Fraktionschef Günther Strehl sagte Bürgermeister Richard Tischler: "Wir können mit 60 Prozent Zuschuss rechnen." CSU-Sprecher Mirko Hägler hatte schon vor Naumanns Erläuterungen klargestellt, dass eine Fraktion für eine Sanierung des Gebäudes ist. "Wir haben schon so viel investiert, wir sollten das jetzt so schnell wie möglich angreifen." Bürgermeister Richard Tischler sieht die Sanierung des Hauses, das früher der Kaufmannsfamilie Haas gehörte, als belebendes Element für die Innenstadt.

Die Geschichte des Haas-Hauses

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Das sah auch der gesamte Stadtrat so: Das Gremium billigte die Kostenschätzung und beauftragte die Verwaltung mit den weiteren Schritten. Nun sollen die Gewerke ausgeschrieben werden. Die fälligen Ausgaben werden in den Haushalt für das Jahr 2021 eingeplant.

Hintergrund:

Künftige Nutzung des Haas-Hauses

Die Sanierung des Haas-Hauses an der Leuchtenberger Straße in Pfreimd soll kommendes Jahr beginnen. Die künftige Nutzung steht bereits fest, Vorverträge sind laut Bürgermeister Richard Tischler unterzeichnet,

  • Logopädie-Praxis: Sie soll im Erdgeschoss des Denkmals entstehen.
  • Kieferorthopädie: Im Obergeschoss wird eine in Pfreimd ansässige Praxis zusätzliche Räume nutzen.
  • Gastronomie: Im rückwärtigen Teil des Gebäudes soll die Eisdiele einziehen, die jetzt in der Freyung ihr Geschäft betreibt.

Den hohen Sanierungskosten zu trotz sieht Bürgermeister Richard Tischler den Kauf des Hauses nach wie vor sehr positiv, nicht nur, weil ein altes Haus erhalten bleibt. "Das Geschäft war der Entwicklung der Stadt zuträglich", sagte er den Oberpfalzmedien. Im Zuge des Geschäfts kam die Stadt nämlich auch an Grundstücke, auf denen ein neues Baugebiet entstand. (ch)

"Die Kosten, die sich ergeben, haben mich etwas erschreckt."

Architekt Günter Naumann

Architekt Günter Naumann

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