09.10.2020 - 09:54 Uhr
PirkOberpfalz

Pirk: Kleiner Ort mit großer Wirtshausdichte

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Knapp 1900 Einwohner, vier Gaststätten, und eine fünfte kommt bald hinzu: Über ein Wirtshaussterben wie in vielen anderen Gemeinden kann Pirk nicht klagen.

Bürgermeister Dietmar Schaller freut sich, dass Manuela Scheidler das "Bräustüberl" auch dann weiterbetreibt, wenn es nach dem Umzug der SpVgg in den Sportpark nicht mehr deren Vereinsheim ist.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Bürgermeister Dietmar Schaller kann sich glücklich schätzen, eine gut funktionierende Gastronomie in seiner Gemeinde zu haben. Zwar musste der Traditions-Gasthof "Zum Beck'n" im November 2018 schließen. Dafür decken "Auszeit", "Bräustüberl" und die "Genussschmiede" ein breites kulinarisches Spektrum ab: Von Brotzeiten über Burger bis hin zur gehobenen Küche dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

"Bräustüberl" bleibt auch ohne SpVgg

Das "Bräustüberl" stand länger leer und wurde im Oktober 2018 nach dem Abriss des Sportheims zur neuen Heimat der SpVgg. Wirtin Manuela Scheidler kümmerte sich zuvor schon ein Jahr um die Bewirtung des ehemaligen Vereinsheims und will ihr Lokal auch dann weiterführen, wenn der Club im kommenden Jahr wieder in den Sportpark zieht.

Ein Grieche geht immer.

Bürgermeister Dietmar Schaller zum neuen Wirt im Sportpark

Vermutlich im Frühjahr gibt es dort dann auch einen neuen Wirt. "Ein Grieche geht immer", sagt Bürgermeister Schaller, ohne weitere Details zu nennen. "Wir hatten auch andere Bewerber, aber er hat uns mit seinem Konzept überzeugt und das Rennen gemacht."

Ein Sportheimwirt ist gefunden

Pirk

Scheidler hat viele Stammgäste und ist nicht unbedingt auf die SpVgg angewiesen. "Ich bin Wirtin mit Leib und Seele, das hat mir schon immer Spaß gemacht." Allerdings hat sie die Corona-Pandemie auch schwer getroffen. "Wir hatten drei Monate geschlossen und alle waren froh, als sie wieder in den Biergarten gehen konnten." Das Vereinsleben beginnt zwar nach und nach wieder, aber zur Jahreshauptversammlung ging die SpVgg zuletzt in die "Auszeit", weil dort mehr Platz ist.

Überwiegend älteres Publikum

Ins "Bräustüberl" passen normalerweise 60 Gäste, zur Zeit dürfen Scheidler und ihr Mann Andreas aber nur 20 bewirten, um die Abstände gewährleisten zu können. "Wir hatten hier noch keinen Coronafall", ist Manuela Scheidler froh. Das überwiegend ältere Publikum hält sich an die Regeln, Geburtstagsfeiern gab es zuletzt sowieso keine. "Wir haben kaum Fremde herin, das Stammpublikum ist von Vorteil." Das könnte sich auch jetzt im Herbst bei steigenden Infektionszahlen als günstig erweisen.

Mehr Angst vor Politik als vor Virus

Mit Blick auf den Herbst hat "Auszeit"-Wirt Bastian Sollfrank weniger Angst vor dem Virus, sondern schon eher vor dem "Verhalten der Politik, ich finde nicht alles richtig". Der Weidener hat das Anwesen 2016 mit seiner Frau gekauft, danach renoviert und im Januar 2018 die Gaststätte wieder eröffnet. Zuvor war sie etwa ein Jahr leergestanden.

Nachdem der "Beck'n" zumachte, kamen die Vereine in die "Auszeit". Aber die Pandemie machte auch hier vielen Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung. "Der erste Verein nach dem Lockdown war der Kirwa-Verein", sagt Sollfrank. Die Buchungen für 2021 laufen jedoch langsam wieder an. "Wenn Corona es zulässt, ist die Auslastung schon verhältnismäßig gut." Beim Überbrücken der Krise zeigten er und seine Gäste zudem viel Kreativität. So gab es unter anderem ein "Hofseidl", zu dem sich die Besucher im Kreis und in zwei Meter Abstand auf der Terrasse aufstellten. Oder einen virtuellen Stammtisch via Skype.

Das Virus wird bleiben. Wir müssen lernen, damit zu leben.

"Auszeit"-Wirt Bastian Sollfrank

Seit der Wiedereröffnung gab es hinsichtlich Hygienevorschriften keine Probleme. "Die Gäste halten sich an die Maskenpflicht, aber seltsamerweise sind ältere Leute etwas grummeliger", findet Sollfrank. Er und sein Team sind natürlich weiterhin bemüht, sämtliche Bedingungen einzuhalten. "Es soll so bleiben, wie es jetzt ist", fordert der Wirt und hofft, dass die Auflagen nicht so verschärft werden, dass der Betrieb keinen Sinn mehr macht. "Wir sind aber weit weg von einer Geschäftsaufgabe", betont er. Während des Lockdowns bot die "Auszeit" Essensabholung an, etwas Ähnliches bis hin zur Auslieferung könnte sich Sollfrank wieder vorstellen. Denn: "Das Virus wird bleiben. Wir müssen lernen, damit zu leben."

Am 27. Mai wieder aufgemacht

Die "Genussschmiede" gibt es seit drei Jahren, im Februar hatte sie Peter Mauritz neu eröffnet - und musste kurze Zeit später gleich wieder schließen. Zum Mitnehmen gab es nichts, das Restaurant hat am 27. Mai wieder aufgemacht. Die Gäste halten sich seitdem vorbildlich an die Hygieneregeln, das Lüftungssystem funktioniert mit Außenluft. Aber: "Falls wieder dichtgemacht wird, wird's eng", gesteht Mauritz. "Ich gehe aber nicht davon aus."

Auch mit 90 immer noch für die Gäste da

Pirk

Im Wirtshaus Hägler/Eckl im Ortsteil Matzlesberg gehört bereits der Wirt zur Risikogruppe: Hans Eckl feierte Ende September 90. Geburtstag, und viele Gratulanten ließen ihn hochleben. "Da hatte ich schon ein bissl Angst", gibt er zu. "Aber es ist alles reibungslos gelaufen." Seit über 50 Jahren betreibt er die Gaststätte, die es schon über 100 Jahre gibt. Auch Eckl musste natürlich während des Lockdowns zusperren. "Das war nicht so einfach, aber bei den ersten Lockerungen habe ich wieder aufgemacht." Ins Lokal kommen überwiegend Vereine und Stammgäste, kaum Fremde. Dennoch gilt: "Wenn es sein müsste, müsste ich wieder zusperren. Man muss vorsichtig sein, es ist halt so."

Hintergrund:

Wirtshaussterben

Laut einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit Unterstützung des bayerischen Wirtschaftsministeriums sowie des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Bayern gab es im Freistaat 1980 etwa 8000 Wirtshäuser. Im Jahr 2011 waren es nur noch 4359 - ein Rückgang von 45 Prozent.

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