26.06.2020 - 09:03 Uhr
Raigering bei AmbergOberpfalz

Wer weist Häuslebauer auf ihr Risiko hin?

Was muss eine Stadtverwaltung leisten, wenn es um die Ausweisung eines Baugebiets geht? Eine interessante Frage, über die man trefflich diskutieren kann, wie sich im Stadtrat anhand eines Baufelds in Raigering zeigt.

Der ehemalige Fußballplatz von Raigering soll zu einem kleinen Baugebiet werden. Doch was befindet sich noch alles im Boden?
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

In Raigering, dort wo früher die Panduren des SV Raigering Fußball gespielt haben, will der Eigentümer ein kleines Baugebiet mit insgesamt neun Wohnhäusern ausgewiesen haben. Grundsätzlich, so sagen es Stadtplaner, spricht wenig dagegen. Zwar wurde der SV Raigering bei Starkregen früher regelmäßig von furchtbaren Überschwemmungen heimgesucht. Was der ausschlaggebende Grund für die Verlegung des Sportgeländes in den Pandurenpark war.

Der Brüllbach, die Wurzel allen Überschwemmungsübels, wurde freigelegt und hochwassersicher ausgebaut. Nun wissen es aber die alten Raigeringer, die sich noch an die Zeit vor den Panduren erinnern: Unter dem alten Sportplatz liegen die ehemaligen Raigering Dorfweiher, die irgendwann zugeschüttet und in ein Fußballfeld umgewandelt wurde. Womit das passiert ist, darüber geben die Bodenuntersuchungen Auskunft. Es war wohl laut Gutachten nicht nur Erde oder Kies, es dürfte auch der ein oder andere Unrat dabei gewesen sein.

Entsprechend unsicher ist laut Gutachten der Firma Messerer Büro für angewandte Geologie in Fürth der Baugrund. Weniger aber wegen möglicher Schadstoffbelastungen, die als sehr gering einzuordnen sind, als wegen des an dieser Stelle sehr hoch stehenden Grundwassers empfehlen die Gutachter, auf den Bau von Kellern zu verzichten und die Häuser auf stabile Bodenplatten zu stellen. Hier setzt nun der Einwand von ÖDP-Stadtrat Josef Witt an. "Wer klärt die Bauwerber über die Risiken im Boden und durch ein mögliches Hochwasser auf", fragte Witt mit einem Blick auch auf die Aussage des Wasserwirtschaftsamtes, dass trotz aller Schutzmaßnahmen noch ein Restrisiko für Überschwemmungen bei einem Extrem-Hochwasser bestehen könnte. "Wir können das nicht übernehmen", antwortete Baureferent Markus Kühne und verwies auf die Sorgfaltspflicht der potenziellen Häuslebauer. Man könne schon erwarten, dass diese bei Grundstückskauf einen Blick in den dann gültigen Bebauungsplan werden, argumentierte er. "Und wenn er in den Bebauungsplan schaut", so ergänzte Oberbürgermeister Michael Cerny, "dann sieht er auch die Risiken".

Josef Witt war nicht zufrieden und wollte auch noch wissen, was aus dem Erschließungsweg zur Kirche hin geworden ist, der im ersten Entwurf für den Bebauungsplan eingezeichnet war. Nicht mehr erforderlich, entgegnete der Baureferent, musste aber einräumen, er könne nicht genau sagen, wer diese Tatsache festgestellt habe. "Ich vermute, der Investor sieht keine Notwendigkeit mehr", sagte Kühne, konnte aber nicht ausschließen, dass es allein die enormen Kosten für ein Brückenbauwerk über den Brüllbach waren, welche die Planer zu einem Umdenken gebracht haben. Der Stadtrat jedenfalls votierte einstimmig für den aktuellen Entwurf des Bebauungsplans.

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