Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer will weiterhin das Gespräch mit Missbrauchsopfern suchen. "Ich habe seit meinem Amtsantritt bei zahlreichen derartigen Begegnungen die Erfahrung gemacht, dass es für die Betroffenen hilfreich und heilsam ist, wenn der Bischof als oberster Repräsentant der Ortskirche das Opfer anhört, sich das Leid schildern lässt, Anteil nimmt und um Vergebung bittet", schreibt der Bischof in einem am Wochenende veröffentlichten Hirtenbrief.
Anfang vergangener Woche hatte das Bistum die Zahlen vorgestellt, die in die Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige" (MHG-Studie) der deutschen Bischofskonferenz eingeflossen sind. Von Regensburg wurden 199 Betroffene, darunter 59 weibliche, und 81 Beschuldigte (71 Priester und 10 Ordensleute) in den Akten gefunden. Diese Daten wurden anonymisiert an die Studienmacher gemeldet. Bundesweit wurden 3677 Betroffene und 1670 Beschuldigte in Akten der Jahre 1946 bis 2014 gezählt.
Voderholzer spricht nun in seinem Hirtenwort davon, dass das "Leid der Kinder und Jugendlichen dadurch verstärkt [wurde], dass ihnen, wenn sie sich denn überhaupt zum Reden überwinden konnten, meist nicht geglaubt wurde". Zudem räumt der Regensburger Oberhirte einen "systembedingt ... oftmals völlig unangemessene Umgang mit den Tätern" ein. Voderholzer spricht davon, dass diese "nur stillschweigend versetzt und ernst ermahnt" wurden. Die Verantwortlichen am neuen Wirkungsort, etwa Pfarrer oder Dekan, seien "nicht oder nicht genügend über die Vorgeschichte informiert" worden. Auch im Bistum Regensburg war vor dem Amtsantritt Voderholzers ein Fall bekannt geworden, in dem ein Priester wieder eingesetzt wurde, obwohl er wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft war. An seiner neuen Stelle missbrauchte er erneut ein Kind.
"Der Schutz des öffentlichen Ansehens der Kirche wurde über das Wohl der Kinder und Jugendlichen gestellt, die Perspektive der Opfer oft übersehen", schreibt der Bischof. "Darüber bin ich zutiefst beschämt und ich bitte abermals alle Betroffenen um Vergebung." Damit spricht der Regensburger Oberhirte aus, was viele Opfer der katholischen Amtskirche seit langem vorwerfen: Vertuschen und Wegsehen. Auch der Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, der Münchener Kardinal Reinhard Marx, hatte am Dienstag bei der Präsentation der Studie in Fulda davon gesprochen, dass in der katholischen Kirche zu lange Missbrauch geleugnet und vertuscht worden sei.
Die Bischofskonferenz hat am Donnerstag zum Abschluss ihrer Herbsttagung in Fulda beschlossen, sie wolle "mehr als bisher die Begegnung mit den Betroffenen suchen". Diese Weg hat Voderholzer bereits im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei dem Domspatzen eingeschlagen. Der Bischof, der seit Januar 2013 im Amt ist, hat mehrfach Missbrauchsopfer zum Gespräch getroffen. In Fulda hatte Voderholzer die Einführung einen Präventions-TÜV vorgeschlagen. Dafür hatte am Dienstag auch in Regensburg auch Generalvikar Michael Fuchs geworben.















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