10.10.2019 - 10:19 Uhr
Oberpfalz

Rente beginnt am ersten Arbeitstag

Das Thema "Rente" bewegt die Nation. So richtig kennen sich aber die meisten nicht damit aus. Peter Hofmann schon. Er hat Antworten auf viele Fragen.

Wer seinen Ruhestand genießen will, muss sich rechtzeitig um seine finanzielle Absicherung kümmern. Die gesetzliche Rente alleine reicht nur selten aus.
von Stefan Puhane Kontakt Profil

"Bis zu meiner Rente ist es noch lange hin, da muss ich mich erst kurz davor drum kümmern." Das hört man nicht selten im Kollegen- oder Bekanntenkreis. Was noch so weit entfernt liegt, braucht mich heute noch nicht interessieren.

"Völlig falsch", sagt Peter Hofmann, seines Zeichens Regionssekretär Oberpfalz im Weidener Büro des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). "Zu Beginn des Studiums oder am ersten Tag der Lehre beginnt die Rente." Ein anderer, weit verbreiteter Irrtum: Die Rente endet mit dem Tod. Ebenfalls nicht korrekt, weiß Hofmann, denn dann wird womöglich die Hinterbliebenen-Rente wichtig, die sowohl Ehegatten als auch eingetragene Lebenspartner absichert.

Altersarmut droht

Zudem gehe es bei der Rentenversicherung auch um Themen wie etwa Reha-Maßnahmen, Fortbildungen oder Umschulungen. "Solange man im Erwerbsleben steht, werden die davon bezahlt", weiß Hofmann.

Die gravierendste Veränderung der vergangenen Jahre, die der Gewerkschafter miterlebt hat, wird in den anfänglichen Gesprächen mit Arbeitnehmern vor deren Eintritt in den Ruhestand deutlich. "Früher lautete bei Beratungsgesprächen die erste Frage: ,Wann ist mein erster Rententag?' Jetzt heißt es: ,Was darf ich dazuverdienen?'" Zu Recht, denn nicht nur nach Ansicht des Experten geht die derzeitige Entwicklung "dramatisch in Richtung Altersarmut".

"Drei-Säulen-Rente"

Doch es gibt Möglichkeiten, dies zu verhindern oder zumindest abzuschwächen. Der DGB-Fachmann empfiehlt dabei etwa die "Drei-Säulen-Rente", die sich aus der gesetzlichen Rente, einer betrieblichen Rente und einer privaten Vorsorge zusammensetzt.

Das Problem dabei wiederum sei, dass viele Menschen, die vom Mindestlohn leben, diese drei Säulen nicht bedienen könnten. Viele kleinere Betriebe böten überdies keine betriebliche Altersvorsorge an.

"So, wie sich die Situation momentan darstellt, ist nur wenigen jungen Leuten vermittelbar, sich um die Zeit nach dem Arbeitsleben zu kümmern", bedauert der Regionssekretär. Laut Hofmann ist es deshalb größtenteils Aufgabe der Eltern, ihre Kinder dazu zu ermutigen, sich selbst für das Rentenalter zu versorgen.

Wer sich dennoch nicht um die Rentenzeit kümmert, für den kann es ein böses Erwachen geben. Wer alles das ausgibt, was er verdient, kann spätestens nach seinem Arbeitsleben diesen Lebensstandard nicht mehr halten oder muss ihn gar dramatisch zurückfahren.

Dass genau dieses Problem häufig unterschätzt wird, bestätigt auch Hofmann. Entscheidend für die Höhe der gesetzlichen Rente ist für ihn in großem Umfang das familiäre Umfeld von jungen Leuten und beginne bereits mit der schulischen Ausbildung.

"Eltern müssen Kinder ermutigen, einen vernünftigen Schulabschluss zu machen und eine Berufsausbildung zu absolvieren." Dies habe in der Regel ein vernünftiges Einkommen zur Folge - und später eine Rente, mit der es sich gut leben lässt. (puh)

"Die Rente ist ausschließlich vom Einkommen abhängig", betont Peter Hofmann, Regionssekretär Oberpfalz.

Tipps, mit denen das Wohl und Wehe im Ruhestand nicht aus dem Blickfeld verschwindet

Oberpfalz
Rentenirrtümer:

Rentenirrtümer gibt es viele. Peter Hofmann, Regionssekretär Oberpfalz, entkräftigt einige davon:

Jeder muss bis 67 arbeiten

Peter Hofmann: Nein. Wenn ich 45 Beitragsjahre voll habe, kann ich auch mit 65 statt 67 in Rente gehen. Ab Jahrgang 1964, die früher Geborenen entsprechend eher.

Frauen können mit 60 in die Rente gehen

Nein. Frauenrenten gibt es nicht mehr. Das galt nur für Frauen bis zum Geburtsjahrgang 1951. Ab Jahrgang 1952 sind Altersrente für Frauen und Altersrente wegen Arbeitslosigkeit weggefallen.

Die Rente kommt automatisch

Nein. Rente muss beantragt werden.

Rente bekommt nur der, der 15 Jahre eingezahlt hat

Nein. Die Regelaltersrente erreicht jeder Beschäftigte in Deutschland nach fünf Jahren. Auch Frauen, die zwei Kinder geboren haben, fallen unter diese Regelung.

Nach 45 Arbeitsjahren ist automatisch Schluss

Nein. Ab Jahrgang 1964 erst mit 65 Jahren. Bin ich älter, geht‘s früher, je nach Jahrgang. Bei Schwerbehinderten sind der Geburtsjahrgang und 35 Arbeitsjahre entscheidend.

Als Rentner darf ich beliebig dazuverdienen

In der Regelaltersrente ja. Da kannst du dir rein theoretisch sogar eine Million dazuverdienen. Bei vorzeitigem Rentenantritt existiert eine Art Deckelung, die nach dem höchsten Jahresverdienst der letzten 15 Jahre berechnet wird. Wer mehr dazuverdient, dem werden die Bezüge entsprechend gekürzt.

Meine Rente wird voll besteuert/ist steuerfrei

In 2019 werden 78 Prozent der Rente versteuert. Das erhöht sich die nächsten Jahre schrittweise. 2040 sind es 100 Prozent.

Azubis sind erst nach fünf Jahren abgesichert

Unsinn. Voll abgesichert sind Auszubildende, nachdem sie zwölf Monate lang Beiträge gezahlt haben. Im Falle eines Arbeitsunfalls greift die Absicherung ab dem ersten Monat. Für die Regelaltersrente benötigt man tatsächlich fünf Jahre.

Nur die letzten Jahre vor der Rente sind entscheidend

Jedes Jahr ist gleich wichtig. Nur die Ausbildungszeit wird höher bewertet.

Aus einem Minijob ergibt sich kein Rentenanspruch

Doch. Dies ist wichtig für Studenten oder Frauen, deren Kinder zehn Jahre alt sind. Damit bleibt der Anspruch auf Reha und Erwerbsminderungsrente bestehen und zählt zu den 45 Beitragsjahren.

Abschläge für diejenigen, die früher Rente beziehen, gibt es nur, bis das reguläre Rentenalter erreicht ist

Einmal Abschlag, immer Abschlag. Die Höhe der Abschläge bleibt ein Leben lang gleich – und hat natürlich auch Auswirkung auf die Hinterbliebenen-Rente. (puh)

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