Walperer-Streich in Schleißdorf: Das ganze Dorfleben auf Schildern

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In der Nacht auf den 1. Mai richtig zu walpern, ist eine Kunst. Wie diese aussehen kann, das hat in Schleißdorf jemand gezeigt. In dem Ort in der Gemeinde Freudenberg erlebten die Bewohner am Morgen des Feiertages eine Überraschung.

Eines der Relikte aus längst vergangenen Tagen: Die Dorfwaage. Eigentlich sollte so eine Einrichtung gepflegt und für die Nachwelt erhalten werden.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Ja, die alte Geschichte, als der eine Schleißdorfer mit seinem Auto auf den zugefrorenen Dorfweiher gefahren war. Am Maifeiertag wurde sie wieder aufgewärmt. Ein Schild am "Lenzenweiher" erinnert an den Husarenritt, der einst ein spektakuläres Ende gefunden hat. Die mit Efeu umrankte Tafel ist eine von 15, die über Nacht in dem Ort in der Gemeinde Freudenberg aufgehängt wurden. Von wem, das weiß man nicht - Walperergeheimnis. Fest steht nur, dass sich da jemand wirklich Gedanken gemacht hat.

Der oder die Urheber haben die Kunst des Walperns verstanden: Denn die Schilder verletzen niemanden, sondern rücken augenzwinkernd und auf witzige Weise ins Rampenlicht, worüber das Dorf eh schon eine Zeit lang gemunkelt und gelacht hat. So hat der Halter einiger Schafe ein "Schepperl" Heu an den Gartenzaun gebunden bekommen, damit die Tiere nicht immer nach Futter blöken müssen. Die älteste Bewohnerin des Dorfes bekam eine Ehrenurkunde an ihr Häuschen gepinnt, die Wirtin eine Sektflasche für ihren bevorstehenden 90. Geburtstag.

"Wollen Sie ihr Haus sanieren oder abreißen?", steht an der Einfahrt zu einer verlassenen Hofstelle. "Melden Sie sich gerne bei uns. Wir erledigen das für Sie. Die Walperer." Und am Rohbau einer jungen, zugezogenen Familien kann man lesen: "Die Freudenberger haben entdeckt, dass es in Schleißdorf schön ist. So wie es aussieht, bringen wir die nicht mehr los." Natürlich fehlt danach der Zusatz nicht: "Herzlich willkommen. Wir freuen uns!" Und auch an den nächsten Christbaum für den Vatikan ist gedacht. An einem Garten mit diversen Nadelhölzern prangt der Hinweis, dass es sich hierbei um die römische Weihnachtsbaum-Plantage handelt. In Schleißdorf ist also über Nacht ein lustiger Schilderwald entstanden, der so manchen zu einem Dorfspaziergang animieren wird.

So wird andernorts im Landkreis Amberg-Sulzbach gewalpert

Walperer-Streich im Landkreis Neustadt an der Waldnaab

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Das Walpern

  • Der Begriff Walpern leitet sich von der Walburgisnacht ab, die Nacht auf den 1. Mai. Der 1. Mai war im Mittelalter Gedenktag der heiligen Walburga.
  • Das Walperer-Brauchtum rührt von der uralten heidnischen Sage her, dass sich in dieser Nacht Hexen träfen, die Schabernack treiben.
  • Walpern bedeutet daher, in dieser Nacht (wie die Hexen) einer Person oder einer Einrichtung einen öffentlich sichtbaren Streich zu spielen. Der Brauch ist in ganz Süddeutschland verbreitet.
  • Beliebt ist zum Beispiel das Fortbewegen von Mülleimern, Gartengeräten, bzw. allem, was um ein Haus herum nicht befestigt ist. Dabei gilt immer, dass es zu keinen Sachbeschädigungen kommen darf.
  • In der verfeinerten Variante wird die Nacht von Interessierten genutzt, um verdeckt und auf witzige Weise Statements zu aktuellen, öffentlichen Diskussionen zu setzen.
  • Vereinzelt gibt es auch den Brauch des Maistrichs: Dabei werden in der Nacht weiße Linien mit Kreide oder Kalk bei heimlich Verliebten von Haus zu Haus gezogen.

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