17.06.2021 - 10:24 Uhr
Oberpfalz

Schluss mit dem Optimierungswahn

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Selbst dort, wo es um Entspannung, Muße oder Geborgenheit gehen sollte, hat sich der Leistungsgedanke breitgemacht. Machen Sie mal wieder Dinge einfach nur zum Spaß, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Entspannung statt Unbehagen.
von Evi WagnerProfil

"Raus aus dem Motivationstief", "So erreichen Sie Ihre Traumfigur", "Effektiver arbeiten", "Weniger Falten in einigen Wochen", "Fit werden mit dem Zwei-Wochen-Plan", "So gelingt die perfekte Beziehung". Nicht nur im Internet und in zahlreichen Magazinen und Ratgebern finden sich unzählige Tipps, wie es uns gelingen soll, das Beste aus uns und unserem Leben herauszuholen. Auch wir selbst sind uns sicher: Wir sind immer noch nicht schlank genug, arbeiten nicht effektiv genug, ernähren uns noch nicht gesund genug und laufen noch nicht schnell genug. Unsere Kinder sind immer noch nicht gut genug in der Schule, unsere Autos und Fernseher sind immer noch nicht groß genug und wir brauchen jetzt aber endlich mal ein Smartphone mit noch besserer Kamera.

Wir feilen an makellosen Lebensläufen, wollen uns keine Fehler erlauben - und treiben Sport nicht etwa, weil der uns Spaß macht, sondern weil wir in Form bleiben wollen. Doch dabei übersehen wir nur zu oft, dass uns ein solches Leben alles andere als glücklich macht. Seien Sie ehrlich: Fühlen Sie sich auch immer öfter unwohl und gestresst? Und das, obwohl es Ihnen doch eigentlich gut geht? In ihrem Buch "Über das Unbehagen im Wohlstand" gehen Philosoph Gernot Böhme und Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme der Frage nach, warum diese Frage immer mehr Menschen mit Ja beantworten. In ihren Studienergebnissen legen sie offen, wie sich selbst dort, wo es eigentlich um Entspannung, Muße oder Geborgenheit gehen sollte, der Leistungsgedanke breitgemacht hat und seine Wirkung entfaltet.

In ihrem Buch ist zu lesen: "Die Internalisierung des Leistungsprinzips besteht darin, dass man sich im Lebensvollzug nicht mehr aufhält, ihn vielmehr im Blick auf ein Resultat absolviert. Freizeit als Leistung, Sex als Leistung, Kultur als Leistung." Eigentlich ganz schön traurig, nicht wahr? Wo sind eigentlich die Glücksmomente und kleinen Albernheiten, die das Leben doch erst schön machen? Stress ist doch längst zur "Grundqualität des Lebens" und zur Ursache unseres Unbehagens geworden. Machen wir doch endlich einmal Schluss mit dem ganzen Optimierungswahn. Dabei können wir zunächst mit ganz kleinen Schritten beginnen: Gehen wir mal wieder ganz ohne Ziel spazieren. Bewegen wir uns, ohne dabei den Fitness-Tracker an unserem Handgelenk im Auge zu haben. Kochen wir mal wieder, ohne dabei die Kalorien zu zählen. Und bleiben wir gelassen, wenn unsere Kinder einmal eine schlechtere Note nach Hause bringen.

Denn warum sollen wir perfekt sein, wenn wir auch einfach nur glücklich sein können? Und zwar genauso, wie wir sind - und mit dem, was wir haben. Eben.

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