14.10.2021 - 09:21 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Vom Gotteshaus zum Fledermausquartier

St. Ägid, bis zur Errichtung des Truppenübungsplatzes Hohenfels eine Nebenkirche der Pfarrei Schmidmühlen, war schon fast zerstört. Jetzt ist das Kirchlein in Sperrgebiet saniert. Davon profitieren bedrohte Fledermäuse.

von Paul BöhmProfil

Vom Gotteshaus zum Fledermausquartier ist es ein weiter und steiniger Weg. Das wurde jetzt bei einer Feierstunde zum Abschluss der Sanierung der Kirche St. Ägid in Bergheim deutlich. Sie gehörte einst zum Hofmarkbesitz. 2012 war nach dem Eintrag in die Denkmalschutzliste die baufällig gewordene Kirche wieder aufgebaut worden. Allerdings nicht mehr als Gotteshaus, sondern als Fledermausquartier. Seit einigen Jahren hat dort die vom Aussterben bedrohte Art der Großen Hufeisennase ihr Sommerquartier. Mit dem Wiederaufbau der ehemaligen Apsis wurden jetzt nicht nur die ehemaligen Räume wiederhergestellt, sondern auch ein Stück Heimatgeschichte und Kulturgut sichtbar gemacht. Freilich nicht für den allgemeinen Zugang der Öffentlichkeit, sondern als geschütztes Refugium im Truppenübungsplatz Hohenfels.

Die abgegangene Höhenburg in der Wüstung Bergheim, heute im Übungsplatz gelegen, gehörte bis zu ihrer Ablösung im Jahr 1938 zum Einzugsgebiet von Schmidmühlen. Vom einstmaligen Hofmarksitz ist nicht mehr viel zu erkennen. Nur einige Mauerreste und Steinquader erinnern noch daran. Die Schweden haben die Anlage im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die Hofmark-Gebäude wurden im Laufe der Jahrhunderte abgetragen und die Steine anderweitig verwendet. Erhalten geblieben ist im Innenhof des Burgstalls die aufgegebene Kirche St. Ägid, die bis zur Errichtung des Truppenübungsplatzes eine Nebenkirche der Pfarrei Schmidmühlen war. Lediglich der Palas der Anlage mit der Kirche ist erhalten geblieben. Jetzt wurde die 1972 abgebrochene Apsis nach alten Plänen, Bildern und Zeichnungen originalgetreu nachgebildet. Die US-Armee hat dies finanziert.

Vor dem Verfall gerettet

Wie der Leiter des Bundesforstes in Schmidmühlen, Markus Perpeet, bei der Einweihungsfeier sagte, hat man mit dem Erhalt des Kirchleins auch ein fast 1100 Jahre altes Denkmal vor dem Verfall retten können. „Bereits im Jahr 2012 wurde das Kirchenschiff gesichert. In den vergangenen Wochen hat man mit dem Anbau der ehemaligen Apsis die Kirche nach alten Plänen wiederhergestellt. Auf den Aufbau des früheren Holzturmes hat man aber verzichtet." Perpeet bezeichnete die Kirche als einen wichtigen Überlebensfaktor für die Jungen-Aufzucht der Großen Hufeisennase. „Deshalb ist der Wiederaufbau des etwa 500 Jahre alten gotischen Chores ein weiterer, entscheidender Schritt zur Verbesserung dieses Habitats.“

Wichtig: Intakte Umwelt

General Joseph Hilbert aus Grafenwöhr sagte, er kenne die Kirche aus seiner Zeit als Kommandeur in Hohenfels. „Wir brauchen eine intakte Umwelt, und wir brauchen den Truppenübungsplatz für unsere Soldaten zum Üben. Damit können wir die Interessen miteinander verbinden und uns am Anblick dieses wunderschönen Kirchleins erfreuen." Gunther Brinkmann, Leiter der Sparte Bundesforst in der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), betonte: „Der Anbau der Apsis ergänzt das bauliche Schutzkonzept und wurde allein von den US-Streitkräften finanziert.“ Pfarrer Werner Sulzer aus Schmidmühlen und Kaplan Jeff Smith von der US-Militärgemeinde erinnerten an die Geschichte des Kirchleins. Mit seiner Wiederherstellung sind die Überlebenschancen der Großen Hufeisennase deutlich verbessert worden. Das Projekt im Jahr 2012 wurde von den US-Streitkräften, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, dem Bundesforst und weiteren Partnern getragen.

Verlassener Ort im Übungsplatz Hohenfels: Rückkehr nach Lutzmannstein

Amberg
Hintergrund:

Ein Kulturdenkmal im Truppenübungsplatz

  • Die Kirche in Bergheim ist ein Kulturdenkmal am nordöstlichen Rand des Truppenübungsplatzes Hohenfels nahe Schmidmühlen.
  • Den ältesten, erhaltenen Teil bildet das Kirchenschiff, ein romanischer Wehrbau aus dem Jahr 1091.
  • In gotischer Zeit wurde die Kirche im Osten durch eine Apsis erweitert.
  • Im 18. Jahrhundert erfolgte der Ausbau zu einer barocken Kirche.
  • Der 1938 eingerichtete Übungsplatz bedeutete schließlich den sukzessiven Verfall der Kirche.
  • 1972 wurde ein Teil der Kirche wegen Einsturzgefahr zurückgenommen und verfiel zusehends. Die ruinösen Mauern wurden 2010 dem Denkmalschutz unterstellt.
  • Im Jahr 2012 erfolgten die Sicherung des Kirchenschiffes und der Wiederaufbau. In den vergangenen Wochen wurde nun die ehemalige Apsis wieder aufgebaut.
  • Ähnlich Objekte sind die wieder hergerichteten Kirchen in Kirchenödenhart, Maria Magdalena, und Schmiedheim, St. Bartholomäus, einem ehemaligen Bauerngehöft in Waltersheim, sowie verschiedene Gebäude und die Kirche St. Maria und St. Luzia in Lutzmannstein.

 

 

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