01.02.2021 - 13:46 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Maria Lichtmess: Einst der Tag der Dienstboten

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Bis weit in die Mitte des letzten Jahrhunderts war Maria Lichtmess der Tag der Dienstboten. Bis 1912 war es ein gesetzlicher Feiertag, aber auch Ende des alten und Beginn des neuen Bauernjahres. Ein Blick ins bäuerliche Leben von einst.

Getreideernte beim Mühlhofer in Emhof – dort, wo jetzt das Baugebiet In der Zell ist. Die "Dowercherer", also Tagwerker, machen Brotzeit. Vorne Leopold Mühlhofer (mit Hut). Zum Essen gab es Bier, damals noch in Literflaschen, und ein Kracherl, manchmal auch nur Wasser, dazu Fett- oder Buttebrote oder nur einen Keiln Brot vom Laib geschnitten.
von Paul BöhmProfil

Maria Lichtmess war ein besonderer Tag für den Bauernstand. Viel darüber zu erzählen hatte Michael Koller. Der Schmidmühlener Heimatpfleger ist am vergangenen Freitag gestorben. Er hatte aber vor einiger Zeit im Gespräch mit der Redaktion noch interessante Einblicke in das bäuerliche Leben, speziell auch rund um Lichtmess, gegeben. Eine weitere wertvolle Quelle ist der ebenfalls bereits verstorbene Norbert Schuster aus Winbuch – der in seinem Heimatbuch „Winbucher G’schichten“ viel Wissenswertes über das Leben von einst hinterlassen hat.

Für die Bediensteten, die Knechte und Mägde, galt es, zu Lichtmess den Dienst um ein Jahr zu verlängern – oder die Stelle zu wechseln. Das war einst nur zu diesem Termin möglich, am 2. Februar, dem Tag der Dienstboten. Das alte bäuerliche Jahr war zu Ende, der Lohn wurde ausbezahlt. Dass der Tag eine besondere Bedeutung hatte, zeigt auch die Tatsache, dass Maria Lichtmess bis 1912 ein gesetzlicher Feiertag war. Auch lang nach seiner Abschaffung hat sich auf dem Land seine besondere Bedeutung erhalten. „Es war dann so ein halber Feiertag. Ein Tag, an dem nur die notwendigsten Arbeiten verrichtet wurden“, so hatte es Michael Koller formuliert.

Alles in einer Truhe

Der vereinbarte Jahreslohn wurde zu Lichtmess ausbezahlt, dazu gab es meist Kleiderstoffe, Schürzen und Kopftücher für die Mägde. Der Knecht bekam Unterwäsche und dazu ein paar Sonntagshemden. Vom neuen Arbeitsplatz kam dann der Bauer oder der Knecht mit einem pferdebespannten Leiter- oder Truhenwagen, bei Schnee auch mit dem Pferdeschlitten vorgefahren. Der Schrank wurde aufgeladen und man nahm Abschied von der ganzen Familie, häufig auch schweren Herzens. Die wenigen Habseligkeiten hatten oft in einer Truhe Platz. Mit Lichtmess begann auch die Kälberweil: Eine ganze Woche mussten die Dienstboten, die „Ehleute“, nicht arbeiten, sondern nur die Tiere füttern. Es war sozusagen ihr einziger Urlaub während des Jahres.

So war das damals: Lichtmess in der Oberpfalz

Oberpfalz

Schon Wochen vorher wurden die Dienstboten gefragt, ob sie weiter bleiben oder zu einem anderen Bauern wechseln wollten. „Wenn der Knecht fragte, wo der Bauer heuer den Weizen und die Gerste säen will, dann war dies ein sicheres Zeichen, dass er gerne noch ein Jahr auf dem Hof bleiben wollte“, so hatte es Norbert Schuster einmal aus seiner Kinderzeit erzählt. Noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war es keine Seltenheit, dass Knechte und Mägde bei Bauern im Dienst standen, bis zu Maria Lichtmess neue Verträge geschlossen wurden. Norbert Schuster hatte es zu Lebzeiten einmal so formuliert: Wenn jemand nicht am Lichtmesstag, sondern „innerhalb des Jahres seine Stelle wechselte, so galt dies mitunter auch als Schande“.

Winbucher G'schichten

Gut in Erinnerung geblieben war ihm seine Zeit als Schulbub, schrieb er einst in seinem Heimatbuch „Winbucher G´schichten“. Knechte und Mägde prägten damals die Landwirtschaft mit. Am Scharlhof in Winbuch waren es zum Beispiel die Schmid Resl und der Stachl Hans, beim Schamodl, also bei Norbert Schuster auf dem Hof, der Wirtssepp aus Egelsheim und die Oichhorn Bärbl aus Fischeröd. Bei den Gütlern im Dorf war eine Magd oder ein Knecht nicht möglich, obwohl der Lohn gering war. Hier war stattdessen die Bäuerin auch Mutter, Hausfrau, Magd im Stall und Arbeitskraft auf dem Acker. Schuster beschrieb es in seinem Buch so: „Um vier Uhr aufstehen, füttern, melken und ausmisten. Zum Morgenessen wurde von der Bäuerin eine Kartoffelsuppe zubereitet und in späteren Jahren Malzkaffee mit gebrannter Gerste und Zichorie. Es galt, die Kinder zu versorgen und dann mit aufs Feld zu gehen.“

Das Mittagessen war recht sparsam: Suppe, Sauerkraut und Kartoffeln. Fleisch- und Knödeltag war früher nur der Sonntag, später kam noch der Donnerstag dazu. Nachmittags folgte weitere Arbeit auf Feld oder Hof, dann wieder Füttern, Melken, die Kinder ins Bett bringen und oft noch Nähen und Flicken bis tief in die Nacht hinein. Nur auf größeren Höfen waren das ganze Jahr über ein Knecht und eine Magd. Wenn ein mittelgroßer Bauer dringend einen Helfer brauchte, wurde der nur von Frühjahr bis Herbst beschäftigt. Nicht der Lohn war damals entscheidend – sondern dass auf dem Tisch immer genug zum Essen war.

Das Ende der Weihnachtszeit

Die Buben und Mädchen der kinderreichen Familie fanden überwiegend Arbeit nur als Knechte und Mägde bei Bauern. So wurden oft noch schulpflichtige Kinder von der Schule genommen, um sich bei einem Bauern als Hütbub oder Dienstmagd zu verdingen. Nicht viel besser dran waren oft die unverheirateten Geschwister des Bauern. Oberstes Ziel war, das „Sach“, den Hof, zusammenzuhalten. Wurde für den Dienstboten eine Versicherung einbezahlt (gwappelt), so gingen die zur Familie Gehörigen meist ganz leer aus.

Lichtmess gilt in der katholischen Kirche als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute werden vielerorts erst am 2. Februar Christbäume und Krippen entfernt. „Am Sonntag nach Lichtmess war in Schmidmühlen die Lichtmesskirchweih ein gern aufgesuchter Markttag“, so hat es Michael Koller erzählt. Es war einer der größten Feiertage im Jahr, weil die Dienstboten alle Geld hatten. Die Verkaufsstände reichten vom Messerer (Anwesen Büchner-Flierl) mit dem billigen Jakob bis zum Goldenen Anker mit dem 35-Pfennig-Stand.

Mitten drin in der Kälberweil

Gut besucht wurde der Markt von den Bauern und Bediensteten aus der Umgebung. Da erfuhr man nicht nur die neuesten Nachrichten, und wer wo einen neuen Dienstherrn gefunden hat. Hier gab es auch die Dinge des täglichen Lebens zu kaufen, vom Goislschnürl bis hin zu Knöpfen, Stoffen und Schuhen. Dass dann am Abend kräftig getanzt wurde, gehörte auch dazu – schließlich war man ja noch mitten drin in der Kälberweil, den Schlenkeltagen, an denen keine größeren Arbeiten verrichtet werden mussten.

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