06.11.2020 - 11:28 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Nach allerhand Wirrungen kehrt Schnaittenbach vor 400 Jahren zum Katholizismus zurück

400 Jahre endgültige Katholisierung, 350 Jahre Wiedergründung der Pfarrei, 300 Jahre Seitenaltäre, Predigtkanzel und Apostelstatuen sowie 100 Jahre neues Benefizium: Die Pfarrei St. Vitus kann heuer etliche Jubiläen feiern.

von Autor SHProfil

Diese runden Jahreszahlen waren Anlass für den Hobbychronisten Hans Grieger, in der umfangreichen Geschichte der Pfarrei zu blättern. Demnach waren die Vorfahren, die alten Deutschen, Heiden. Die christliche Lehre fand in der Region erst im 7. bis 10. Jahrhundert Eingang und konnte nur allmählich Fuß fassen. Der Chronik von Heimatforscher Georg Landgraf ist zu entnehmen, dass im Zuge der Christianisierung im Jahre 975 das Benediktinerstift Kastl gegründet und von dort aus die Pfarrei Hirschau eingesetzt wurde, deren Filiale Schnaittenbach in alten Dokumenten schon in frühester Zeit immer wieder genannt wird. Das Gotteshaus wurde erstmals 1384 urkundlich erwähnt, 1433 ist Schnaittenbach als Pfarrei aufgeführt.

Die Reformation des 16. Jahrhunderts brachte, da Schnaittenbach kurpfälzischer Besitz war, in religiöser und bildungsmäßiger Hinsicht allerhand Wirrungen. 1549 mussten die Schnaittenbacher den lutherischen Glauben annehmen, 1559 die calvinistische Lehre, 1576 wurde Schnaittenbach wieder lutherisch und 1583 nochmals calvinistisch. Im Jahre 1620, also vor genau 400 Jahren, kehrte Schnaittenbach zum katholischen Glauben zurück, dem der überwiegende Teil der Bürger bis in die heutige Zeit angehört. 1670, also vor 350 Jahren, wurde in Schnaittenbach wieder eine Pfarrei eingerichtet, der der Markt Schnaittenbach, die Dörfer Unterschnaittenbach und Forst sowie ie Einöde Seblasmühle und etwas später auch Demenricht angehörten. Haidhof und Haidmühle wurden 1963, Holzhammer 1964 und Neuersdorf 1965 pfarrlich an Schnaittenbach angeschlossen.

Pfarrarchivar und Kirchenchronist Stefan Siegert hat bei seinen Nachforschungen herausgefunden, dass das erste kleinere Kircherl in Schnaittenbach nicht, wie bisher angenommen, aus Holz, sondern schon aus Stein gebaut war. Graf Gebhardt II. aus Sulzbach ließ es nämlich im Jahre 1163 von einem Maurer aus Hirschau errichten. Nach der Kirchenerweiterung 1712/13 unter Pfarrer Max Höchtl wurde 1720, also vor 300 Jahren, das bisher öde und leere Gotteshaus völlig neu ausgestattet, etwa mit den beiden Seitenaltären, die der Gottesmutter Maria und dem heiligen Josef geweiht sind, der Kanzel und den Apostelfiguren. Sie stammen allesamt aus der Werkstatt von Johann Michael Doser, der auch die Altäre in der Schlosskapelle in Holzhammer und der Friedhofskirche in Hirschau gefertigt hat. Eines der wertvollsten Stücke des Gotteshauses ist die gut 250 Jahre alte Taufgruppe mit Jesus und Johannes dem Täufer, die sich in der Taufkapelle befindet. Die Schnaittenbacher Kirche mit ihren vielen Figuren und schönen Deckengemälden hat viele Bewunderer, von denen mancher sie als "Dom des Kaolinpotts" betitelte.

In der Pfarrei St. Vitus gab es einst ein Benefizium, das bis 1968 mit einem Benefiziaten besetzt war. Das ursprüngliche Frühmess-Benefizium St. Leonhardi lässt sich bis in die Anfänge des 13. Jahrhunderts zurückdatieren. Es wurde 1206 von Albrecht dem Muracher ins Leben gerufen, wobei es sich um ein Schulbenefizium gehandelt haben dürfte. Dessen Primissarius musste Kinder, die Lust am Lernen hatten, unterrichten, denn eine Schulpflicht gab es damals noch nicht. Kapelle, Altar und Benefiziatenwohnung befanden sich ursprünglich im sogenannten Ölberg, der an der Kirchennordseite angebaut war, und später im Haus "beim Mesner", das 1893 zur Erweiterung des Kirchplatzes abgerissen wurde.

Das Ordinariat genehmigte 1920, also vor exakt 100 Jahren, die Errichtung des neuen Kaplaneibenefiziums Schnaittenbach. Die Initiative hierfür ging vom Privatier Josef Auers aus. Er stiftete vor seinem Tod 1919 das Anwesen Nr. 32, heute der östliche Teil des Sparkassengebäudes, als Benefiziatenhaus mit Keller, Stallung, Hofraum und Brunnen, in das Gottfried Schmaz als erster vom Bischof von Regensburg bestellter Provisor einzog. Er musste die gestifteten Gottesdienste halten und dem Pfarrer in der Seelsorge behilflich sein. Wegen Priestermangel war das Benefizium von 1931 bis 1939 unbesetzt, die Aufgaben mussten vom damaligen Pfarrer Karl Kramer mit übernommen werden. Als am 1. Januar 1937 die Armen Schulschwestern unserer Lieben Frau den Schuldienst aufgeben mussten, hatten sie auch ihr Kloster zu räumen und wurden dann in das leer stehende Benefiziatenhaus umquartiert. In dem wohnten sie bis zum Umzug im Dezember 1952 ins neue Schwesternhaus an der Dr. Carl-Eibes-Straße.

Im Jahr 1953 verkaufte die Kirche das Benefiziatenhaus in der Hauptstraße an den Eisenwarenhändler Berthold Heller. Den Erlös verwendete sie für den Bau eines neuen Benefiziatenhauses im Zusammenhang mit dem Neubau des Pfarrhofs. Bis 1968 diente das Benefiziatenhaus als Wohnung für Kooperatoren mit eigenem Haushalt. Letzter Benefiziat war Max Schultes. Bis 2001 lebten in dem Haus Ruhestandsgeistlichen, ehe es als Wohnung auch für Kriegsflüchtlinge genutzt wurde. 2019 wurde im Benefizium ein eigener Raum für Kleinkindergottesdienste geschaffen, die die Pfarrei nun regelmäßig abhält.

Virtueller Rundgang durch Schnaittenbacher Pfarrkirche St. Vitus

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