26.02.2021 - 18:20 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Wegen Corona: TuS Schnaittenbach tagt im Freien

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Die Neuwahl verschiebt der TuS Schnaittenbach, so wie es viele Vereine gerade wegen Corona tun. Eine Versammlung muss der TuS trotzdem halten – am Samstag. Mit einer Sondergenehmigung, im Freien. Es geht um viel Geld.

Das Sportheim des TuS Schnaittenbach soll eine neue Heizung bekommen. Weil dazu jetzt ein Mitgliedervotum nötig ist, gibt es hier am Samstag eine Versammlung unter freiem Himmel.
von Heike Unger Kontakt Profil

Beinahe hätte die Corona-Pandemie dem TuS Schnaittenbach jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht: Schon seit zwei Jahren plant der Sportverein die Erneuerung seiner alten Heizung und auch eine Beregnungsanlage für seinen A-Platz. Rund 180.000 Euro soll das zusammen kosten – zu viel, als dass der Vorstand alleine entscheiden könnte. Er braucht die Zustimmung der Mitglieder. Und muss deshalb mitten in der Pandemie eine Versammlung abhalten. Das ist wegen der Corona-Einschränkungen derzeit bei vielen Vereinen gar nicht möglich, geschieht beim TuS aber nun am Samstagnachmittag in ungewöhnlichem Rahmen: Die Mitgliederversammlung findet im Freien statt, auf dem Sportgelände.

Online geht nicht

Der Verein hat sich dazu strenge Vorgaben zum Schutz aller Teilnehmer gemacht und sie beim Landratsamt als Konzept eingereicht, um eine Ausnahmegenehmigung für diese wichtige Versammlung zu bekommen, berichtet 2. Vorsitzende Kerstin Maunz. Für sein Vorhaben braucht der Verein ein Darlehen der Raiffeisenbank Hirschau. Weil es um mehr als die 25.000 Euro geht, über die der Vorstand alleine entscheiden könnte, ist laut Satzung ein Mitglieder-Votum erforderlich. Und zwar eines, bei dem die Abstimmenden persönlich anwesend sein müssen: Eine Video-Versammlung mit Online-Voting erlaubt die Satzung nicht. Für Maunz ein Grund, diese in nächster Zeit zu überarbeiten, damit künftig neue, digitale Wege möglich werden.

Die Mitgliederversammlung ist jetzt nötig, weil der TuS für seine aktuellen Projekte Förderzusagen von 120.000 Euro hat, die aber zeitlich begrenzt sind. Bedeutet: Würde man bis zum derzeit nicht absehbaren Ende der Corona-Einschränkungen warten, könnten die Zuschüsse verloren gehen. Und ohne sie wären die Projekte vermutlich nicht zu stemmen. Maunz lobt die Unterstützung durch das Landratsamt als die Behörde, die für die Genehmigung dieser Versammlung zuständig ist. Der Weg dahin war freilich nicht leicht. Er führte Maunz zunächst über die Corona-Hotline ins Bundesfinanzministerium und von dort ins Justizministerium, bei dem die Zuständigkeit fürs Vereinsrecht angesiedelt ist.

Versammlung mit strengen Vorgaben

Schnell war klar: Im Vereinsheim kann man so eine Zusammenkunft unter den Pandemie-Vorschriften nicht abhalten, da dort der Platz sehr beschränkt ist und keiner weiß, wie viele der insgesamt 850 Mitglieder tatsächlich kommen. Normalerweise seien es nicht mehr als 40, meint Maunz, aber sicher sein könne man da nicht. Und abweisen wollte der Vorstand niemanden.

Also wird es jetzt, am Samstag, 27. Februar, um 15 Uhr, eine Mitgliederversammlung im Freien, vor dem Vereinsheim abgehalten. Ohne Sitzgelegenheiten, mit FFP2-Maskenpflicht, Händedesinfektion, ohne Verpflegung, mit Abstimmung per Handzeichen und mit einem markierten Rednerpult als einzigem Platz, an dem gesprochen werden darf. Nur dazu darf die Maske abgenommen werden. Die Versammlung soll 30 Minuten dauern und findet bei jedem Wetter statt. Und wenn es regnet? "Dann müssen die Leute mit Schirm kommen", sagt Kerstin Maunz. Immerhin ist keine Mindest-Teilnehmerzahl erforderlich: Die TuS-Mitglieder, die am Samstag kommen, stimmen ab.

Im April geht's los

Die Tagesordnung beschränkt sich auf die Punkte, die jetzt dringend in Zusammenhang mit den Bauvorhaben entschieden werden müssen. Eigentlich, so sagt Maunz, stünden gerade turnusgemäß auch Neuwahlen an. Doch die müssen, wie bei vielen anderen Vereinen auch, warten, bis die Pandemie wieder reguläre Versammlungen zulässt. Bis dahin macht es der TuS so wie viele andere: der jetzige Vorstand arbeitet weiter.

Der TuS Schnaittenbach plant bereits seit zwei Jahren eine neue Pellets-Heizungsanlage, die die bestehende, 33 Jahre alte und mit Öl betriebene ablösen soll. Diese Heizung läuft zwar noch, verursacht aber seit einiger Zeit laut Maunz immer wieder Extrakosten durch Reparaturen. Außerdem könnte der Verein mit ihr die gewünschte Erweiterung seiner Photovoltaikanlage nicht umsetzen: Heizung und alter Pufferspeicher geben das nicht her. Die neue Anlage soll Anfang April eingebaut werden, teilt Vorsitzender Gerald Dagner mit. "Und 14 Tage später haben wir wieder heißes Wasser", freut sich Kerstin Maunz. Die Zeiten, in denen das warme Wasser "aus" ist, wenn zwei Mannschaften geduscht haben, sollen dann vorbei sein.

TuS Schnaittenbach: Finanzhilfe vom Stadtrat

Schnaittenbach

Genauso lang wie die neue Heizung bereitet der Verein auch eine Beregungsanlage für seinen A-Platz vor. Die Kosten für beide Vorhaben sind auf rund 180.000 Euro veranschlagt. Der TuS will dies über ein Darlehen finanzieren, hat eine Zusage der Stadt Schnaittenbach für eine Bürgschaft über 150.000 Euro. Außerdem gibt es 120.000 Euro an Fördergeld, wenn bis Ende Juli Bauabschlussunterlagen eingereicht werden.

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