22.11.2019 - 17:57 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nach 77 429 Schritten durchs Ziel

Die Schuhe drücken, die Muskeln werden spürbar. Jetzt nur nicht nachdenken, einfach weiter, Schritt für Schritt bis zum Ziel in Neumarkt. Und dann weicht bei Anna, Olaf und Mario Schlegel aus Schwandorf die Anstrengung dem Stolz.

Olaf, Mario und Anna Schlegel treiben nicht regelmäßig Sport und sind stolz auf ihre Leistung. Für die 50 Kilometer von Nürnberg nach Neumarkt haben sie neuneinhalb beziehungsweise gute acht Stunden gebraucht.
von Irma Held Kontakt Profil

Die drei Schwandorfer nehmen am 2. November am 50-Kilometer-Megamarsch in Nürnberg teil. Und sind schon wieder für nächstes Jahr am 7. November angemeldet. Diese Adrenalin geschwängerte Erfahrung lässt sie nicht mehr los. Anna Schlegel motiviert auch gleich noch einen Arbeitskollegen. Kein Wunder, die Drei erzählen so begeistert von ihrem Erlebnis, dass es ansteckend wirkt. So als gäbe es nichts Schöneres als 50 Kilometer bei Wind und Wetter zurückzulegen, vom mittelfränkischen Nürnberg ins oberpfälzische Neumarkt.

Aber es ginge noch mehr - aufdoppeln, auf 100 Kilometer in 24 Stunden. Also mal locker von Schwandorf nach Cham oder Regensburg und zurück marschieren. Die Schlegels sind einmal gescheitert und jetzt stolz auf das, was sie als "Unsportliche", als die sie sich bezeichnen, zu leisten vermochten.

Lehrgeld gezahlt

Ohne Lehrgeld geht es nämlich nicht ab. Das zahlen sie am 11. Mai in München. Der 19-Jährige Mario Schlegel entdeckt den Megamarsch im Netz - "ich wollte es mal ausprobieren" - und die Eltern schließen sich an. Nicht wissend, was auf sie zukommt, reisen sie mit viel zu schweren Rucksäcken nach München. Das Wetter ist auch noch hundsmiserabel, nass und kalt.

Als sich Olaf Schlegel nach rund 20 Kilometern Richtung Alpen eine Leistenzerrung holt, geben die Eltern auf. Der Sohn hält 60 Kilometer durch. Bei einsetzendem Schneeregen steigt auch er aus. Doch die Schlegels sind infiziert. 100 ist eine Nummer zu groß, aber 50 Kilometer wären machbar. Das ist auch Olaf Schlegels Rat: "Man sollte erst den 50er ausprobieren, bevor man mit dem 100er anfängt."

Nürnberg bietet sich an. Es ist der erste 50er-Megamarsch für die Frankenmetropole und die Schlegels. Von 2502 Startern laufen 1799 in Neumarkt durchs Ziel, darunter die drei Schwandorfer. Neuneinhalb Stunden sind der 50-Jährige und seine ein Jahr ältere Frau auf den Beinen. Der 19-jährige Sohn braucht gute acht, der Schnellste 7.05 Stunden. Aber das ist im Grunde unwichtig, was zählt, ist der Wille durchzuhalten, die mentale Kraft, die gegen die schwindende körperliche die Oberhand behält. Anna Schlegel findet dafür folgende Worte: "Irgendwann geht's, nur nicht darüber nachdenken".

Aufhören? Nein

Bei 30 Kilometer schießen ihnen Gedanken durch die Köpfe wie. "Eigentlich reicht's. Hör ma auf." Dann überwiegt die Neugierde zu schauen, "wie weit wir kommen". Ihr Stundenschnitt liegt bei fünf Kilometern, zwischen 4,2 und sechs werden empfohlen. "Wer langsamer ist, sollte rechtzeitig aufhören. Bei Kilometer 40 gehst du dann weiter, egal, ob du Blasen hast", sagt Olaf Schlegel. "Aber es ist hart." Jeder Kilometer, der nach den Worten von Mario Schlegel ab der 40er Marke Richtung Ziel angezeigt wird, wird gefühlt länger.

"Und dunkel wurde es auch langsam." Für Anna Schlegel ist das ein Minuspunkt des München-Abenteuers. Gestartet wird dort ab 12 Uhr. Familie Schlegel war um 17 Uhr an der Reihe. "Das heißt, in die Nacht rein, die ganze Nacht durch gehen und auch den nächsten Tag," sagt Olaf Schlegel. Ausgeruht, morgens oder vormittags, los zu marschieren, ist deutlich besser. In knapp einem Jahr starten sie um 8 Uhr. Das steht schon auf den Anmeldungen, die Anna Schlegel auf den Tisch legt. Und auf dieses nächste Mal wollen sie sich vorbereiten, die Beine nicht nur mit einer Salbe gegen Muskelkater einreiben. Diesmal sind sie "einfach mitgegangen" - Anna Schlegel 77 429 Schritte, Olaf Schlegel 70 038 und Mario Schlegel 64 044. Sie bringen Shirts, Urkunden, Medaillen und Finisher-Stempel im Wanderpass mit und fahren mit dem Taxi vom Schwandorfer Bahnhof nach Hause.

Der Stempel im Wanderpass ist der Beweis: Ziel erreicht.
Megamarsch:

100 Kilometer in 24 Stunden

Megamärsche sind in. Die Strecken sind 50 oder 100 Kilometer lang. Der Münchner Megamarsch führt am 9. Mai 2020 von der Landeshauptstadt überwiegend auf dem Jakobsweg an Isar und Loisach entlang nach Mittenwald. 24 Stunden haben die Teilnehmer Zeit, die Distanz zu bewältigen. In Nürnberg bleibt am 7. November 2020 für die 50-Kilometer-Strecke wieder zwölf Stunden Zeit. Die 2000 bis 3000 Geher starten jeweils zeitversetzt. Die Startzeit wird bereits bei der Anmeldung vermerkt. Der letzte Megamarsch dieses Jahres findet am 7. Dezember in Freiburg statt. Der kleine Bruder der 100-Kilometer-Tour, die 50 Kilometer, ist dort als Rundkurs angelegt.(ihl)

Wer hier aufhört und es dokumentiert, bekommt eine Urkunde. Olaf Schlegel, Frau und Sohn sind weiter gegangen.
Nur wer durchs Ziel geht, bekommt die Medaille.
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